Tanztheater international in Hannover, 2013 zum 28. Mal

Von Helge
Wieder hat Christiane Winter ein spannendes Programm zusammengestellt: Elf verschiedene Produktionen von acht Tanzkompanien und den drei Choreografen des Künstlerresidenzprojektes "Think Big", KünstlerInnen aus Frankreich, der Schweiz, Deutschland und Schweden, mit kulturellen Wurzeln in Algerien, Korea, Finnland, Spanien, Japan und Kuba. Themenschwerpunkt ist diesmal das soziale Miteinander, die gesellschaftliche Perspektive; als Länderschwerpunkt hat sich Frankreich herauskristallisiert. Knapp 100 ChoreografInnen, TänzerInnen, SängerInnen, MusikerInnen, TechnikerInnen und TourmanagerInnen werden nach Hannover kommen


Es beginnt gleich mit einem grandiosen Auftakt, am 29. und am 30. August: Für "Chorus" wird der französische Bildhauer und Choreograf Mickael Phelippeau einen 21-köpfigen A-Cappella-Chor auf die Bühne bringen - nicht nur zum Singen, wie mensch sich denken kann.
Am letzten Augusttag werden die Ergebnisse des Künstler-Residenzprogramms gezeigt - eine ganz besondere Art eines Stipendiums, das jetzt zum zweiten Mal an junge ChoreografInnen vergeben wurde: Drei von 50 Bewerbern, von einer Jury ausgewählt, durften sich ihr eignes Ensemble zusammenstellen, in der Oper proben und werden an diesem Abend ihr neues Tanzstück uraufführen. 


Heddy Maalem ist wieder mit seiner Compagnie dabei, der algerisch-französische Tänzer, der vor einigen Jahren mit 14 afrikanischen TänzerInnen zu Strawinskys Musik alle mitgerissen hatte. Diesmal bringt er mit fünf Tänzerinnen und Tänzern Krump auf die Bühne, einen aggressiven Tanzstil aus den Armenvierteln von Los Angeles (2.9.). 

Ganz anders Nacera Belaza, die ebenfalls algerisch-französischer Herkunft ist: Ihre Choreografien sind eher konzentriert und sparsam; sie arbeitet allein mit ihrer Schwester zusammen (4.9.).


Ein weiteres Beispiel: Die 34-jährige Anne Nguyen zeigt mit ihrer sechsten Choreografie, welch tänzerische und technische Vielfalt der Hip-Hop bietet (7.9.). 

Etwas ganz Besonderes verspricht auch Martin Schick mit seinem "Halfbread"-Projekt: Man gebe von allem, was man hat, die Hälfte seinem Nächsten - Martin Schick teilt sein Honorar und seinen Raum mit einem "Gasttänzer aus einem ökonomisch gebeutelten Land", in diesem Jahr mit dem Italiener Vito Alfarano. "Postkapitalismus  für Anfänger" lautet der Untertitel der Produktion (7.9.). 

Ich hoffe, diese Beispiele können neugierig machen und zu einem Besuch einiger Vorstellungen anregen - es lohnt. Die Programmübersicht und weitere Informationen finden sich auf der Netzseite des Veranstalters, www.tanztheater-international.de

Text: Dr. Helge Mücke, Hannover; die Bilder wurden als Pressefotos von der Veranstalterin zur Verfügung gestellt, sind also nicht frei verfügbar. Die Titel und Fotografen, von oben nach unten: "Chorus", Alain Monot; "Think Big", FotografIn nicht genannt; "Éloge du puissant royaume", Patrick Fabre; "Autarcie (....)", Laurent Philippe.