So lernst Du die Angst zu lieben

Panikattacken bekaempfenMir wird immer wieder die Frage gestellt, wie man seine Panikattacken bekämpfen kann. Dabei ist das die schlechteste aller Möglichkeiten. Viel hilfreicher wäre es, die Angst lieben zu lernen.

Wie Du etwas lieben kannst, was Dir das Leben zur Hölle macht und Du mehr als alles andere loswerden willst – darüber sprechen wir hier.

Angst lieben statt Panikattacken bekämpfen

Ich wünsche wirklich niemandem Angstzustände und Panikattacken. Nicht einmal meinem schlimmsten Feind. Eine Angststörung beeinträchtigt das Leben der Betroffenen teilweise extrem und wenn es zu Panikattacken – dem Gipfel der Angst – kommt… es gibt keine Worte dafür.

Panikattacken sind die Hölle. Wenn man das nicht erlebt hat, kann man sich kaum vorstellen, was man durchmacht.

Auch wenn ich schon hunderte Panikattacken überlebt hatte – trotzdem habe ich immer wieder aufs neue befürchtet, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden und manchmal auch zu sterben. Immer dieser leise Zweifel: “Wenn das nun doch ein Herzinfarkt ist?!”

Ich konnte mich in diesen Situationen kaum auf meine Umwelt konzentrieren, habe befürchtet, dass jemand meine Angst bemerkt, was mir ungemein peinlich gewesen wäre. Und dummerweise kommen Panikattacken oft in Situationen, in denen man sie am wenigsten gebrauchen kann. Also kämpft man instinktiv dagegen an.

Man will die Angst loswerden, und was “weg” soll, wird bekämpft. Macht auf den ersten Blick Sinn. Das Blöde ist nur, dass man es nur noch schlimmer macht, wenn man Panikattacken bekämpfen will.

Wenn Du dagegen ankämpfst, verspannst und verkrampfst Du Dich, was die Panikattacken-Symptome noch verstärkt oder gar hervorruft.

“Was man erkämpft, bleibt nicht. Was man bekämpft wird man nicht los”. Dieses Zitat von Bert Hellinger ist so treffend, dass es auch in meinem Buch vorkommt.

Merke: Niemand will Angstzustände und Panikattacken. Man will diesen Mist loswerden. Das kann ich besser verstehen als die meisten, doch es ist absolut kontraproduktiv, Angst und Panikattacken bekämpfen zu wollen, denn dann macht man alles nur schlimmer.

Angst ist nicht “böse”

Statt gegen die Angst zu kämpfen, könntest Du die Angst begrüßen. Wenn es Dir nämlich gelingt, die Angst freundlich willkommen zu heißen, wirst Du diese im Keim ersticken.

Was sich so leicht anhört, ist in der Durchführung schwierig. Schließlich willst Du Panikattacken Angstzustände loswerden. Und genau hier liegt das Problem.

Wie kann man etwas lieben, was man hasst?

Dabei kann der Gedanke helfen, dass die Angst ein Teil von Dir ist (zumindest für den Moment). Dieser ängstliche Teil bist ja auch Du und kein Wesen oder ein Ding, das Dir etwas Böses will.

In all den Jahren, in denen ich Menschen mit einer Angststörung helfe, kann ich sagen, dass die Angststörung immer auch eine große Chance beinhaltet. Wir haben die Chance, daran zu wachsen und unser Leben nachhaltig zu verbessern. Ohne diese psychische Problematik wären wir oft nicht bereit zu den teils erheblichen Änderungen.

Auch wenn ich mir die Angststörung nicht zurückwünsche, bin ich heute dankbar dafür, denn ohne diese wäre ich heute nicht so wie ich bin. Auch das kann den Blickwinkel auf die Angst ein wenig verändern.

Merke: Eine Angststörung ist auch eine Chance, das eigene Leben zu verbessern. Die Angst ist kein Feind, sondern ein Teil von Dir.

Schön, dass Du da bist und jetzt geh…

Als ich damals an der Angststörung gelitten haben, habe auch ich Angst und Panikattacken bekämpfen wollen. Klar, ich kämpfte dagegen an, schließlich hasste ich alles, was damit zusammen hing.

Damals riet mir der Chefarzt, der psychosomatischen Rehaklinik, der auch das Vorwort zu “Exfreundin Angst” verfasst hat, mit meiner Angst zu sprechen, wenn sie sich meldet. Ich sollte sie begrüßen und fragen, was sie von mir will. „Hallo Angst. Schön, dass du da bist. Was willst du mir sagen?“

Damals hielt ich ihn für verrückt. Ich soll das, was mir das Leben zur Hölle macht, willkommen heißen. Womit hatte “sie” das verdient und wie bitte soll das gehen? Heute weiß ich, dass es ein Fehler war, von “ihr” zu sprechen. Die Angst war ein Teil meiner Selbst, wenn auch nicht mein Lieblingsteil.

Aber damals konnte ich mir nicht vorstellen, nicht gegen die Angst ankämpfen zu sollen. Und doch wollte ich es zumindest versuchen. Schließlich hatte ich nichts zu verlieren, außer der Angst vielleicht.

Und dann kam die Panik und ich begrüßte sie und fragte die Angst immer wieder: “Was willst du mir sagen?”

Und so versetzte ich mich in die Lage, zu analysieren, was wirklich das Problem war. Ich erkannte, was nicht stimmte und konnte mich auf einer anderen Ebene mit der Angst auseinandersetzen.

Ich schaffte es, einmal nicht die Angst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern dahinter zu schauen. Und so gelang es mir, die Angst zu besiegen, ohne sie bekämpft zu haben.

Fazit: Panikattacken bekämpfen zu wollen, macht alles nur schlimmer

Es ist mehr als verständlich, dass Du gegen die Panikattacken kämpfen willst bzw. das instinktiv tust. Dabei wäre es hilfreich, aufkommende Angst willkommen zu heißen und herauszufinden, was gerade wirklich los ist.

Das funktioniert wahrscheinlich nicht immer. Es kommt nämlich auch ein wenig auf die jeweilige Situation und Deine derzeitige Verfassung an. In jedem Fall ist es das Schlechteste, Angst und Panikattacken zu bekämpfen.

Du kannst eine Menge über Dich und die Angststörung herausfinden, wenn es Dir gelingt, Dich auf diese Weise mit dem Thema auseianderzusetzen. Probiere es mal aus und erzähle mir gerne, ob und wie Dir das gelungen ist.

Beste Grüße.

Sebastian

PS: Im Kapitel “Hallo Angst” beschreibe ich, wie es mir zum ersten Mal gelungen, die Angst zu begrüßen und zu hinterfragen. Mehr zum Buch: www.psog.de/meinbuch


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