"Sudden Death" [USA 1995]


"Sudden Death" unterstreicht sein selbstbewusstes DVD-Cover dreifach fett: Action, Speed, Overdrive. Klein gedruckt: Raserei und Herzstillstand. Aber das nur als Witz. Und "Sudden Death" bestätigt: Peter Hyams ist ein versierter Handwerker, der mit bis in die Zehenspitzen bewaffneter Kinetik unwahrscheinlich körperbetonte, aber im Gegensatz zu heute nie zu aufdringliche Parkinson-Bilder aufeinander schichtet, wo Action Leidenschaft, Räumlichkeit Dynamik und Spannung Quintessenz bedeutete. Ein Rausch von früher, so in etwa, als würden Donnerschläge im Zickzack-Karussell rotieren und zerschmettern, wahrlich – Action-Kino durch und durch. Strukturell weitgehend den "Stirb Langsam"-Treppen schweißgebadet hinaufsteigend, weil "Stirb Langsam" ja eh so ein cooler Film ist, sind die Parallelen beider nicht nur erzählerisch nahezu deckungsgleich. Ein lädierter Familienvater gegen zwei Hände Terroristenscheiße in einem abgeriegelten Gebäude bombenbedrohter Atmosphäre, das von ebenso verzweifelten Geiseln wie polizeilichen Grünschnäbeln dilettantisch zusammengehalten wird. "Stirb Langsam" durchleuchtete zusätzlich psychologisch einen verletzlichen, barfüßigen, ätzend lakonischen Durchschnittstypen, was insgeheim zum Kultstatus beitrug, während "Sudden Death" die Psychologie des Angstszenarios indes in vollem Bewusstsein durchbricht, um sich reiner Genre-Aktion eines unverwundbaren Einzelsuperhelden zuzuwenden, mittels allerlei Küchen- und Hauswerkzeugen feindliche Gegner augenblicklich zu zermalmen. Wuchtig und nicht zu kurz.

Raffiniert wird's, wenn Hyams (auch für die großartige Kameraarbeit verantwortlich) repetitive Motive zur kontrollierten Adrenalinsteigerung umwirbt, wenn in einer Art und Weise vier Bilder wiederkehrend montiert werden, die ein Höchstmaß an Unruhe evozieren: das Eishockey-Spielgeschehen, die zwei Kommentatoren, McCords Sohn Tyler (mit Wasserspritzpistole bewaffnet: Ross Malinger) und, wichtig, einen Überblick über die restliche Zeit eines jeden Drittels, nach denen entweder ein Geldbetrag überwiesen oder, bei Nichtgelingen, als Konsequenz desselbigen eine Geisel erschossen wird. Bisweilen lässt sich zudem – dies forciert Hyams' handwerkliche Akkuratesse – eine Plansequenz beobachten (Eröffnungsszene), und wie Hyams das Getöse allgemein in Größenwahn taucht – draufgängerisch-gierig mit wahnwitzigem Helikopterstunt – lässt keine Ideenfülle offen und pochende Herzen in Ruhe. Hierbei verdichtet der Film dramaturgisch den direkten Verlauf des Spiels. "Sudden Death" beginnt ruhig (Kontrahenten-Belauerung) und endet fiebrig (Kontrahenten-Schlacht), je weiter das Spiel fortschreitet und je mehr sich Offensive und Defensive vertauschen müssen, den endgültigen Sieg an sich zu reißen. Denn vorher stand es Unentschieden, sowohl zwischen den Pittsburgh Penguins und den Chicago Blackhawks, als auch zwischen Darren Francis Thomas McCord (Jean-Claude Van Damme) und Joshua Foss (Powers Boothe).

Dank ersterem mutiert "Sudden Death" nicht zur Alleinunterhalterposse, sondern geht wieder mit "Stirb Langsam" konform, dem sympathischen Helden einen ungemütlichen Widersacher entgegen zu setzen, der durchaus ungewohnt radikal mordet, sarkastisch entlarvt und über Amerikas Bigotterie lacht, ein ehemaliger Geheimdienstler im ständigen Verhöhnen geheimdienstlicher Standardpraktiken; Powers Boothe einschließlich manikürten Nägeln und 10.000 (pardon, 15.000!) Dollar-Uhr geradeheraus entfesselt. Aus ihm produziert das Drehbuch Galgenhumor, zum Beispiel als das Feuerzeug so aussieht wie ein Bombenzünder. Oder aus Van Dammes zerknautschtem Gesichtsausdruck, als er vor einem Eishockey-Spieler steht, über den er vor seinem Sohn unter vier Augen lästerte und sich nun bösen Blicken ausgesetzt sieht, indem herauskommt, was nicht herauskommen sollte. Köstlich! Und unfreiwillig köstlich präsentiert sich die Geschichte in ihren skurrilen Wendungen, obgleich niemand ernsthaft geglaubt hätte, ein Van Damme-Streifen wäre ungefähr so was wie ausgefuchst entwickelt. Auch hier ist er's nicht. Parallel zur etwas angestrengten McClane-Pose Van Dammes, der in den direkten verbalen Schlagabtauschen mit Boothe nicht selten von dessen Präsenz zerdrückt wird, begreift der Film ebenfalls etwas aufgesetzt die Van Damme-Figur als beinhartes Universalgenie für die unersetzbare Rettung in der Not, als Bombenentschärfer (fies: die simplen Sprengsätze sind genau da versteckt, wo sie Van Damme vermutet), als Hochseilakrobat (!), als Feuerwehrmann, als Handwerker, als Eishockeytorwart (unsinnigste Szene), als… als John McClane, der ordentlich auf die Fresse gibt, als… Familienvater! Der er freilich nur sporadisch ist.
6/10

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