THE BIG SICK ist ein wundervoller Happy/Sad-Film mit Kumail Nanjiani

Es ist schon ein Mahnmal an die amerikanische Medienszene (aber das können wir gerne auf weltweit ausdehnen), wenn erst in der Netflix-Serie Master of None mit Aziz Ansari die stereotype Darstellung von Indern angeprangert wird und nun auch in Regisseur Michael Showalters The Big Sick die ebenso vorbelastete Denkensweise gegenüber pakistanischen Mitmenschen gesellschaftskritisch aufgearbeitet wird.

Statt Ansari bekommen wir hier Mit-Drehbuchautor Kumail Nanjiani zu sehen, der sich selbst als in Chicago lebender Stand-Up Comedian spielt. Hier lernt er Emily Gardner (Zoe Kazan) kennen, mit der er sich in eine Beziehung voller kultureller Unterschiede und daraus resultierender Schwierigkeiten stürzt.

Während seine muslimischen Eltern versuchen, ihn mit einer pakistanischen Frau zu verkuppeln und zu verheiraten – der Tradition der arrangierten Ehe folgend – verheimlicht er ihnen seine Beziehung zu einer nicht-muslimischen und weißen Frau, weil er Angst hat, aus der Familie verstoßen zu werden.

THE BIG SICK ist ein wundervoller Happy/Sad-Film mit Kumail Nanjiani

The Big Sick

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Kumail Nanjiani und Zoe Kazan in THE BIG SICK

Dabei basiert Zoe Kazans Emily Gardner auf Emily V. Gordon, ebenfalls Drehbuchautorin von The Big Sick und als Nicht-Muslimin mit Hauptdarsteller Kumail Nanjiani verheiratet – der Film ist eine lose auf ihrer gemeinsamen Geschichte basierende Erzählung.

Vermutlich kommt es daher, dass die Geschichte so rührend, glaubwürdig, wundervoll und nachvollziehbar sowie alles andere als einfach wirkt. Das Ehepaar hat eine romantische Story entwickelt, die auf alltäglicher Normalität und doch auch ein bisschen Hollywood aufgebaut wurde.

Mittendrin erlebt Nanjiani sein Leben also noch einmal, nur ohne seine Real Life-Ehefrau, sondern mit Zoe Kazan, die heimlich und leise Herzen erobert mit ihren Indie-Movie Kulleraugen und der stets vorhandenen Liebenswürdigkeit mit der sie ihre Frauenfiguren spielt. So verdreht sie Paul Dano als eine von ihm geschaffene Literaturfigur in Ruby Sparks den Kopf, in The F-Word wird sie vom Best Buddy zum Love Interest für Daniel Radcliffe und hier nun zur großen Liebe im Culture Clash für Kumail Nanjiani.

Nanjiani selbst gibt sich als amerikanischer Großstadt-Pakistani, der natürlich Uber fährt und lieber Videospiele zockt als dreimal täglich sein religiöses Gebet aufzusagen. Er weiß nicht, woran er glauben soll. Er ist eine dieser verlorenen Identitäten, die durch viel zu viele kulturelle Ansprüche lieber ihr eigenes Ding durchziehen. Würde man den Film-Nanjiani fragen, welcher Kultur er sich zugehörig fühlt, würde er vermutlich “der Stand-Up Comedy” antworten.

Besonders unterhaltsam sind seine Aufeinandertreffen mit Beth und Terry Gardner, den Eltern von Emily, die von Holly Hunter und Ray Romano exzentrisch gut verkörpert werden. Sie zeigen uns, dass es keiner kulturellen Unterschiede bedarf, um so überhaupt nicht zusammen zu passen und sich doch zu lieben.

Während Hunter eine taffe Mutter ist, die kein Blatt vor den Mund nimmt, sich gerne einen Whiskey gönnt und nur selten Schwäche zeigt, darf Romano der unsichere Ehemann sein, der mit einem Mix aus Reue und Unbeholfenheit alles für seine Frau tun würde und ihr aufs Wort gehorcht, sie aber auch immer ein wenig im Zaum zu halten versucht.

Es ist schön zu sehen, dass in einer Romantic Comedy noch mehr Figuren eine wichtige Rolle spielen als nur das im Mittelpunkt stehende Paar. So möchte man Holly Hunter und Ray Romano nur höchst ungern als Nebendarsteller in The Big Sick bezeichnen.

THE BIG SICK ist ein wundervoller Happy/Sad-Film mit Kumail Nanjiani

The Big Sick

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Holly Hunter und Ray Romano als Eltern von Emily (Zoe Kazan)

Beide stehen dem Pakistani zunächst höchst skeptisch gegenüber und wenn Papa Terry ihn fragt, was er denn vom 11. September halte und Nanjiani antwortet, dass sein Volk 19 wertvolle Männer verloren habe, dann entfaltet sich der ganze böswillig, schwarz-zynische Humor, der zugleich nur zu gut die Stereotypisierung innerhalb einer Gesellschaft und auf der ganzen Welt aufzeigt. Wir können lachen, sollten weinen, dürfen uns aber vor allem vor den Kopf gestoßen fühlen.

The Big Sick ist aber auch einer dieser Happy-Sad-Filme, die Humor und Trauer effektiv miteinander in Einklang bringen: Vergiss mein Nicht, Garden State, (500) Days of Summer – um nur einige weitere Beispiele zu nennen – immer wieder werden wir gekonnt durch dieses Gefühlschaos getrieben, das wohl am besten nachzuempfinden ist, weil es das reale Leben so gut widerspiegelt.

Aber am Ende läuft alles darauf hinaus, dass The Big Sick mit Nanjiani und Kazan zwei Figuren hat, die – ganz gleich ob reale Story oder nicht – eine Beziehung leben, die sich real, authentisch, charmant und so liebenswert anfühlt, wie es schon lange nicht mehr in einem Film gezeigt worden ist.  


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