"The Great Wall" - Multikulti an der Chinesischen Mauer!


IM KINO! ©Universal Pictures


Ein Chinese, ein Ami und ein Spanier treffen sich an der großen Mauer. Sagt der Spanier…was wie der typische Einstieg für einen Witz klingt, ist der erste Blockbuster der Saison. „The Great Wall“, eine gigantische internationale Koproduktion und nach „47 Ronin“ der erste ernsthafte Versuch, Ost und West zu verbinden. Ein überwiegend chinesischer Cast, ein amerikanischer Held und asiatische Folklore. Das alles unter der Regie des Ausnahmetalents Zhang Yimou („Hero“), der einen ausgeprägten Stil besitzt. Schafft er das Monstrum Blockbuster mit seinen künstlerischen Ambitionen unter einen Hut zu bekommen?
In den Mittelpunkt stellt das von Edward Zwick („Blood Diamond“) mitverfasste Drehbuch das Buddy-Pärchen Matt Damon („Der Marsianer“) und Pedro Pascal („Game of Thrones“). Während Ersterer mit viel zu ernster Miene durch den Film stolpert, ist es Pascal zu verdanken, dass „The Great Wall“ nicht an seiner Ernsthaftigkeit erstickt. Denn das hat der Film bitter nötig. Die Story rund um Monster, die alle sechzig Jahre die Chinesische Mauer attackieren, ist abstrus. Deshalb hält sich der Film auch gar nicht lange mit Hintergründen auf. Er wirft uns und seine Helden mitten ins Geschehen.

"The Great Wall" - Buntes Schwerterklirren & Sterben für das große Ganze

©Universal Pictures


So staunend wie die zunächst gefesselten Damon und Pascal staunt auch der Zuschauer. Die erste Attacke auf die Mauer ist äußerst packend inszeniert. Die Rüstungen schimmern in den schönsten Farben, die Nervosität spiegelt sich in den Gesichtern der Soldaten. Das hat zwar nicht die Qualität einer Schlacht um Helms Klamm, aber schön anzusehend ist es allemal. Dafür sorgen die fantastischen Actionszenen, mitsamt des berauschenden Set- und Kostümdesigns. Hier schöpft Zhang Yimou aus dem Vollen.
Sobald man denkt, „The Great Wall“ hätte sein audiovisuelles Pulver verschossen, setzt er noch eins drauf. So gestalten sich die Kämpfe schön übersichtlich und zwischendurch darf sogar Andy Lau sein Gesicht in die Kamera halten. Die Handlung selbst ist innerhalb von fünf Sätzen erklärt und vorhersehbar wie flach. Damons Charakter ist langweilig, während Willem Dafoes Figur nur dazu dient um erklären zu können, wieso manche Chinesen Englisch sprechen können. Sei’s drum.
Dafür blitzen die typischen Yimou-Momente oft genug auf um „The Great Wall“ über das Einerlei amerikanischer Großproduktionen zu heben. Seien es die Kampfinszenierungen oder die stille Poesie, die durch manches Bild anklingt. Glücklicherweise ist das CGI gelungen, auch wenn zuweilen omnipräsent. Dementsprechend nimmt die Faszination zum Ende hin ab, da „The Great Wall“ nur durch sein Setting bestechen kann. Der Rest könnte 1zu1 in einer Hollywoodproduktion stattfinden.

Fazit


Zhang Yimous Gespür für umwerfende Bilder sowie das Produktionsdesign entschädigen für die uninteressanten Charaktere. Dank der asiatischen Einflüsse weiß „The Great Wall“ zu unterhalten, da er – trotz erzählerischer Schwächen – erfrischend anders ist als der Rest. Der bessere „Warcraft“ sozusagen. 

©Universal Pictures

BEWERTUNG: 06/10Titel: The Great WallFSK: ab 12 freigegebenLaufzeit: 104 MinutenErscheinungsjahr: 2016Produktionsland: Amerika, ChinaAutoren: Edward Zwick, Tony Gilroy, Doug Miro, Thomas TullRegisseur: Zhang YimouDarsteller: Matt Damon, Pedro Pascal, Andy Lau, Willem Dafoe, Tian Jing, Lu Han 

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