So klappt es mit der doppelten Staatsbürgerschaft für Deutsche

Dieses Thema wird für dich interessant sein, wenn du langfristig im Ausland lebst, einen ausländischen Lebenspartner hast oder die Vorteile der doppelten Staatsbürgerschaft anderweitig nutzen willst. Der Erwerb eines zweiten Reisepasses ist nicht einfach, kann aber sehr lohnenswert sein.

Ungefähr die Hälfte aller Länder erlaubt seinen Bürgern, eine doppelte Staatsbürgerschaft zu besitzen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir als Deutsche theoretisch die Staatsbürgerschaft dieser Staaten zusätzlich annehmen können. Einfach ist das nicht, weshalb du dafür gute Gründe haben solltest.

Bevor wir uns mit Nutzen und Gesetzesgrundlagen einer zweiten Staatsbürgerschaft beschäftigen, vorab noch eine kleine Anekdote aus meinem Leben.

Während meiner Studienzeit haben wir uns mit 5 Freunden in Berlin ein Wohnmobil gemietet und sind damit einmal quer durch Osteuropa bis nach Istanbul und an der Adriaküste entlang wieder zurück gefahren. Eine super Tour, wenn da nicht so viele Grenzen gewesen wären …

Ich glaube wir haben insgesamt 16 Länder durchquert, von denen einige nicht zur EU gehören. Das große Problem war, das wir mit einem Türken und 2 Mexikanerinnen gereist sind. An jeder Grenze wurde unser Wohnmobil gründlich durchsucht, Visas mussten beantragt werden und Reisepässe wurden auf das Genaueste inspiziert. Spätestens nach der dritten Grenzüberquerung war das nicht mehr witzig.

Eine der Mexikanerinnen hatte jedoch einen US-amerikanischen Zweitpass. Sie konnte also je nach Land den Reisepass zücken, der weniger Stress bedeutet. Generell hat sie dadurch viele Freiheiten, nicht nur auf Reisen. Für ihre holländische Arbeitserlaubnis war der US-Pass deutlich besser. Für die Einreise in die Türkei bedeutet der mexikanische Pass weniger Ärger an der Grenze.

Warum ein zweiter Reisepass Sinn macht

Ein zweiter Reisepass kann deutlich mehr Freiheiten bedeuten. Du bist weniger abhängig von dem Rechts- und Sozialsystem deines Heimatlandes. Du kannst an Grenzen auswählen, welchen Reisepass du vorlegst. Du unterliegst keinen Restriktionen, die manche Länder an eine Staatszugehörigkeit knüpfen.

Und du hast natürlich in dem Land der zweiten Staatszugehörigkeit alle Rechten und Pflichten, womit du dort leben, arbeiten und Rechtsgeschäfte abwickeln kannst (Unternehmensgründung, Immobilenkauf, Kontoeröffnung, …). Außerdem genießt du den diplomatischen Schutz des Landes und kannst an dessen Wahlen teilnehmen.

Natürlich gibt es nicht nur Vorteile, sondern auch Pflichten, die mit dem Erwerb einer Staatsbürgerschaft erfüllt werden müssen. Dazu gehören vor allem die Wehrpflicht und die Steuerpflicht.

Ein Problem bei zwei Staatsbürgerschaften ergibt sich durch die fehlende Eindeutigkeit für ein Rechtssystem. Nach dem Privatrecht welchen Staates werden Dispute geregelt, wenn du mehrere Staatsbürgerschaften hast?

Die Lösung dafür ist die sogenannte effektive Staatsbürgerschaft, die an die Verbundenheit zu einem Staat gebunden ist. Der Staat zu dem die stärkere Bindung ist als Rechtsgrundlage anzuwenden.

Zu einer zweiten Staatsbürgerschaft gehören nicht nur Freiheiten und Rechte, sondern auch Pflichten wie die Steuer- und Wehrpflicht.

Für jedes Land gibt es spezielle Regelungen, wie die jeweilige Staatsbürgerschaft erlangt werden kann. Die Prinzipien ähneln sich jedoch. Deshalb schauen wir uns als Beispiel einmal an, wie Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben können.

Die deutsche Staatsbürgerschaft

Die Staatsbürgerschaft ist der Begriff für alle Rechte und Pflichten, die sich aus einer Staatszugehörigkeit ergeben. Diese muss nicht unbedingt gleich der Nationalität sein, sondern bezieht sich auf die rechtliche Zugehörigkeit zu einem Staat.

Alle rechtlichen Angelegenheiten rund um die deutsche Staatsangehörigkeit sind im Staatsangehörigkeitsgesetzes (StAG) geregelt. Dort steht beispielsweise, dass der formale Nachweis für die deutsche Staatsangehörigkeit durch die Staatsangehörigkeitsurkunde erfolgt. Der Reisepass hingegen ist eher Mittel zum Zweck, nicht aber ein formaler Nachweis für die Staatszugehörigkeit.

2013 wurden in Deutschland ca. 112000 Ausländer eingebürgert. Die Hälfte von ihnen hat die zweite Staatsbürgerschaft aufgegeben, wobei die anderen 50% mehrere Staatsangehörigkeiten beibehalten durften. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Grundsätzlich möglich ist der Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft durch die Abstammung eines oder beider Elternteile, durch Adoption, durch die Geburt in Deutschland oder die Einbürgerung.

Deutsche Staatsbürgerschaft durch Abstammung und Geburtsort

Neugeborene erhalten die Staatsangehörigkeit über den Geburtsort oder ihre Abstammung. Das Kind bekommt also entweder den Pass des Landes, in dem es geboren wurde oder den seiner Eltern.

Neugeborene in Deutschland, deren Eltern beide nicht Deutsche waren, hatten lange die Option zwischen Geburtsland und Abstammung zu entscheiden (sogenanntes Optionsmodell). Bei Geburt bekamen sie beide Staatsbürgerschaften und bis zum 23. Lebensjahr mussten sie sich für einen der beiden Pässe entscheiden.

Ende 2014 wurde das Staatsangehörigkeitsgesetz geändert. Seitdem dürfen in Deutschland geborene Kinder mit ausländischen Eltern beide Staatsbürgerschaften erhalten, wenn sie bis zum 21. Lebensjahr eine enge Bindung zu Deutschland vorweisen können (Ausbildung, Schulabschluss, mind. 8 Jahre in Deutschland gelebt).

Hat jemand ein deutsches und ein ausländisches Elternteil, dann gilt automatisch das Abstimmungsprinzip. Das Kind erhält also beide Pässe, den deutschen und den des anderen Elternteils.

Übrigens wird auch bei der Adoption eines Kindes bis zum 18. Lebensjahr automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft übertragen, wenn zumindest ein Elternteil Deutscher ist.

Deutsche Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung

Der klassische Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft führt über einen Antrag auf Einbürgerung. Diese Anträge werden bei der Staatsangehörigkeitsbehörde gestellt, die dann nach Gesetz und eigenem Ermessen handelt.

Gute Chancen auf die Einbürgerung hat jeder, der bereits seit 8 Jahren in Deutschland lebt, nicht vorbestraft ist, keiner extremistischen Organisation angehört und bereit dazu ist, die bisherige Staatsangehörigkeit aufzugeben.

Den Antrag auf Einbürgerung muss auch jeder stellen, der die deutsche Staatsbürgerschaft durch Heirat erlangen will. Nicht nur Ehegatten, sondern auch Lebenspartner nach §9 StAG können den Antrag stellen.

Auch wer das Sorgerecht für ein Kind mit deutscher Staatsangehörigkeit hat, kann diesen Antrag stellen. Damit sind ausländische Eltern eines in Deutschland geborenen Kindes berechtigt, die Einbürgerung zu beantragen.

Deutsche Staatsbürgerschaft ablegen

In vielen Staaten ist es nahezu unmöglich die Staatsbürgerschaft abzulegen, wenn nicht gleichzeitig die Staatsbürgerschaft in einem anderen Land angenommen wird. Falls dieser Fall dennoch eintritt, gilt diese Person als staatenlos.

Staatenlos sind alle Personen, die keine Staatsbürgerschaft besitzen. Nach dem Völkerrecht sind alle Länder dazu verpflichtet, Staatenlosen Schutz zu gewähren und diese nicht auszuweisen.

Nach Artikel 16 des Grundgesetzes darf die deutsche Staatsangehörigkeit nicht entzogen werden. Also nicht gegen unseren Willen. Wohl aber können wir freiwillig die deutsche Staatsbürgerschaft ablegen.

Als Deutsche können wir die deutsche Staatsbürgerschaft ablegen, indem wir dafür einen Antrag stellen, weil wir die Staatsbürgerschaft eines anderen Staates erhalten wollen. Auch durch Adoption oder Verzicht auf die deutsche Staatsangehörigkeit (Optionsmodell) kann diese verloren gehen.

Als deutsche Staatsbürger sind wir automatisch auch Bürger der Europäischen Union und genießen damit viele Privilegien. Das Ablegen der deutschen Staatsbürgerschaft sollte also einen sehr guten Grund haben.

Wenn du bei Erwerb einer anderen Staatsangehörigkeit die deutsche Staatsbürgerschaft nicht verliern willst, dann muss du einen Antrag auf Beibehaltungsgenehmigung stellen. Zuständig dafür ist die Staatsangehörigkeitsbehörde (lokales Amt) in Deutschland bzw. das Konsulat im Ausland.

Wird dieser Antrag nicht gestellt und du nimmst eine andere Staatsbürgerschaft (außer EU und Schweiz) an, dann wird dir die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Der Reisepass wird dann bei der nächsten Gelegenheit einbehalten (z.B. bei der Verlängerung im Konsulat).

Wenn du nach dem Ablegen der deutschen Staatsbürgerschaft deine Meinung änderst, kannst du als ehemaliger Deutsche jederzeit einen Antrag auf Wiedereinbürgerung stellen. Daraufhin wird dann jeweils für den Einzelfall entschieden, ob und unter welchen Bedingungen eine Wiedereinbürgerung möglich ist.

Doppelte Staatsbürgerschaft für Deutsche

Grundsätzlich geht die deutsche Staatsbürgerschaft verloren, wenn du dich in einem anderen Land einbürgern lässt. Ausnahmen gibt es für alle EU-Staaten und die Schweiz, für die du ohne weiteres die doppelte Staatsbürgerschaft erhalten kannst.

Bei allen anderen Staaten kann der Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft nur durch den Bei­be­hal­tungs­an­trag nach § 25 Ab­satz 2 Staats­an­ge­hö­rig­keits­ge­setz (StAG) verhindert werden, der vor dem Einbürgerungsverfahren im Ausland gestellt werden sollte.

Eine doppelte Staatsbürgerschaft in einem Nicht-EU-Staat oder der Schweiz ist nur möglich, wenn dem Bei­be­hal­tungs­antrag vor dem Erwerb der zweiten Staatsbürgerschaft stattgegeben wurde.

Gestellt wird dieser Antrag bei Wohnort in Deutschland bei der zuständigen lokalen Behörde und bei Wohnort im Ausland bei dem zuständigen Konsulat bzw. der Botschaft. In dem Antrag muss gut nachvollziehbar begründet werden, dass nach wie vor eine enge Bindung zu Deutschland besteht.

Zum Antrag gehören Unterlagen, die die deutsche Staatsbürgerschaft beweisen (Geburtsurkunde, Heiratsurkunde der Eltern, Führungszeugnis, Nachweis des letzten Wohnsitzes) und der Nachweis der fortlaufenden Bindung an Deutschland.

Das eine Bindung an Deutschland trotz Auslandsaufenthalt gegeben ist, kann durch in Deutschland lebende Angehörige, Immobilien, Erbschaftsansprüche oder zu erwartende Renten- und Versicherungsleistungen begründet werden.

Letztendlich muss auch glaubhaft dargestellt werden, dass man dem Staat bei einer eventuellen Rückkehr nach Deutschland nicht zur Last fallen würde. Dafür eignen sich Angaben zu Einkommen, Besitz, privater Absicherung und Ausbildungsnachweise.

Eine zweite Staatsbürgerschaft kann im Grunde durch Einbürgerung, Abstammung, Geburt oder ein großzügiges Investment erlangt werden.

Es gibt im Grunde die folgenden Möglichkeiten zum Erwerb einer ausländischen Staatsbürgerschaft.

  • Einbürgerung: die Kriterien, an die eine Einbürgerung gebunden ist, unterscheiden sich in jedem Land. In der Regel wird eine Mindestzeit für den permanenten Aufenthalt in dem entsprechenden Land vorausgesetzt.
  • Investment: Zypern und einige Inselstaaten in der Karibik lassen sich durch großzügige Spenden und Investitionen von 6- bis 7-stelligen Beträgen davon überzeugen, dass deine Bindung zu dem Land stark genug ist.
  • Abstammung: Einige Länder wie Irland, Italien, Brasilien und Israel bieten Staatsbürgerschaften für alle an, die Vorfahren in ihrem Land hatten.
  • Geburt, Heirat & Adoption: Auch bei Geburt eines Kindes, Heirat oder Adoption können Eltern beide Staatsbürgerschaften gleichberechtigt auf ihr Kind übertragen, wodurch die Mehrstaatigkeit erreicht wird.

Eine weitere Möglichkeit und erstrebenswertes Ziel ist die Verleihung der Ehrenstaatsbürgerschaft. Diese wird für außergewöhnliche Leistungen oder das Lebenswerk von Personen, das mit einem Staat in Verbindung steht.

Länder die eine zweite STaatsbürgerschaft ermöglichen

Laut einem Bericht aus 2008 ist die doppelte Staatsbürgerschaften in 115 Ländern möglich. Mittlerweile sind es sicher mehr, da der Trend dahin geht, dass viele Staaten ihre Einwanderungspolitik deutlich offener gestalten.

Laut dieser Studie verbieten besonders asiatische und südamerikanische Staaten den Besitz einer zweiten Staatsbürgerschaft. Einfacher machen es europäische sowie nord- und mittelamerikanische Länder. Hier eine Übersicht aus dem Bericht:

  • Doppelte Staatsbürgerschaft generell möglich: Afghanistan, Albanien, Armenien, Australien, Bangladesch, Barbados, Weißrussland, Belize, Bosnien und Herzegovina, Brasilien, Bulgarien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, Zypern, Ecuador, El Salvador, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grenada, Honduras, Ungarn , Island, Indien, Irland, Israel, Italien, Jamaika, Jordanien, Lettland, Libanon, Litauen, Malta, Mexiko, Moldawien, Neuseeland, Panama, Peru, Philippinen, Portugal, Rumänien, Russland, Samoa, Slowakische Republik, Slowenien, Südafrika, Sri Lanka, Schweden, Schweiz, Trinidad und Tobago, Türkei, Großbritannien, Vereinigte Staaten, Uruguay
  • Doppelte Staatsbürgerschaft unter Umständen möglich: Argentinien, Bahrain, Belgien, Chile, Kuwait, Niederlande, Nicaragua, Norwegen, Pakistan, Paraguay, Saudi-Arabien, Spanien, Syrien, Tadschikistan, Vereinigte Arabische Emirate, Kroatien, Tschechische Republik, Dänemark, Kasachstan, Mazedonien, Polen, Ukraine, Bahamas, Brunei, Fiji, Japan, Korea, Papua-Neuguinea, Singapur
  • Doppelte Staatsbürgerschaft kategorisch ausgeschlossen: Österreich, Aserbaidschan, Bhutan, Bolivien, Kambodscha, China, Estland, Georgien, Guatemala, Guyana, Indonesien, Iran, Kirgisistan, Laos, Luxemburg, Malaysia, Mongolei, Myanmar, Nepal, Oman, Katar, Suriname, Thailand, Timor-Leste, Turkmenistan, Usbekistan, Venezuela, Vietnam

Eine gute Liste mit insgesamt 37 Ländern, die eine doppelte Staatsbürgerschaft erlauben, gibt es in diesem Beitrag von Human Investors. Zu den attraktiveren Ländern außerhalb der EU gehören Kanada, die USA, Australien, Mexiko, Jamaika, Peru, Philippinen, Südafrika, Südkorea und die Türkei.

Ein interessantes Thema, mit dem ich mich in späteren Artikeln sicher noch genauer auseinandersetzen werde. Besonders die konkreten Bestimmungen zu Visabestimmungen, Aufenthaltsgenehmigungen und dem anschließenden Einbürgerungsverfahren einzelner Länder werde ich auf Wireless Life noch genauer betrachten.

Hast du selbst eine zweite Staatsbürgerschaft und Erfahrungen mit dem Erwerb einer solchen?

Lebe rastlos, zeitlos und grenzenlos


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