The Artist

The ArtistZum Thema Perspektivenwechsel hat das Kino grade einen grandiosen Film zu bieten: THE ARTIST. Eine Reminiszenz an das Ende der Stummfilmzeit. In einem Stummfilm.

Erst dachte ich ja „Stummfilm? Das hört sich langweilig und gleichzeitig anstrengend an.“

Langweilig? Okay, die Story ist eher durchsichtig, das Ende ein bisschen absehbar, der Weg dorthin ziemlich schematisch. Das macht in dem Fall gar nix, es erleichtert den Blick auf das eigentlich Grandiose des Films:

Ohne Ton hab ich mich auf ganz andere Dinge konzentriert. Ich hab mehr gesehen. Mehr Details. (Gleichzeitig hab ein bisschen bedauert, dass in einem Stummfilm nicht auch das Publikum stumm ist…)

Der Film spielt genau mit dieser verschärften Wahrnehmung: Ein Glas, das beim Abstellen plötzlich einen Ton macht. Eine Feder, die zu Boden fällt. Und der Schluss, der dann den Übergang zum Tonfilm mitmacht.

Das war sehr schön, ich hab mich völlig versenken können, entspannt und konzentriert zugleich. Ich hatte den Eindruck mehr mitzubekommen statt – wie vermutet – weniger.

Ganz im Gegenteil zu einem Abendessen in in einem Restaurant, in dem wir im Stockfinsteren von Blinden bedient wurden. Da konnte ich mich den gesamten Abend lang nicht entspannen, ich hab mich eingesperrt gefühlt, meine Wahrnehmung war auf einen ganz kleinen Bereich zusammengeschrumpft. Muss ich nicht dringend nochmal haben. Meine Begleiter waren übrigens begeistert. Immer wieder interessant, wie unterschiedlich Menschen funktionieren.

Was lernen wir? Sich selber ab und zu eines Sinnes berauben eröffnet neue Wahrnehmungsmöglichkeiten. Das kannst du ganz leicht haben: Einfach mal die Augen zumachen. Drinnen oder – noch besser – draußen. Mal die Ohren zuhalten, feste! Mal mit geschlossenen Augen eine Rosine essen. Mal Düften nachschnüffeln.

Mal machen!

Genieß den Weg!