Sonntag

Von Myke

Ein wenig grau, doch nicht so kühl wie der Blick aus dem Fenster vermuten ließ. Die Mütze wandert wieder in die Jackentasche und die Füße tragen mich durch den Ohlsdorfer Friedhof.

Es ist der weltweit größte Parkfriedhof, mit kleinen Straßen, grünenden Hügeln, alten Bäumen und Wegen.
Die Gräber sind alt und neu zugleich, ihrer jeweiligen Zeit angepasst und kulturell unterschiedlich.
Dank dem heiligen Internet, kann man zu dem ein oder anderen Verstorbenen auch Informationen herausfinden. Wie z.B. über Otto Witte, den ehemaligen König von Albanien. Hört sich gewaltig an, dahinter verbirgt sich allerdings das vermutliche Fantasiegespinst eines Schaustellers, der 1958 hier in Hamburg beigesetzt wurde.

Ich mag es in der Vergangenheit zu flanieren, sich zu überlegen wer hinter den Namen stand, was die Personen gelebt und gemocht haben, wie sie wohl aussahen und ob ich mich mit ihnen verstanden hätte.

Gleichzeitig die Kunst der Grabmalform betrachtend. Besonders durch sie Zeiten hindurch. Und Gräber zu entdecken, deren Leiber schon viele Jahrzehnte verstorben sind, die aber dennoch frische Blumen tragen, welche nicht von einer Gärtnerei gebracht wurden.

Das Grab mit der Kamera war auch eines, welches mich recherchieren ließ. Hier wurde Ines Gellrich beerdigt. Eine Hamburger Fotografin, die sich, wenn ich es richtig herausgefunden habe, besonders der schwarz-weiß Fotografie widmete und einen Bildband über den Komponisten György Ligeti veröffentlichte, den sie viele Jahre begleitet hatte. Dieses Buch ist heute auf meine Wunschliste gewandert, da ich gerade selber wieder die Liebe zur schwarz-weiß Fotografie entdecke. Frau Gellrich ist 2010 im Alter von 47 Jahren gestorben.

Auch daran erinnert mich ein Gang über den Friedhof immer wieder: genieße und lebe den Augenblick! Das Jetzt ist wichtig.

Ich wünsche euch einen schönen Start in die neue Woche – viele und liebe Grüße!
myriam.