Swans: Stete Herausforderung

Swans: Stete HerausforderungSwans
„Leaving Meaning“
(Mute Records/PIAS)
Ein neues Album der Swans unerwähnt zu lassen hieße, sowohl Elementares als auch Anachronistisches zu unterschlagen. Elementar deshalb, weil Michael Gira, einzig verbliebener Gründer der amerikanischen Noise-Rock-Formation, Musik als Arbeit, als Ringen begreift, die/das – mit welchem Personal auch immer – in allererster Linie den eigenen Ansprüchen zu genügen hat. Unter dieser Maßgabe kündigte er vor einiger Zeit die bisherige Besetzung der Band und heuerte neue Musiker an, die durchaus auch alte Bekannte sein durften. Inspiration war gefragt, frischer Input, auch ging es darum, diejenigen um sich zu versammeln, deren Wirken er am meisten schätzt und von denen er sich einen neuerlichen kreativen Fortschritt erhoffen durfte.
Das fünfzehnte Album ist es dann geworden, eingespielt gemeinsam mit experimentellen Improvisationskünstlern wie The Necks, den Geschwistern Anna und Maria von Hausswolff, der queren Sängerin und Pianistin Baby Dee und einer weiteren Vielzahl hochgeschätzter Freunde, Kollegen, ja selbst Familienmitglieder. Natürlich ein Doppelalbum, den wenn sich eines nicht ändert – und damit wären wir beim Anachronismus – dann ist es Giras Verehrung für das Ausufernde, Wandelbare, das Wachsen wie auch das Zerfallen, das Tosen, Mäandern und zunehmend auch das Verirren in zarten Gespinsten. Gira braucht Zeit, seine Stücke brauchen Zeit, nicht wenige mehr als zehn Minuten – das ist ungewöhnlich, ganz aus der Zeit. So wie er sich die Arbeit macht, so sind auch die Zuhörer*innen dazu aufgefordert, sich Arbeit zu machen, sich zu mühen, durchzukämpfen.
Der erste Marathon steht mit “The Hanging Man” an, einem vergleichsweise konventionell instrumentierten Stück, das vielleicht etwas an die frühen Bad Seeds erinnert. Mit monotoner, hypnotischer Rhythmik begleitet Gira seinen Monolog, eine Art anschwellender Totengesang, so hat man den Eindruck, nach Heilung verlangend, dem Wahnsinn nahe. “Amnesia” dann als Wiedergänger des gleichnamigen Stückes aus dem Jahr 1992 (“Love Of Live”), jetzt eher getragen, mit orchestraler Dramatik und aktuellem Bezug: “The President's mouth is a whore, when there's murder, the audience roars, there's no room left here for the strong and everything human's necessarily wrong.“ Auf die sanften Passagen des Titelsongs folgt das wuchtige Stampfen von “Sunfucker”, angelehnt die Überlieferung eines aztekischen Opferkultes, der Background zetert zu drohendem Geläut, die Texte eher Mantras.
Weiter im Auf und Ab, “Cathedrals Of Heaven” stellt den Zweifel an den hehren göttlichen Schöpfungsgedanken ins Zentrum (“I am asking you this: What made us like this? Who made us like this?”), “The Nub” ist ein einziges Fallen, Zerfließen, Zerrinnen, das in dronigem Sturm kulminiert. Es gibt, trotz allem, viele erstaunlich helle Momente, die sich auf den überaus düsteren Werken der Swans früherer Jahrgänge nur schwer nicht finden lassen. Sogar Souliges (“It’s Coming It’s Real”), Rockiges (“Some New Things”) ist dabei. Wirklich zugänglich wird jedoch auch dieses Album nicht. Gira bleibt der unangepasste, eigensinnige Sturschädel, der lieber andere Menschen vor den Kopf stößt, als seine eigenen Werte aufzugeben. Das mag nicht immer angenehm sein, fordert heraus, fördert Widerspruch. Und ist doch bewundernswert konsequent und in diesen Zeiten wertvoller denn je.
25.04.  Nürnberg, Z-Bau
28.04.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
05.05.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
13.05.  Zürich, Rote Fabrik
18.05.  Wiesbaden, Schlachthof
23.05.  Köln, Gebäude 9

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