Tanabata oder das japanische Sternenfest

Dass die Japaner ja durchaus ein Faible für Romantik zu haben scheinen, hat ja bereits der Artikel zur japanischen Variante des Valentinstag, dem sogenannten White Day am 14. März gezeigt. Da Japan aber auch ein Land mit langer Geschichte und einer Reihe kurioser Feiertage (siehe dazu u.a. den Tag des Dankes für Arbeit – 勤労感謝の日 – Kinrô Kansha no Hi) ist, soll es am heutigen 7. Juli um eine weitere japanische Tradition gehen: Tanabata oder das japanische Sternenfest (jap. 七夕, dt.: siebenter Abend bzw. chin. 棚機, dt. Wega). Nur so viel vorweg: Auch hier spielt die Romantik eine zentrale Rolle. Um was geht es also bei Tanabata?

Kuriose Feiertage - 7. Juli - Tanabata - das japanische Sternenfest - Tanabata_Festival_in_Edo_(Hiroshige,_1852) via Wikimedia Commons

Hiroshige [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Liebesgeschichte der Sterne Wega und Altair

Obwohl die Sterne in der japanischen Mythologie nicht die zentrale Rolle wie z.B. in der europäischen Tradition einnehmen, gibt es mit dem Tanabata-Fest zumindest eine Ausnahme. Denn das japanische Sternenfest beschreibt mythologisch eine bestimmte Sternenkonstellation in Form einer tragischen Geschichte eines Liebespaares, das bis auf einen Tag im Jahr durch die Milchstraße getrennt bleiben musste. Nach dem alten japanischen bzw. chinesischen Mondkalender wurde dieses Datum als der siebte Tag des siebten Monats definiert. In der Moderne hat man dies dann auf den 7. Juli transferiert. Bevor wir hier einen Blick auf die astronomischen Gegebenheiten werfen, zunächst ein paar Worte zu der angesprochenen Liebesgeschichte und ihrem Bezug zum Tanabata. Diese bezieht sich in ihrem Kern wesentlich auf eine chinesische Überlieferung namens Qīxī (七夕) und erzählt in ihrer gängigsten Variante von der Weberin Orihime (織姫 – dt. Weberprinzessin), ihres Zeichens Tochter des Himmelsgottes, und dem Rinderhirten Hikoboshi (彦星 – dt. männlicher Stern). Orihime galt als besonders fleißig und um ihr etwas Abwechslung von der Arbeit zu gewähren, verheiratete ihr Vater sie mit besagtem Rinderhirten Hikoboshi. Aber wie das nun mal mit der Liebe so ist, hatten die beiden nur noch Augen füreinander und vernachlässigten ihre Arbeit. Zur Strafe verbannte der Himmelsgott Hikoboshi auf das andere Ufer des großen Flusses, der in dieser Mythologie eindeutig als Milchstraße identifiziert werden kann. Da die beiden Liebenden vor lauter Trauer auch nicht unbedingt wieder fleißiger wurden, erlaubte ihnen der nicht mehr ganz so zornige Vater, sich einmal im Jahr an besagtem Tag sehen zu dürfen. Dies ist in der modernen Zeitrechnung eben Tanabata, der 7. Juli. Und tatsächlich gibt es hierzu eine astronomische Entsprechung, denn an diesem Datum treffen sich in unserer Galaxie der Milchstraße die Sterne Wega (Orihime im Stenbild Leier) und Altair (Hikoboshi im Sternbild Adler), für die der Stern Deneb eine Art Brücke über den großen Fluss, also die Milchstraße, bildet. Die Astronomen sprechen bei dieser Sternenkonstellation auch vom sogenannten Sommerdreieck, das seinen höchsten Himmelstand im August erreicht und sich daher mit dem ursprünglichen Datum des Mondkalenders deckt. Streng genommen feiert man in Japan also eigentlich den falschen Tag. ;)

Weitere Informationen zu Tanabata, dem japanischen Sternenfest

Obwohl landesweit die meisten Japaner das Sternenfest am 7. Juli feiern, gibt es hier auch Ausnahmen, die diesen kuriosen Feiertag näher am ursprünglichen Datum im August (hier meistens im Zeitraum vom 6. bis zum 8. August) begehen. Hier ist vor allem die Stadt Sendai an der Pazifikküste im Osten Japans zu nennen, die für eine besonders farbenfrohe Tabanata-Feier bekannt ist. Allen Feiern aber gemeinsam ist, dass die Menschen am Abend vor dem Fest hier Bambusbäume aufstellen und an diese Zettel mit Wünschen aufhängen. Dieser Brauch geht mit der Hoffnung einher, dass die so formulierten Wünsche dann auch in Erfüllung gehen werden. In diesem Sinne ist Tabanata also auch ein Fest der Hoffnung. Aber, und dies ist ebenfalls wichtig, regnet es am 7. Juli, so kann Hikoboshi den großen Fluss nicht überqueren, da dieser zu breit bzw. tief geworden ist. Hoffen wir also mal auf gutes Wetter.


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