"The Big Lebowski" [USA, GB 1998]


Sam Elliott erzählt die Geschichte über den Dude (falls wir Kurzformen mögen). Würde er sie jedes Jahr mit der ihm eigenen unverkrampft gesäuselten Cowboy-Melancholie erzählen – jedes Jahr würden wir uns vor Lachen kugeln, vor Tragik schluchzen und vor Faulheit kiffen. Denn: Der Dude (Jeff Bridges) ist der Dude ist der Dude, Vertreter einer Postmoderne, der nichts mehr heilig ist, weil sie selbst ihre Identität verloren hat. Religionen, Regeln, sterbliche Überreste. Eher: Religionsausverkauf, Bowling, das Haar schminkende Asche. Vietnam beim Kaffeelunch. Zirkusartisten. Verwechslungen. Die Coens sind die Coens sind die Coens, nur sie durften den Dude erschaffen, diesen chilligen, verflucht-fluchtenden Teilzeitbär. Die Coens überführen das Heilige in das Profane und transzendieren das Profane zum Heiligen; bei ihnen ist Leben vor allem Gefühl zwischen den Zeichen und Niederschlägen kurzatmiger Erfahrungen. Mit allem nehmen es die Gebrüder auf, sie dekonstruieren die große Erzählung, lenken, kommentieren und brechen sie in Episoden akuter Ideenfülle, voller Bonmots am Rande: David Huddleston kalauert sich pointensicher zu einem der irrsinnigsten (Coen-)Geschöpfe ("Penner!"), wohingegen Roger Deakins den Bowlingkugeln traumtänzerisch nachjagt. Das Lebensgefühl des Duderinos vereinigt sich mit dem Lebensgefühl hinter den Kulissen, den Geschichten über die Geschichte hinaus und warum wir sie brauchen, von Sam Elliott erzählt zu bekommen.
8 | 10