Tennengebirgs-Überschreitung: Bis zum Mond und wieder hinab

Auf dieser Überschreitung überquerst du auf Skiern das Plateau des Tennengebirges. Von Werfenweng geht’s über den Scheiblingkogel nach Oberscheffau.

Gut möglich, dass ich gerade exakt in der Mitte des Tennengebirgs-Plateaus stehe. Die Landschaft bis zum Horizont gleicht einer verlassenen Mondlandschaft. Um mich tiefe Krater, dazwischen sanfte Erhebungen. Die im Sommer so karge Karstlandschaft überzieht eine homogene Schneedecke. Nur wenige Gipfel stechen markant hervor – darunter der Eiskogel, der Bleikogel, der Werfener Hochthron und der Scheiblingkogel. Letzterer markiert den letzten Gipfel der Tennengebirgs-Überschreitung, auf der ich heute meine Heimatberge überqueren will.

So einsam ich mich in diesem Moment auch fühle, ganz allein bin ich nicht. Ich darf ein Filmteam von Bergwelten über das Plateau des Tennengebirges begleiten. Mit dabei ist auch Joe Bachler – die Bergsteigerlegende aus Abtenau. Er hat das Tennengebirge zum ersten Mal mit zehn Jahren überschritten. Sechs Jahrzehnte später ist er fit wie damals und immer noch gerne im Tennengebirge unterwegs.

Als Lungötzerin bin ich auf der Südseite des Tennengebirges aufgewachsen. In Anbetracht dessen trau ich mich fast nicht sagen, dass ich die Tennengebirgs-Überschreitung noch nie gemacht habe. Ist sie doch einer der großen Skitouren-Klassiker in unseren Heimatbergen. Ja, es ist für mich das erste Mal, dass ich unser Birg überschreite.

Für die Tennengebirgs-Überschreitung gibt es mehrere mögliche Routen. Die bekanntesten sind:

  1. Von Werfenweng über den Scheiblingkogel nach Oberscheffau
  2. Von Werfenweng über den Bleikogel nach Abtenau
  3. Vom Pass Lueg über die Wieselsteine/den Knallstein nach Werfenweng

Sie alle haben gemein, dass sie das Plateau des Tennengebirges von Süden nach Norden (oder umgekehrt) überschreiben. Letztere ist die längste und anspruchsvollste, zweitere die kürzeste und erstere die beliebteste Variante.

Wir haben den Klassiker von der Wengerau über den Scheiblingkogel und die Wies-Abfahrt nach Obescheffau gewählt.

Toureninfos zur Tennengebirgs-Überschreitung

  • Ausgangspunkt: Werfenweng, Parkplatz Wengerau
  • Endpunkt: Oberscheffau (Parkplatz an der Brücke in der scharfen Kurve)
  • Anstieg: 1.750 Höhenmeter
  • Abstieg: 2.250 Höhenmeter
  • Länge: 21,5 Kilometer
  • Route: Von der Wengerau hinauf zur Hackel-Hütte und weiter zur Tauernscharte. Am Fuße des Tauernkogels, Eiskogels und der Schartwand vorbei zum Schubbühel. Von dort in nördlicher Richtung in leichtem Auf und Ab über das Plateau Richtung Scheiblingkogel (Markierungsstangen). Vom Scheiblingkogel Abfahrt über die Kare der Röth, Schwer oder Wies nach Oberscheffau. Bei geringer Schneelage ist die Abfahrt entlang des Sommerwegs über die Schwer die beste Option. Dann kann man über den Wanderweg zur Rossberghütte absteigen und von dort aus dem Forstweg nach Oberscheffau folgen.
  • Schwierigkeit: mittel (zur guten Orientierung nur bei Schönwetter aufbrechen)

Tennengebirgs-Überschreitung: Die Skitour startet im Süden

Das erste Drittel der Tennengebirgs-Überschreitung ist uns ein Altbekanntes. Viele Male im Winter nehmen wir den Anstieg von der Wengerau über die Hackel-Hütte auf uns, um die schönsten Firnabfahrten und Pulverschwünge abzustauben.

Der Anstieg ist fast immer gespurt, entlang des Sommerwegs geht’s schnell bergan und die Orientierung fällt (noch) leicht. An der Tauernscharte zwischen Tauernkogel und Napf sind die ersten 1.000 Höhenmeter der Tennengebirgs-Überschreitung bereits bewältigt.

Tennengebirgs-Überschreitung SkitourKurz nach der Tauernscharte öffnet sich der Blick zum Gosaukamm. 1.000 Höhenmeter hat man hier schon bewältigt. Tennengebirgs-Überschreitung SkitourWestlich des Tennengebirges liegt das Hochkönig-Massiv. Davor erkennen wir den Werfener Hochthron und die spektakuläre Skiabfahrt der Wermutschneid.

Erleichterung in den Augen der Kameramänner, die ihre schwere Ausrüstung durch das sonnige, windstille Kar unter uns hochgeschleppt haben. Erleichterung auch bei mir und Joe, dass wir so gut in der Zeit liegen und die ganze Tour so locker aus den Beinen geht.

Wir halten uns weiterhin entlang des Sommerwegs. Gehen auf den Eiskogel zu, schwenken kurz davor nach rechts, bleiben mit den Blicken kurz an der wunderschönen Südflanke der Wermutschneid hängen, streifen den Fuß der Schartwand und erreichen wenig später den Schubbühel (2.334 m).

Dann liegt es in seiner vollen Ausdehnung vor uns: das Plateau des Tennengebirges.

Tennengebirgs-Überschreitung SkitourJoe Bachler, die Bergsteiger-Legende aus Abtenau, staunt über die Ausdehnung des Plateaus. Beim Blick vom Schubbühel nach Norden wird uns erst richtig bewusst, wie viel noch vor uns liegt.

Bis zum Mond und wieder hinab

Ist es nicht eigenartig, dass wir eine Landschaft mit der Oberfläche des Mondes vergleichen, ohne diesen jemals aus der Nähe gesehen zu haben? Auch ich war noch nie am Mond (Sponsoren für eine Mondreise wären willkommen) und dennoch scheint mir der Vergleich überaus passend. Vielleicht wähle ich ihn aber einfach aufgrund mangelnder schreiberischer Kreativität.

Wir stehen also unterhalb des Schubbühels und blicken gen Norden über das Tennengebirgsplateau. Es ist gesprenkelt von Mulden, tieferen Kratern, sanften Kuppen und einzelnen Bergspitzen. Den Scheiblingkogel erkennen wir ganz am nördlichen Rand.

Fellabfahrt vom Schübbühel. Fellabfahrt vom Schübbühel. Am Gegenanstieg auf den Scheiblingbühel. Am Gegenanstieg auf den Scheiblingbühel. Einsame Mondlandschaft. Einsame Mondlandschaft.

Sieht noch weit aus, sind wir uns einig. Einig sind wir uns aber auch, dass der Weg dorthin überaus logisch aussieht. Zwar ist keine Spur erkennbar, doch die grobe Route ist mit Holzstangen markiert und wenn wir uns streng nach Norden orientieren, können wir den Scheiblingkogel nicht verfehlen.

Auf den Fellen gleiten wir 200 Höhenmeter in eine riesige Mulde hinab. Abzufellen macht hier wenig Sinn. Die Abfahrt ist flach und kurz. Die nächsten zwei Kilometer rasen fast dahin und der Scheiblingkogel ist nun doch schon ganz nah!

Mondlandung am Scheiblingkogel

Zunächst müssen wir aber noch am Scheiblingbühel vorbei. Der ist ein etwas niedrigerer, dem Scheiblingkogel vorgelagerter Gipfel. In wenigen Spitzkehren steigen wir den Bühel hoch und können von dort aus fast ohne Höhenverlust um letzten Gipfel unserer Tennengebirgs-Überschreitung queren.

Bevor wir hinüberstarten, werfen wir einen Blick zurück nach Süden, betrachten die Route, über die wir gekommen sind. Wir alle sind angetan. In Joes Augen, den die letzten Stunden überhaupt nichts aus der Ruhe gebracht hat, leuchtet tiefe Zufriedenheit auf.

Beide haben wir wohl gerade denselben Gedanken: Sche is bei ins dahoam!

Der Scheiblingkogel ist schon ganz nah. Der Scheiblingkogel ist schon ganz nah. Steinmänner markieren die letzten Meter. Steinmänner markieren die letzten Meter. Tennengebirgs-Überschreitung SkitourJoe und Regisseur Flo genießen die Einsamkeit am Tennengebirgs-Plateau.

Auf einem aussichtsreichen Rücken, wieder am Sommerweg entlang, gleiten wir die letzten eineinhalb Kilometer zum Scheiblingkogel. Die Freude, diese Tour erleben zu dürfen, steht uns allen ins Gesicht geschrieben. Das Wetter ist fantastisch. Der Himmel nicht fad und blitzblau, sondern mit dünnen Schleiern überzogen. Das Plateau schimmert matt und kontrastreich. Jedes Detail ist erkennbar.

Als wir nach 10 Kilometern am Gipfel ankommen wird uns klar, dass wir auf der gesamten Tennengebirgs-Überschreitung keine anderen Skitourengeher getroffen haben. Fast so einsam wie am Mond.

Den Scheiblingkogel schmückt ein dunkles Kreuz, darin eingefasst eine goldene Kugel. Vom hell leuchtenden Plateau des Tennengebirges hebt es sich so markant ab.

Der Wind pfeift uns um die Ohren (am Tennengebirge nichts Neues). Bussi an alle, Felle ab und ab nach Oberscheffau! Wir verlassen die Mondlandschaft des Tennengebirges über dessen Nordseite.

Mondlandung. Mondlandung. Gipfel in Sicht. Gipfel in Sicht. Am Scheiblingkogel. Am Scheiblingkogel.

Abfahrt über die Wies

Für die Abfahrt nach Oberscheffau stehen uns drei Varianten offen. Die Röth, die Schwer und die Wies. Währen die Röth eher selten befahren werden, bieten die Kare der Schwer und der Wies schöne Hänge.

Bei geringer Schneelage empfehle ich die Abfahrt über die Schwer. Dort kann man, ist der Schnee zu Ende, die Skier auf den Rucksack packen und entlang des Sommerwegs über die Rossberghütte nach Oberscheffau absteigen.

Wir hoffen noch auf gute Bedingungen und entscheiden uns für die Wies. Die drei Kare werden von der Rotwand, der Schwerwand und der Wieswand getrennt. Sie sind auch namengebend für die dazwischenliegenden Kare.

Tennengebirgs-Überschreitung SkitourWir entscheiden uns für die Abfahrt über die Wies. Dafür müssen wir noch einmal um die Ecke. Vor der Wieswand in der Bildmitte links hinab und verlassen die Mondlandschaft des Tennengebirges.

Die Wies ist das rechteste Kar, blickt man vom Scheiblinkogel hinab nach Oberscheffau. Links der Wieswand fällt es 1.000 Höhenmeter über die Nordseite des Tennengebirges hinab. Hat man Glück, findet man hier auch spät in der Saison noch Pulverschnee.

Hat man Pech (so wie wir), rutscht man auf Harsch und Plattenpulver hinab, bis man oberhalb des Forstweges im Gestrüpp stecken bleibt und heilfroh ist, den noch schneebedeckten Forstweg zu erreichen.

Soweit es die Schneelage noch zulässt, schlängeln wir uns zwischen schneefreien Flecken entlang des Forstwegs ins Tal. Etwa fünf Kilometer sind es von der Rossfeldhütte noch bis nach Oberscheffau. Wir haben heute Glück und müssen nur knapp zwei Kilometer tragen.

Wie es die Tradition verlangt, kehren wir nach der Tennengebirgs-Überschreitung auf ein TAB* in der Lammerklause ein. Prost auf diese zurecht legendäre Überschreitung unserer Heimatberge!

*Tourenabschlussbier

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