Solarboom in Ostbayern

Solarboom in Ostbayern
Der „Solarboom“ in Ostbayern hält an: 2010 gingen beim größten regionalen Energieversorger, E.ON Bayern, 45.000 neue Solaranlagen ans Netz – mehr als je zuvor. Foto: obx-news
45.000 neue Solarkraftwerke sind beim größten regionalen Energieversorger im Freistaat, E.ON Bayern, 2010 ans Netz gegangen – mehr als je zuvor. Ostbayerns „Solarrausch“ ist ungebrochen.
Regensburg (obx - internet-zeitung) – Die Energieversorger sprechen von „Goldgräberstimmung“ – seitdem die Bundesregierung im vergangenen Jahr eine schrittweise Kürzung der Solarsubventionen in Form der garantierten Einspeisevergütungen beschlossen hat, „erstickt“ E.ON in Anträgen für den Bau neuer Sonnenkraftwerke: „Wir erleben im Moment eine explosionsartige Expansion“, sagt Dr. Hermann Wagenhäuser, Technik-Vorstand bei E.ON Bayern. 2010 hat der „Solarboom“ der vergangenen Jahre seinen bisherigen Höhepunkt erreicht: 45.000 neue Sonnenkraftwerke gingen bei E.ON Bayern ans Netz, damit fiel der Zuwachs um 21 Prozent höher aus als im Vorjahr. Die Solaranlagen-Besitzer haben laut Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ein Recht auf schnellstmöglichen Anschluss. Um dem Ansturm Herr zu werden, bietet E.ON Bayern unter anderem ein Online-Portal, das die Bearbeitungszeiten der Solar-Anträge noch weiter verkürzt.
Jede neue Solaranlage stellt den Netzbetreiber E.ON Bayern nach den Worten des Technik-Vorstandes vor erhebliche administrative Herausforderungen: „Für jede Anlage müssen wir eine individuelle, ausführliche Netzprüfung mit teils aufwändigen Berechnungen in die Wege leiten“, erklärt Wagenhäuser. Oft kommen die E.ON-Experten dabei aber nur schwer voran: Angaben fehlen, Übersichtspläne sind ungenau, der Bauherr nicht erreichbar – die Bearbeitung verzögert sich. Dank einer Online-Lösung (erreichbar unter www.eon-bayern.com/einspeiser) können viele dieser zeitintensiven Nachfragen vermieden werden. In acht Schritten führt das Online-Portal den Bauherrn oder sein Elektro-Unternehmen durch den Anmeldeprozess. Anschließend gelangen die Daten direkt ins System von E.ON Bayern, wo dann die Netzprüfung startet.
Im Mittepunkt des derzeitigen „Solarrausches“ im Freistaat steht Ostbayern und dort insbesondere Niederbayern, die Region mit den meisten Sonnenstunden und der stärksten Sonneneinstrahlung in Deutschland. 152.000 Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 3200 Megawatt liefern derzeit im Netzgebiet von E.ON Bayern Strom. Damit sind knapp 20 Prozent der bundesweiten Photovoltaik-Leistung allein im Netzgebiet des in Regensburg ansässigen Energieversorgers installiert. Bis Ende 2011 rechnet das Unternehmen mit einem Anstieg auf rund 180.000 Anlagen mit einer Leistung von 4000 Megawatt.
Die Vielzahl der neuen Solaranlagen stellt die Energieversorger aber auch vor große technische Herausforderungen: Bei bedecktem Himmel kann ihre Leistung gegen null sinken. „Diese exorbitanten Stromschwankungen auszugleichen, fordert technische Höchstleistungen und riesige Investitionen“, sagt E.ON Technik-Vorstand Hermann Wagenhäuser. Deutschlands Stromnetze waren bisher wie Bäume strukturiert. Der starke Stamm, das Hochspannungsnetz, verzweigte dabei in Mittelspannungs- und Niedrigspannungsnetze. Durch die Einspeisung aus den Solaranlagen wird vieles auf den Kopf gestellt. Jetzt müssen leistungsstarke Trafo- und Umspannanlagen an den Netzenden installiert werden. E.ON Bayern hat 2010 wegen des „Solarbooms“ rund 90 Millionen Euro zur Verstärkung des Stromnetzes investiert.

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