Small Feet – From Far Enough Away Everything Sounds Like The Ocean

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Small Feet – From Far Enough Away Everything Sounds Like The Ocean

8Indie

Beim Americana-geprägten Debüt des schwedischen Trios Small Feet ist nicht nur der Albumtitel gelungen.

Dieses Debutalbum besticht durch eine eigentümliche Schönheit, die bedacht mitten ins Schwarze trifft. Es ist die zweite Vorabsingle, die das bündelt, was am Album großzügig ausformuliert werden soll: eine schroff geschlagene Gitarre, die teils ins Überhöhte kippende Stimme des Sängers Simon Stalhamre, die eigentlich beinahe jedes Mal in eine schier unendliche Traurigkeit rückenden Melodien.

Seit er 15 Jahre alt war, bastelt Simon Stalhamre -bewusst und unbewusst- an seiner musikalischen Karriere – ohne bis jetzt zuvor je ein Album veröffentlicht zu haben. Als Schulabbrecher diversen Jobs nachgehend – zuletzt sogar noch kurz davor, Busfahrer zu werden – lernt er schließlich Jacob Snavely kennen, der ihm wohlgemeint in den Hintern getreten hat, sich endlich mehr um seine Musik zu kümmern. In Stockholm richtet er sich, geerbt von seinem Onkel, ein Studio ein, Jacob Snavely übernimmt den Bass, Christopher Cantillo die Drums, Startschuss.

Zwei Jahre lang hin und her folgen, wobei Simon Stalhamre selbst sagt, „I was just unworthy of being there“. Aufgestaut hat sich seine kreative Energie nichtsdestotrotz, schon die drängenden Strophen des Openers „Gold“ sind die Zeugen dafür. „Just split the stone and hand me the gold“ bittet Stalhamre eindringlich. So bedrückend die schwere Gitarre auf oft auf der Stimme lastet, so bedeutet die Finsternis der Melodien, der Texte gleichzeitig einen Rückzugsort, an dem die Kreativität und musikalische Imagination überhaupt erst im Entstehen ist.

Wo „Palm Trees“ beinahe schon ekstatisch in Richtung der Flaming Lips zielt, ist man bei diesem Debut doch an vielen Stellen an einen dunklen, neuen Will Butler erinnert. Gepfiffen wird auch, ja. Im wohl schönsten Stück des gesamten Albums, „All and Everyone“, das klingt wie die schwedische See. Auch von weit, weit entfernt. Selbst wenn der Text sich abstruserweise um Stalhamres Angst vor Babies und Hunden dreht: „Come say hi, it doesn’t bite/ Or it didn’t before“, bzw. um den Argwohn, mit dem man als Erwachsener von beiden beobachtet wird: „It looks you dead in the eye, like/“Hey, what are you made of?““ An anderer Stelle, im Stück „Lead us through the night“ wird die Ambivalenz beschrieben, der Einsamkeit nicht entfliehen zu wollen, gleichzeitig aber fast schon eine Art von Gesellschaftsphobie entwickelt zu haben: „They took you in as one of their own/ Given the chance they’d swallow you whole“. Interessanter als seine Stücke ist also nur die Person Stalhamres selbst, der seine Dämonen auf „From Far Enough Away Everything Sounds Like The Ocean“ gebündelt hat.  Er schreibt sich mit seinem Debut selbst an die Wand.

„I look for your ghost almost every night/ I make up little signs that say you are alright“ singt Stalhamre in „Rivers“ über einen zu früh verstorbenen Freund. Die Traummetapher schließt schnell den Kreis zu shakespeare’schen  Szenarien: Prinz Hamlet, der Schweden als “undiscovered country” beschrieben hat, scheint hier selbst zwischen den Zeilen zu geistern. Simon Stalhamre wirkt wie eine ähnlich getriebene, unruhige Seele, die in der Musik endlich ihr Ventil gefunden hat. Aus der Schwere der einzelnen Stücke heraus entsteht die Authentizität, auf die Stalhamre jahrelang hingearbeitet hat. Das Ergebnis ist ein herausragend feines, hochkomplexes Debutalbum. In den Worten des dänischen Prinzen:

Whether ’tis nobler in the mind to suffer
The slings and arrows of outrageous fortune,
Or to take arms against a sea of troubles,
And by opposing end them?

Small Feet – From Far Enough Away Everything Sounds Like The Ocean, Control Freak Kitten (Cargo Records), smallfeetmakesmusic.com


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Autor

Lisa Schneider

Aufgabenbereich selbst definiert als: Groupie, nichtsdestotrotz. Findet „Schrecklich amüsant aber in Zukunft ohne mich“ (David Foster Wallace) immer wieder treffend.


 
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