The Dark

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The Dark

9Horror

Ein Mädchen und ein Junge irren alleine durch den finsteren Wald auf der Suche nach Zuflucht und Schutz. Nicht zufällig klingt der stark eingedampfte Plot von Justin P. Langes Langfilmdebüt The Dark nach Hänsel und Gretel im Märchenwald.

Fast wären die beiden durch einen heimischen Wald geirrt, wie der Regisseur beim Q&A nach der Österreichpremiere des Films beim /slash Filmfestival kürzlich verraten hat. Die austro-amerikanische Zusammenarbeit bei dem vom österreichischen Studio Dor Film produzierten und in den Nebenrollen mit Karl Markovics und Margarethe Tiesel auch prominent österreichisch besetzten Film, ist – wie so oft – dem Zufall geschuldet und der Freundschaft Langes mit seinem Co-Regisseur und Kameramann Klemens Hufnagl. Ein glücklicher Zufall allemal für das heimische Kino, das um eine Facette reicher ist. Dass dann doch im kanadischen Gehölz gedreht wurde, tut dem Ganzen keinen Abbruch. Auch nicht, dass sich der Film einer fixen Genrezuschreibung entzieht. Ob seiner übernatürlichen Elemente und seines düsteren Settings kann er wohl am ehesten als Fantastischer Film deklariert werden, der aber eine feste, und in der Dramatik ihrer Darstellung erschütternde, Verwurzelung in der Realität hat.

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Zurück in den Märchenwald. Die düstere Rohheit des Grimm‘schen Volksmärchens, das von bitterer Armut, prekären sozialen Verhältnissen aber auch von Emanzipation und vom Ausbruch aus der auferlegten Opferrolle erzählt, entlädt sich auch hier in eruptiven Gewaltausbrüchen, die zum Teil schmerzhaft mitanzusehen sind. Die Gewaltdarstellungen in The Dark erscheinen aber kaum als Selbstzweck oder sensationslüsterner Schauwert. Höchstens in der Anfangssequenz, in der allzu bekannte Motive und Schreckmomente aufgefahren werden und die Hackebeile tief fliegen, kann der Eindruck entstehen, soeben in die x-beliebige Auflage eines Backwood-Slashers geschlittert zu sein, inklusive mahnendem Tankstellenwärter. Dann aber, in den ruhigen Momenten, gewinnt die Erzählung an Kraft, blättern sich die Figuren und ihre Geschichten aus und mit ihnen das wirkliche Grauen, die nur zu reale und alltägliche Monstrosität.

Dass sich diese Atmosphäre so natürlich entfalten und verdichten kann, ist nicht zuletzt den beiden Jungschauspieler*innen geschuldet, die die Entwicklung ihrer Charaktere scheinbar mühelos und mit viel Gefühl auf die Leinwand bringen. Auch die erschreckend gut modellierten Masken, die von den beiden kongenial und mit bemerkenswerter Natürlichkeit getragen werden, dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Und nicht zuletzt ist Lange und Hufnagl ein wirklich schön fotografierter Film gelungen, in dessen Bildsprache es sich wunderbar eintauchen lässt, wenn man den Sprung in den Abgrund nicht scheut, der stellenweise bodenlos zu sein scheint.

Wir folgen dem Mädchen (Nadia Alexander) und dem Jungen (Toby Nichols) auf ihrer Flucht durch den dunklen Wald. Die Gemeinschaft der beiden ist keine gewählte, anfangs auch keine gewollte. Sie muss seinetwegen ihren Zufluchtsort verlassen, er hat ihretwegen kein Versteck mehr. Versteck, Zufluchtsort und Gefängnis sind hier gleichzusetzen. Anfangs verbindet die beiden nur ihre äußerliche Versehrtheit, sie kennen nicht einmal den Namen des anderen. Beide tragen Geheimnisse mit sich, eine schwere Dunkelheit, die in ertragenem Leid entstanden ist und sich auf sehr unterschiedliche Arten äußert. Ihre buchstäbliche Wiedergeburt nach dem erfahrenen Trauma äußert sich in einer rasenden, entmenschlichenden Gewalt, während seine Gewalterfahrungen ihn zum stillen inneren Rückzug gezwungen haben. Wie zwei Seiten derselben Medaille scheinen sie sich zuerst nur im Kreis zu drehen. Dann aber entsteht aus der Zweckgemeinschaft allmählich eine Freundschaft, und dann so etwas wie Hoffnung und dann so etwas wie Heilung. Ob diese gelingt, muss jede/r für sich selbst beantworten. Wir haben schließlich auch nie genau erfahren, wie es Hänsel und Gretel nach ihrer Rückkehr aus dem Wald ergangen ist.

Regie: Justin P. Lange, Klemens Hufnagl, Drehbuch: Justin P. Lange, Darsteller: Nadia Alexander, Toby Nichols, Karl Markovics, Margarethe Tiesel, Filmlänge: 95 Minuten, gezeigt auf dem /slash Filmfestival 2018, Kinostart: 12.10.2018

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Autor

Karin Gasch

Aufgabenbereich selbst definiert als: Zwielichtaufsuchende mit Twilight-Phobie. Findet "Ours is a culture and a time immensely rich in trash as it is in treasures" (Ray Bradbury) zeitlos zutreffend.


 

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