Soll er doch kommen, der Ratzinger

Von Nu

Der Besuch des Pilgerortes Santiago de Compostela und die Weihe der Kirche «Sagrada Familia» in Barcelona sind die Höhepunkte der Reise von Papst Benedikt XVI. am 7. und 8. November nach Spanien. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag vor Journalisten im Vatikan erläuterte, wird Benedikt XVI. das von dem katalanischen Architekten Antoni Gaudi (1852 - 1926) erbaute Gotteshaus in Barcelona nach der Weihe zur Basilika erheben.
Freuen sich nun die Spanier über den erneuten Besuch des Papstes in ihrem Land? "Soll er doch kommen, der Ratzinger", meint Francisco Delgado vom Verband "Europa Laica" (Europäische Laizisten) und fährt fort, dass sich natürlich die Politiker über den Besuch freuen würden. Die hätten dem Papst bereits früher zugesichert, dass die Privilegien der katholischen Kirche in Spanien nicht angetastet würden. Zahlreiche Spanier und Spanierinnen würden den Besuch des Papstes positiv sehen, weil sie mit der Lehre der Kirche einverstanden seien. Andere wiederum sähen nur das Geschäft, das man mit dem Besuch machen könnte, aber die grosse Mehrheit der Spanier würden dem Papstbesuch mit Desinteresse entgegensehen.
Wie steht es denn um die Gläubigeit der Spanier? Francisco Delgado beschreibt die Situation: "Die katholische Kirche hat in der Bürgerschaft keinen Vorrang mehr. Nur eine Viertel der Spanier sind regelmäßige Kirchgänger; es gibt bereits mehr Zivilehen als kirchliche Eheschließungen; mehr als die Hälfte der Schüler im öffentlichen Unterrichtssystem besucht keinen Religionsuntericht; die Zahl der Priesterweihen nimmt ab; selbst innerhalb der katholischen Kirche gibt es christliche Basisgruppen die den Pomp und das Theater bei den Reisen des "Bischofs von Rom" kritisieren und eine offenere Kirche fordern. Viele Bürger haben etwas gegen diesen Besuch. Unter der Überschrift "Wir erwarten dich nicht" äußern sie sich, oft aus der Anonymität, und verteidigen die dringende Notwendigkeit der Trennung von Kirche und Staat und die Abschaffung der enormen historischen Privilegien, die die katholisch Kirche im symbolischen, juristischen, finanziellen und steuerlichen Bereich genießt, genauso wie im Bereich der Kommunikation, der Schulen und Sozialhilfe. Eine katholische Kirche, die, wenn ihr ein Gesetz des spanischen Staates nicht passt, sofort ein destabilisierendes Feuerchen am demokratischen Staat legt. Dabei benutzt sie jede Art von Verleumdungen und Falschbehauptungen und was am schlimmsten ist, auch noch mit öffentlichen Mitteln."
Delgado fährt fort: "Ratzinger als Weltbürger kann reisen, wohin er will. Als Missionar einer bestimmten Lehre kann er machen was er will, aber nur dann wenn er das aus seinen eigenen oder den Mitteln seiner Gläubigen bezahlt. Als Staatschef diskriminiert er die Frauen; er fördert die Homosexuellenfeindlichkeit; er stellt sich gegen den wissenschaftlichen Fortschritt und beschädigt die Gesundheit von Millionen von Menschen, indem er jede Art von Empfängnisverhütung verbietet und damit die Weiterverbreitung von Krankheiten fördert; er verurteilt die Lust am Sex; innerhalb seiner Kirche handelt er nicht demokratisch; wesentliche Teil der Erklärung der Menschenrechte werden von ihm nicht akzeptiert; er hat bis heute nicht um Entschuldigung für die Beteiligung der Kirche an Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebeten. Eigentlich dürfte er hier überhaupt nicht empfangen werden, sondern sollte von jeder demokratischen Gesellschaft zurückgewiesen werden. Und wenn man die politische Vergangenheit von Ratzinger betrachtet, dann sollt man ihn sogar vor Gericht stellen, weil er viele Pädophilie-Fälle vertuscht hat als er Präfekt der Glaubenskongregation war".
Am Papst wird so etwas abtropfen, gegenüber solchen Meinungen ist seine Kirche schwerhörig. Sein Sprecher Lombardi wandte sich bereits gegen die Einschätzung spanischer Journalisten, die Polemik im Vorfeld der Spanienreise sei stärker als bei sonstigen Papstbesuchen.
Informationsquelle: Público.es, Que viene Ratzinger