Tasting vom 28. April 2018: Ein Rückblick

Von Rwarth
In einer neuen Umgebung - inmitten Luzerns Neustadt - fand das RLW-Frühlingstasting bei besten Wetterverhältnissen statt. Kurzzeitig wurde sogar überlegt, das Tasting draussen durchzuführen, aber die Idee wurde angesichts des Stadtlaufs (Volkslauf) und der entsprechenden Ablenkung rasch wieder verworfen. So lauschten und sinnierten die Teilnehmer 90 Minuten lang über eine nicht alltäglich Zusammenstellung von schottischem Single Malt Whisky.

Wohlwissend, dass die Teilnehmer keine langen Aufwärmzeiten benötigen, wurde das Tasting mit einer komplexen 39jährigen Abfüllung aus dem Hause Tomintoul eröffnet.   


Tomintoul, 39y, 1972, The Whisky Agency, 45.7%, Bourbon CaskNase ("N"): Vanille, Butterkeks, Leder, Honig, breit,Gaumen ("G"): Immer noch Power, trotz des Alters. Vanille, Süsse, trockene Malzigkeit, Früchte (Melonen und Papaya), Eiche, etwas Menthol. KomplexAbgang: Angenehm, leicht, trocken, kurz-mittellang, Gewürze und FrüchteHier war es von hoher Wichtigkeit, dem Whisky genügend Zeit zu geben, sich zu entfalten und damit seine Komplexität zu offenbaren. Einige Teilnehmer gingen im Verlauf des Tastings wieder auf den "Einsteigerwhisky" zurück und erkannten, wie er sich durch die Raumtemperatur und den Luftkontakt weiter entwickelte. Eine tolle Abfüllung! Der Dank geht an The Whisky Agency.Nach der ältesten Abfüllung folgte die Jüngste im Frühlings-Lineup:Miltonduff, 6y, 2009, Sgaile.com, 55%, Bourbon Cask
N: Intensive Vanille, enorm präsente Frucht (Wassermelone), Gebrannte Mandeln
G: Vanille, intensiv und kräftig, Melone bleibt, etwas alkoholisch
A: Mittellang, wärmend, angenehm, wiederkehrend

Dass Glenfarclas neben Sherry-Bomben auch Abfüllungen mit dezenter Sherrynote auf den (französischen) Markt bringt, zeigte die Vintage-Abfüllung von 2001 (abgefüllt 2011) eindrücklich:


Glenfarclas, 10y, 2001, Destillerie-Abfüllung, 45%, Sherry CaskN: Sherry, Holz, DörrpflaumenG: Perlig, Sherry, intensiv und breit, komplex und würzig auf der Zunge. Viel Frucht, besonders rote Früchte, Sherry und winterliche Gewürze wie Muskat sowie etwas Zimt. Es folgt der Eindruck von dunkler SchokoladeA: Lang, ölig und trocken zugleich, wärmend, etwas alkoholisch (trotz der moderaten 45%)

Mit nur wenig mehr Volumenprozent ging es von der Speyside in die (Northern) Highlands, der Küste entlang zu Clynelish und damit zu einer der letzten Abfüllungen unter der alten Ausstattung von Gordon & MacPhail's.


Clynelish, 12y, 2004, GM Connoisseurs Choice – old Label, 46%, Refill Sherry Cask
N: Sherry, Fruchtgummi, leicht maritim, Salz, MandelnG: fruchtig (Orangen/ Limonen), ausgewogen mit einer angenehmen Salznote, Zimt und etwas SchokoladeA: Sehr trocken und kurz

Mit der nächsten Abfüllung blieben wir bei den maritimen Noten und die Teilnehmer konnten diese aussergewöhnliche Glen Scotia Abfüllung im Blind Tasting nicht zuordnen. Selbst die Eingangsfrage, aus welcher Whiskyregion Schottlands diese Abfüllung stamme, entzündete eine lebhafte und interessante Grundsatzdiskussion mit dem Fazit, dass es mittlerweile Destillerien in jeder Whiskyregion (Ausnahme bleiben wohl die Lowlands) gäbe, die in der Lage seien, solche Whiskies zu produzieren. Glen Scotia, 16y, 2001, Einzelfass-Abfüllung für "Best Taste Trading", 54.1%, Bourbon CaskN: Leichte Salzbrise, Veilchen, leichter Phenol, ZitroneG: Malzig, leicht, Vanille, HonigA: Salz, etwas ölig, Ingwer, weisser Pfeffer, AfterburnerRauchig ging's dann auf Orkney mit der ersten Abfüllung einer Trilogie mit Valkyrie, Valknut und Valhalla weiter.Vielleicht werden wir in zwei Jahren die Abfüllungen miteinander verkosten, aber für den Augenblick hatten wir uns auf Valkyrie fokussiert: 

Highland Park, Valkyrie, 45.9%, Destillerieabfüllung – Trilogie (1/3)N: Sanfter Rauch, Leder, Scharf und süß mit Vanille, Zitrus und etwas Rauch, deutliche Aromen von grünen Apfeln und reifenden ZitronenG: Trocken, Salz, Asche, orientalische Gewürze, Ingwer und dunkle Schokolade. Dazu salziges LakritzA: Mittellang, ölig, zart rauchig, salzig, Aromen reifer Früchte

Die Möglichkeiten von Lomond-Stills wurde anhand der nächsten Abfüllung eindrücklich vor Augen geführt. Die Einzelfassabfüllung gehört in den Fundus jedes Rauch-Liebhabers.  

Croftengea (Peated Loch Lomond), Anne McKenzie’s Phileas Fogg Reform Club Bottling, 10y, 2007, 56.5%, Bourbon CaskN: Rauch, Salz, Heu, gegerbtes Leder, alte Asche, etwas ZitrusG: Rauch, Salz, Trocken, öligA: Mittellang und angenehm wohlig

Geendet hat das Tasting mit einem Spaziergang durch "rauchigen Dunst" auf Islay, direkt von Bunnahabhain geliefert. Eine "No Age Statement - NAS" Abfüllung, die wir als eine der wenigen vermissen werden.


Bunnahabhain, Ceobanach („rauchiger Dunst“ durch Torffeuer), Batch 2, Destillerie-Abfüllung, 46.3%, Bourbon CaskN: Feiner Aschenrauch, Süsse, Intensiv, würzig und rauchig mit Noten von Holzteer und Seetang, BitterorangenG: Süss-torfig trocken, angenehm, weich und süß mit Malz und Vanille. Rauch, weißer Pfeffer und etwas Bitterorange, Lakritz und MeersalzA: Trocken, Salz, ölig werdend, maritim mit pfeffrig süßem Rauch und Haferplätzchen, sehr lang

Und weil es so schön war, gab's auch noch ein Dram nach Wunsch für jeden Teilnehmer. Für einige war das Tasting der Auftakt zu einem gemeinsamen Abendessen, an dem intensiv weiter diskutiert wurde.

Danke für die tolle Zeit und bis im Herbst.