Tanz aus Israel: Sharon Eyal und Emanuel Gat am Festival „DANCE“

Von Juedischesmuseum

Ob zu Purim auf den Straßen Tel Avis oder an Simchat Tora (dem Freudenfest der Tora) – Tanz ist mit den Kulturen in Israel eng verwoben.

Davon erzählt nicht nur die Geschichte des Volkstanzes in den ersten Kibbuzim, wie etwa der 1937 von Else I. Dublin entwickelte Tanz „Mayim, Mayim“ anlässlich eines „Wasserfestes“ in der Wüste . Auch die 1964 unter anderem von Baroness Bethsabée (Batsheva) de Rothschild in Tel Aviv gegründete Batsheva Dance Company oder das erst seit wenigen Jahren regelmäßig stattfindende Midburn-Festival im Negev, das dem „Burning Man“ Nevadas entlehnt wurde, stehen für die herausragende Bedeutung der Selbstentfaltung und des Ausdrucks durch tänzerische Bewegung. Und so kann und muss es nicht verwundern, dass zwei Performances aus Israel stammender Choreographen und Choreographinnen trotz ihrer sichtbaren Unterschiedlichkeit mit zu den Highlights des am Sonntag zu Ende gegangenen 15. Internationalen Festivals für zeitgenössischen Tanz der Landeshauptstadt München zählten.

„We are not performing. We are sharing sensations“, sagt die schwedische Tänzerin Rebecca Hytting im Publikumsgespräch, kurz nachdem sie 55 Minuten lang mit ihrer Gruppe „L-E-V“ auf der Bühne des Carl-Orff-Saals am Gasteig vermeintlich Unmögliches mit ihrem Körper geleistet und damit dem Tanzfestival „DANCE“ einen überwältigenden Abschluss bereitet hat. Dass diese Gefühle beim Publikum angekommen sind, zeigten minutenlanger tosender Applaus und sogar Standing Ovations nach dem Auftritt. „OCD Love“ ist das jüngste Projekt des im Jahr 2013 von Sharon Eyal and Gai Behar – die sich einst auf den von Behar veranstalteten legendären „underground raves“ in Tel Aviv kennenlernten – gegründeten Ensembles. Der Titel bezieht sich auf das verhängnisvolle Zusammenspiel von Zwängen, Tics, Obsessionen und der Liebe – ein Thema, das laut Hytting die Choreographin Eyal schon lange in sich getragen hat.

Um das Aushandeln von Beziehungen, von Nähe und Distanz, ging es auch in der Performance „Sunny“ des 1969 im israelischen Chadera geborenen Emanuel Gat, die hingegen durch extravagante, farbenfrohe Kostüme und den gleichnamigen, im Zentrum stehenden Song von Bobby Hebbs aus dem Jahr 1966 keineswegs düster und tragisch daher kam. Begleitet wurde die Show live von dem Musiker Awir Leon, der selbst einmal Tänzer in Gats Kompanie war. Gats Biographie zeigt, dass nicht nur ein international angesehener Choreograph werden kann, wer bereits im Alter von fünf Jahren ein minutenlanges Fouetté en tournant beherrscht. Ebenso wie der weltberühmte „Mr. Gaga“ Ohad Naharin startete auch er, der ursprünglich einmal Dirigent werden wollte, seine Tanzkarriere verhältnismäßig spät – im Alter von 23 Jahren. 2004 gründete Gat seine international erfolgreiche Kompanie „Emanuel Gat Dance“, die seit 2007 im französischen Istres zuhause ist.

Foto: Dajana Lothert