Sport und Diabetes – was muss beachtet werden?

Von Vitalerstoffwechsel @IrisHeumann

Es gibt Menschen, die können ohne Sport nicht leben. Ob Jogging, Radfahren, Schwimmen oder Kraftsport – die tägliche Bewegung hilft ihnen dabei, ausgeglichen und gut gelaunt zu bleiben. Dass auch Diabetiker körperlich aktiv bleiben sollten, versteht sich von selbst. Doch welche Besonderheiten gibt es und was muss der zuckerkranke Mensch beim Sport beachten?

Der pauschale Rat aus dem Internet lautet meist: Wer zuckerkrank ist, sollte den Zuckergehalt im Blut mit Sport senken. Auf diese Weise ließen sich demzufolge Medikamente einsparen und Folgeschäden verhindern. Aber ist es wirklich derart simpel? Fakt ist, dass es zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes Unterschiede gibt, und dass man vor extremen physischen Anstrengungen auf einige Dinge achten muss.

Sporteln mit Typ-1-Diabetes – worauf sollte man achten?

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes fehlt die eigene Insulinsekretion aus der Bauchspeicheldrüse, die im Normalfall im Minutentakt gesteuert und auf den individuellen Bedarf des Körpers angepasst wird. Daher muss der Betroffene seinem Körper in regelmäßigen Abständen Insulin mit einer Spritze zuführen.So

Das Problem dabei: Das Insulin aus der Kanüle ist nicht so genau und bedarfsgerecht. Verändert sich beispielsweise der Blutzuckerspiegel ganz plötzlich, kann das unter Umständen zu ernsthaften Problemen beziehungsweise Beschwerden führen. Sport und insbesondere der Leistungssport zählen zu den Faktoren, die eine solche Veränderung bedingen oder sogar herbeiführen können.

Der Typ-1-Diabetiker muss beim Sporteln also erhöhte Vorsicht walten lassen – insbesondere beim Schwimmen gibt es im Falle einer Überzuckerung ein kaum einzuschätzendes Risiko. Außerdem raten wir Menschen mit Diabetes von Extremsportarten wie Fallschirmspringen, Drachenfliegen oder Tauchen erst einmal ab. Wer darauf nicht verzichten möchte, sollte sich vorab unbedingt mit einem entsprechend geschulten Arzt besprechen.

Diabetes-Typ-1-Patienten, die eine Überzuckerung feststellen, prüfen am besten auch gleich ihren Urin. Ergibt diese Überprüfung eine Azeton-Ausscheidung, ist an Sport erst einmal nicht zu denken. Die sogenannte Keto-Azidose, eine mitunter lebensbedrohliche Übersäuerung des Blutes, könnte ansonsten die Folge sein. Wer aber vor den Sporteinheiten gut plant und auf die Signale seines Körpers achtet, muss auf die körperliche Ertüchtigung nicht verzichten.

Es wird empfohlen, dabei regelmäßig auf den Blutglukosewert zu achten. Selbiger sollte nach Möglichkeit unter 250 mg/dl (< 17 mmol/l) liegen. Wenn die Blutglukoseausgangswerten unweit der Norm liegen, kann es sinnvoll sein, die Insulindosis vor dem Sport zu reduzieren (alternativ können auch rasch wirkende Kohlenhydrate eingenommen werden). Außerdem darf der zuckerkranke Mensch nicht vergessen, dass die negativen physischen Folgen auch erst im Anschluss an die Sporteinheit auftreten können. Die zusätzliche Einnahme von Kohlenhydraten am Abend kann einer nachträglichen Unterzuckerung entgegenwirken.

Sporteln mit Typ-2-Diabetes – die Besonderheiten

Sport, also körperliche Bewegung im Allgemeinen, ist gesund. Außerdem stimmt es, dass die körperliche Aktivität ganz besonders gut für Diabetiker ist, weil sie die Insulinwirkung verbessert. Unseren Lesern dürfte vielleicht bekannt sein, dass die Insulinresistenz unter den Ursachen des Diabetes mellitus Typ 2 eine besonderen Rolle spielt. Um der(zum Teil auch genetisch bedingten) Erkrankung vorzubeugen, wird in den Weiten des World Wide Webs immer wieder Sport aufgeführt – zum Beispiel auf zuckerkrank.de.

Warum? Weil Übergewicht, falsche Ernährung und vor allem Bewegungsmangel durchaus zu den Ursachen der Diabetes gehören können. Vor allem bei Kindern achtet man heute verstärkt darauf, dass sie sich regelmäßig bewegen. Mit der physischen Aktivität kann der Mensch der besagten Insulinresistenz ganz gezielt entgegenwirken.

Zudem wirkt sich Sport positiv auf die Blutfette, den Blutdruck und somit auch auf die generelle Gesundheit des Herzens aus. Was den Stoffwechsel angeht, so muss man wissen, dass die Energie in unseren Körpern über unsere Blut- und Nervenbahnen zu ihren Bestimmungsorten, also zu den jeweiligen Organen, transportiert wird. Der Stoffwechsel ist die Schnittstelle für alle körperlichen und psychischen Funktionen – dieser Metabolismus wird auch durch Sport positiv beeinflusst. Hier einige weitere Infos zum Thema Stoffwechsel.

Mein Fazit und ein paar letzte Tipps

Die Liste positiver Auswirkungen des Sports könnten wir ewig weiterführen (zum Beispiel reagieren die Körperzellen durch die Bewegung sensibler auf das Insulin – die Wirkung verstärkt sich also). Ein Mensch mit Diabetes darf und sollte deshalb nicht auf Sport verzichten. Gesundheitsexperten raten Menschen, die sich zukünftig mehr bewegen wollen, ob mit Diabetes oder ohne, sich eine Sportart oder Bewegungsform zu suchen, die Spaß bringt und den Körper nicht zu sehr belastet.

Wer sich nicht bewegt, setzt im wahrsten Sinne des Wortes Rost an. Unsere Gelenke (vor allem die Knorpel), Muskeln und Sehnen verrichten nach (zu) langen Ruhephasen ihren Dienst nicht mehr so gut wie vorher. Und auch die Kondition lässt bereits nach einer kurzen Zeitspanne ohne Sport merklich nach. Am besten trainiert es sich mich Freunden. Zum einen macht das Sporteln dann gleich wesentlich mehr Spaß und zum anderen ist für den Notfall jemand da, der sofort helfen kann.

Den inneren Schweinehund überwindet man auch besser, wenn man sich regelmäßig, vorzugsweise zwei- bis dreimal pro Woche, mit Freunden zum Sport verabredet. Menschen, die neben der Diabetes noch eine weitere Krankheit haben oder während des Sports ungewöhnliche Nebenwirkungen oder Beschwerden bemerken, sollten einen Arzt konsultieren.

Bildquelle: © knipseline  / pixelio.de