Sportverletzung und Kassenpatient – Nicht so einfach

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Nun musste ich die Regularien unseres Gesundheitssystems einmal selbst mit vollster Wucht zu spüren bekommen. Wehe dem der sich als Kassenpatient dazu überwindet einen Facharzt aufzusuchen. Noch schlimmer wird´s wenn dieser dann weiter zu „Spezialkollegen“ überweist.
Aber der Reihe nach.

Nachdem ich im Herbst letzten Jahres ein paar „Anlaufbeschwerden“ im linken Fuß hatte, habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht. Schließlich wird man nicht jünger und die Erfahrung hat gezeigt, dass durch ein bisschen mehr Dehnen und Gymnastik, sowie Reduktion der Umfange und vor allem der Intensitäten, nach und nach alles wieder ins Lot kommt.

Meistens waren die Beschwerden schon nach den paar Metern vom Schlafzimmer zum Bad verschwunden. Sozusagen ein bisschen Sand im Getriebe das erst einmal wieder in Gang kommen muss. Zusätzlich gewöhnt man sich im Alter an den Schmerz, wenn er nicht gerade über eine bestimmte Grenze hinausgeht. Das Alter halt!

Nach unserer zweitägigen Wanderung im September verlagerte sich aber dieser Schmerz von der Plantarsehne weiter nach oben in die Achillessehne. Ab diesem Zeitpunkt war´s nicht mehr ganz so leicht mit dem Schmerz umzugehen. In erster Linie stand Schonung auf dem Programm und eine nochmalige Reduktion der Umfänge.
Den Frankfurt Marathon habe ich dementsprechend schweren Herzens gecancelt.

Die Ruhe tat dem Fuß und der Sehne gut, und so lief es im Laufe des Dezember wieder einigermaßen akzeptabel. Sehr zur Freude meiner Waage, die im Laufe der „Reduktion“ einiges zu ertragen hatte. Bei mir ging die Belastung runter, bei ihr gleichmäßig nach oben!

Und so freute ich mich natürlich riesig, als ich im Dezember wenigstens ein bisschen wieder Laufen konnte um der Pfunde Herr zu werden.
Leider hielt die Freude nur bis zwischen den Jahren. Der Schmerz kam wieder.
Nun saß er aber nicht mehr im Bereich des Fußes. Er hatte ungeahnte Höhen erklommen und war nun am „Scharnier“ angekommen. Das erste Mal seit ich laufe, hatte ich Knieschmerzen!

Und zwar so schlimme, dass ich bei unserem Kurzurlaub in Köln noch nicht einmal ordentlich gehen konnte. Shoppingausflüge in die Stadt wurden zur Tortur.
Also wurde sportliche eine „Totalsperre“ in Bezug auf das Laufen auferlegt. Ich entdeckte das Faszientraining, die Krafteinheiten und besorgte mir sogar einen Gymnastikball. Dazu eine erhebliche Einschränkung im Bereich der Ernährung.

Gewicht machen! Kraft aufbauen! Gelenkiger werden!

Mit diesen drei Säulen habe ich fast vier Wochen keinen Laufschuh angezogen. (OK, Ich gebe zu es waren eher drei Wochen – gefühlt aber 10 Wochen)time-481445_1280

Als dann Ende Januar mein neuer Polar V800 eintraf war natürlich Ende der Schonzeit. Und ich muss eingestehen, dass die meisten absolvierten Kilometer schmerzfrei waren. Lediglich ein gewisser „Anlaufschmerz“ und Beschwerden wenn die Kraft in der Muskulatur nachgelassen hat, waren beim Laufen nicht besonders hinderlich.
Etwas anders sieht es aus wenn ich mit dem Laufen fertig bin. Ruhe ist gar nicht gut. Sitzen und Beugen des linken Knies bedeuten ziemlich viel Schmerz. Der Tag nach dem Lauf war meistens ziemlich unangenehm und ist es bei langen Einheiten eigentlich noch immer. Umschläge und Salben gehören zur Standardprozedur nach den langen Einheiten.

Also habe ich mich wohl oder übel dazu entschlossen einen Orthopäden aufzusuchen. Dazu noch Sportmediziner damit dieser auch die schwere psychische Belastung meiner aktuellen Probleme nachvollziehen kann.
Beim ersten Versuch Ende des letzten Jahres bei einem reinem Orthopäden, kam die Diagnose „nichts auffälliges“ und die Frage an mich „Was machen wir denn da jetzt?“.
Rate mal mit Rosenthal, oder wie?

Und so ging ich heute eigentlich ziemlich zuversichtlich zum Termin. Innerhalb von 10 Tagen einen Termin zu kriegen war OK. Und morgens gleich um 8:00Uhr weckte die Hoffnung dass es nicht lange dauern würde um die Diagnose „alles OK!“ zu erhalten und wieder abzuziehen.

7:45Uhr stand Kassenpatient Diro in der Praxis und füllte sämtliche Verzichtserklärungen hinsichtlich „eventuell, vielleicht, gegebenenfalls auftretender Beschwerden aus den eventuell, vielleicht, gegebenenfalls vorgenommenen Behandlungen” aus. Nur jetzt keinen Fehler mehr machen wenn man schon mal so weit gekommen ist.
Kurz nach 9:00Uhr durfte ich in die heiligen Gemächer. Die angetroffene Ausstattung in schwarz lackierten, edlen Möbeln zwischen stilsicher beleuchteten Kunstgegenständen, kann man echt nicht anders beschreiben. Ganz so schlecht wie in den zuletzt gelesenen Beiträgen zum Thema Verarmung der Ärzte war es hier wohl nicht.medic-563425_1280

20 Minuten bekam ich eine ordentliche Untersuchung meines Knies. Soweit ich dies auf Basis meines eingeschränkten orthopädischen und lateinischen Wissens beurteilen kann. Doc hat sich Zeit genommen und hat auch meine Worte gehört und zur Kenntnis genommen. Ich fand die Untersuchung gut und kompetent. Erste Diagnoseansätze liefen in Richtung Meniskus, ohne dass dies als schwerwiegend oder massiv geklungen hätte. Man sollte es einfach sicherheitshalber überprüfen!
Vorher sollte aber nochmal eine Röntgenaufnahme vom Knie gemacht werden um vielleicht Veränderungen in diesem Bereich zu erkennen.

Also noch mal in den Wartebereich und auf den Termin in der Röntgenabteilung zu warten. Wer Ultras läuft, weiß was es heißt Geduld zu üben!
Und die neue RunnersWorld lag vorsichtshalber in meiner Tasche.
Das Röntgen ging schnell vorüber und ich wurde gebeten noch ein bisschen auf das Bewertungsgespräch zu warten. Zeitung war ja auch noch nicht ganz durch.

Nach gut zwei Stunden hatte ich letztendlich die Gewissheit, dass keine „erkennbaren Auffälligkeiten“ am Knie vorhanden sind. Letztendlich aber nur ein MRT genaueres darüber aussagen KÖNNTE.
Auf die Frage ob ich Laufen darf bekam ich die Antwort ich solle es nicht übertreiben! Damit kann ich im Prinzip leben, wenn ich persönlich definieren kann was „übertreiben“ bedeutet. Tendenziell sollte ich aber eher Radfahren als Laufen!

Meine Frage zur Teilnahme am bald stattfindenden Hamburg Marathon wurde mit dem Verweis auf das MRT erst einmal abgeblockt. Ich solle einen MRT Termin vereinbaren und sofort einen Termin zur Rücksprache im Haus.

Nach gut zweieinhalb Stunden war ich eigentlich noch guter Dinge das ich demnächst einen diagnostizierten Befund meiner Probleme habe und dann entsprechend trainieren kann. Eigentlich eine sehr positive Grundeinstellung meinerseits.

Leider hielt dies nur bis zu dem Zeitpunkt an, als ich versuchte einen Termin zum MRT zu erhalten. Nachdem die Abfrage „Kasse oder Privat“ in Richtung Kassenpatient beantwortet wurde, wurde mir als bestmöglicher Termin der 22. Mai 2015 um 6:00Uhr Morgens genannte!

Dies war der Augenblick in meinem Leben in dem das Vertrauen in unser Gesundheitssystem einen schweren Einbruch erlitt. Ich hatte nach dieser Antwort erst einmal Mühe im Kopf das Datum einzusortieren.
Ende Mai MRT! Hamburg Marathon Ende April??????
Und die Rücksprache beim Orthopäden solle ja auch noch stattfinden.
Irgendwo klemmt da wohl was.
Vielleicht war ja auch nur bei den ersten Radiologen so viel los. Also noch ein paar Anrufe bei weiteren „Anbietern“ dieser Leistung im Gesundheitswesen erledigt.
Bestes Angebot am Ende das Tages, ANFANG MAI!

Ich habe mich gar nicht getraut zu Fragen 2015 oder 2016???

Ich habe jetzt Schmerzen, nicht im Mai! Gut, es ist auszuhalten und ich habe dadurch keine großen Einschränkungen in meinem Tagesablauf. Aber meinen geliebten Sport kann ich so nicht ungetrübt ausüben. Und wer am Laufen so hängt wie ich, weiß dass dies eine erhebliche Einschränkung meiner Lebensqualität bedeutet.
Ich werde zwar weiter versuchen einen Termin zu bekommen, aber innerlich habe ich mich eigentlich entschieden die Sache weiter so anzugehen wie die letzten Wochen. Training dosieren und weitermachen.
Krafttraining, Dehnen und Faszientraining weiter als Funktionaltraining zu forcieren und die Hoffnung pflegen dass es weiterhin so gut ausgeht wie die letzten Jahre vorher auch.

Seit ich mit dem Laufen angefangen habe sind meine gesundheitlichen Beschwerden definitiv wesentlich geringer als bei vielen Gleichaltrigen. Ich habe definitiv meine Gesundheit verbessert und bezeichne mich als einigermaßen fitten Fünfziger.
Leider habe ich den Entschluss gefasst mir helfen zu lassen und gedacht ich nehme dafür unser Gesundheitssystem in Anspruch. Ich nutze es nun wirklich nicht oft.
Leider habe ich nicht den Status eines Privatpatienten sondern bin ein einfacher Kassenpatient. Und damit ist es wohl nicht möglich eine terminlich adäquate Untersuchung zu erhalten, welche zu dem Zeitpunkt stattfindet in dem die Probleme auftauchen und nicht dann wenn alles vorbei ist.

Ich habe jetzt meine Krankenkasse beauftragt einen Termin für mich zu finden.
Und gehe jetzt Frustlaufen…..

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Drückt mir die Daumen!

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