Streiken mit Erfolg

Derzeit fallen unsere Schmonzetten über GDL- Chef Claus Weselsky her wie ein Schwarm wütender Stechinsekten. Dabei tut der Mann nur, wofür er bezahlt wird. Ein kleiner Trick könnte helfen

Streiken mit ErfolgKommentar - Wieder einmal zu einseitig sind die Forderungen, diesmal der streikenden Lokführer. Wie immer geht es um höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und mögliche Vergünstigungen. Schon seit Monaten nimmt daher das Trommelfeuer unserer Medien zu, mit denen Streikführer Weselsky sturmreif geschossen werden soll. Unsere Medien mal wieder voll und ganz auf Linie des Kapitals. Wie üblich verschweigen uns unsere 'Alpha- Journalisten' dabei das Wichtigste. In diesem Sommer soll ein neues Gesetz in Kraft treten, das Tarifeinheitsgesetz.

Dieses besagt, dass künftig nur noch die jeweils größte Gewerkschaft pro Berufsgruppe dazu berechtigt ist, Tarifverträge abzuschließen. Anders gesagt sind ab Inkrafttreten des Gesetzes

    „nur die Rechtsnormen des Tarifvertrags derjenigen Gewerkschaft anwendbar, die [...] im Betrieb die meisten Mitglieder hat."

Der von der Minderheitsgewerkschaft zuvor erzielte Tarifvertrag würde somit wirkungslos werden und die Lokführer müssten erneut in die Röhre gucken. Was deren Rückhalt in der Bevölkerung betrifft, sind diese völlig auf sich allein gestellt.

Ein anderes Schauspiel bietet sich derzeit bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die es gerade für höhere KiTa- Löhne auf die Straßen treibt. Auch hier fehlt offenbar der notwendige Rückhalt aus der Bevölkerung, denn schon seit Jahren wird im Bereich Erziehung und Bildung massiv abgebaut, ohne dass es jemanden groß stört, solange er nicht selbst davon betroffen ist. Was all diese Gewerkschaften bislang nicht kapiert haben, eint sie zugleich. Nämlich dass ein jeder nur für sich und seine eigenen Interessen streikt. Niemand käme jemals auf die kühne Idee, für die Interessen eines anderen Personenkreises einzutreten.

Würden Lokführer und Lehrer zugleich für höhere Renten, für ein gesunderes Bildungssystem oder für eine Erhöhung der Sozialleistungen auf die Straße gehen, sähe die Sache schon anders aus. Insgesamt gibt es in Deutschland ungefähr zehn Millionen Leistungsbezieher. Ob Rentner, Aufstocker oder Arbeitslose. Denn oft sind die Renten so unterirdisch niedrig, dass Menschen, die 40 Jahre lang gearbeitet und in die Sozialtöpfe eingezahlt haben, zusätzliche Sozialleistungen beantragen müssen, wollen sie über die Runden kommen. Hinzu käme der Rückhalt von Millionen weiterer Rentner, die keine zusätzlichen Bezüge bekommen. Man könnte zusätzlich zur eigenen Lohnerhöhung auch für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen demonstrieren und streiken. Oder für einen Ausbau der Kassenleistungen, gegen Bundeswehreinsätze im Ausland und gegen eine Regierung, die sich mit 'gegnerischen' Abhördiensten und Kriegsverbrechern gegen das eigene Volk gemein macht und Nazis in Kiew unterstützt. Dann, und nur dann wüssten die Streikenden wirklich, dass sie mit ihren Forderungen nicht alleine dastehen.

Streiken mit Erfolg

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