Stikeez – der Ersatz für die paninilose Zeit

Von Andreas Clevert @andreasclevert

Es ist für alle hart. Diese Zwischenjahre zwischen EM und WM. Hart für uns: Kinder, Konsumenten, Konzerne. Was soll man bloß sammeln, wenn es keine Nationalmannschafts-Sammelbilder in 38 Varianten gibt?

Natürlich kann man WMF-Punkte oder Ähnliches bei Edeka mitnehmen. Regelmäßig liegen solche abgerissen Klebestreifen bei uns noch rum. 22 Kleberchen, und man bekommt einen WMF-Topf 5 Euro billiger. Aber der Reiz verfliegt, wenn man den gleichen WMF-Topf bei Amazon schon 10 Euro billiger bekommt. Ganz ohne Kleberchen.

So oder ähnlich muss ein Brainstorming in einer Marketingabteilung bei einem Discounter vor Jahren mal abgelaufen sein. Und dann hatte jemand den Geistesblitz der Stikeez. Ich habe recherchiert, aber Mr. Google konnte mir nicht sagen, woher dieser Namen kommt. Jedenfalls sind die kleinen Weichteilpropfen einfach zu süß für die Kleinen.
Naja, nach den Gemüse-Stickeez von Lidl im vergangenen Jahr ist jetzt halt mal Aldi mit den Smiley-Stickeez dran.

Der Lerneffekt ist immens. Selbst in den Pausenhöfen der Grundschule wird das Gesetz von Angebot und Nachfrage (ein Einhorn gegen drei Glitzersmileys) in die Praxis umgesetzt. Wer fordert da noch ‚Wirtschaft‘ als reguläres Schulfach? Ok, außer der FDP natürlich.

Seit einem Monat kaufen wir nur noch bei Aldi ein. Und unser Sechsjähriger sagt: „Wir MÜSSEN bei Aldi einkaufen, auch wenn es mal nicht so gut schmeckt.“ Zum Beispiel die versalzenen Bio-Maultaschen dort, sorry, Aldi, geht gar nicht. Selbst die Schmalspur-Ökonomen (also, ähm, die Marketingheinis) müssen erkennen, das sind absolute Best-Practice-Lernerfolge.

Wir sind also dabei, sind freundlich zu den Damen und Herren vor und hinter uns in der Warteschlange an der Kasse. Kann man ja mal immer was abstauben, wenn sie so kinderlos aussehen. Und an der Kasse natürlich zuckersüß zum Personal. Dann gibt es mal ein Schächteln ‚Stickeez‘ obendrauf.

Herbsteszeit ist Sammelzeit. Outdoor wie Indoor. Viel Spaß.

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