... so beschämt es weniger!

Gemachgemach! Diese Nervosität ist zwar über und über sympathisch - beruhigend, dass es die deutschen Milliardäre kaum erwarten können, etwas weniger spendabel als ihre amerikanischen Vorbilder die Taschen zu öffnen. Sie sollten sich aber noch etwas gedulden, bedachtsamer sein. Nicht so vorschnell! Nicht die Geldbörse zu schnell gezückt! Die, die erwartungsfroh hinaufblicken, weil sie das Geldgeschenk brennend gebrauchen können, wollen nicht allzu gierig erscheinen. Wenn sie auch sonst nichts haben - Manieren haben sie behalten. Man sollte es den Krösussen mitteilen: behaltet eure Reichtümer zunächst; rückt sie nicht zu übereilt heraus!
Dochdoch, die Bedürftigen wollen sie schon, diese Schätze. Allein es ist ihnen nicht so eilig wie den spendenfreudigen Finanzmagnaten - sie können warten. Weil: es ist ihnen nicht nach Geschenken; ihnen ist nach Garantien. Geschenke sind schnell gemacht, genauso schnell vergessen - Garantien sind aber geduldig, vergisst man nicht so leicht. Und obendrein sind Geschenke meist dann angesagt, wenn man ein schlechtes Gewissen verkappen will oder wenn man unliebsame Vorhaben vorab besänftigen möchte. Daher: keine Geschenke - die Milliardäre sollen sich nicht schenkend aus der Affäre, aus der Verantwortung stehlen können; die Mittellosen sollen nicht deshalb beschenkt werden, damit die ausgesprochene Sauerei, dass es Menschen gibt, die überhaupt in die Bredouille kommen, mit Milliarden herumwerfen zu können, schnell aus dem öffentlichen Gedächtnis getilgt ist.

Garantien! Das heißt: höhere Steuern für Reiche, Super- und Supersuperreiche! Daher erstmal ruhig Blut, die Geldbörsen geschlossen: auf die Schnelle soll nicht geschenkt werden. Was Not tut sind monatliche, turnusmäßige garantierte Zahlungen, die man nicht in Geschenkpapier packen muß, die sich diese Gesellschaft im Namen des Allgemeinwohls gesetzlich abgesichert selbst einholt. Krösusse, schenkt euren Frauen und schenkt euren Freunden - aber nicht wildfremden Bedürftigen! Nicht denen, die zu fremd sind, als dass man da freigebig sein könnte. Wie das gemeint ist? Sagen wir es mit Nietzsche, denn man findet für jeden Anlass eine passende Sentenz bei ihm: "Ich aber bin Schenkender: gerne schenke ich, als Freund den Freunden. Fremde aber und Arme mögen sich die Frucht selber von meinem Baume pflücken: so beschämt es weniger."
Sie sollten sich nicht beschämen, die Reichen, indem sie schenken; sich nicht beschämen, indem sie sich zu den armen Schluckern herablassen. Demütigt euch doch nicht, Krösusse, kommt den Armen nicht zu nahe. Und demütigt die Armen nicht, indem ihr sie mit eurer Herablassung erniedrigt! Man lasse den Staat als Sachwalter der Armen selbst an die erntebereiten Bäume - so beschämt es weniger! Nietzsche hatte recht: so muß sich der Milliardär nicht schämen, weil er so tief herabstieg - und der Bedürftige bleibt ohne Schamesröte, die dann schnell in Zornesröte umschlagen könnte, weil ihm die Erniedrigung erspart bleibt. Und diejenigen, die von so einer Umverteilungspolitik profitieren, müssen sich auch nicht schämen, weil sie den Magnaten ungefragt in die Taschen langten: wo Ebbe herrscht, ist Scham unangebracht. Falsche Scham, nennt das der Volksmund. Und noch was, Krösusse: mit so einer Steuer, die man euch aufbürdet, habt ihr ausreichend Potenzial für Schimpftiraden - wir wollten ja schenken, nun blutet und die Steuer aus! Undank ist der Reichen Lohn!
Langsam also, es eilt nicht - Milliarden aus freien Stücken sind ungewollt, sie müssen als dauerhafte Garantie rollen. Denn es ist peinlich, so große Geschenke zu erhalten. Daher hole man sich, was dem Gemeinwesen zusteht: ohne Peinlichkeiten. Buffett und Gates haben Nietzsche nie gelesen - jedenfalls ist das anzunehmen. Sie setzen sich, sie setzen diejenigen, denen die Spende zugute kommt, der Blamage aus, machen sie schämen. Spendierfreude, Schenkvergnügtheit, Gönnerhaftigkeit sind unter Freunden und Bekannten galante Wesenszüge - für eine ganze Gesellschaft taugen sie nicht. Im letzteren Falle haben sie mehr von Erniedrigung als von Wohltat; fördern Argwohn und Misstrauen, weil man sich von oben herab behandelt fühlt.
Steuern, keine Ablasszahlungen - Garantien, keine Willkürleistungen - Rechtsansprüche, keine Ermessenszuwendungen! Und sich darauf hinauszureden, dass Deutschlands Reiche ja bereits Stiftungen unterhielten, um ihren Wohlstand zu teilen, kann man sich getrost sparen. Stiftungen, in die Gelder fließen, die etwaigen Steueransprüchen entzogen werden sollen, in denen potenzielle Steuergelder stiften gehen: sie untergraben das Allgemeinwohl, sind kein Aushängeschild für Verantwortungsbewußtsein. Es gibt nur einen Weg: Höhere Steuern! Denn so beschämt es weniger!


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