Slowthai: Der Junge von draußen

Slowthai: Der Junge von draußenSlowthai
„Nothing Great About Britain“

(Universal)
Manchmal denkt man ja, das alles wäre ein einziger großer Slapstick, den die Briten da mit ihrem Brexit und dem ganzen Drumherum so veranstalten und der Running Gag, wann die nächste Folge davon wohl auf Netflix gesendet wird, kommt nicht von ungefähr. Doch auch wenn das Ganze zuweilen nicht einer gewissen Komik entbehrt, ja die Sitzungen des britischen Parlaments für unsere Augen recht bizarr wirken, sind die Vorgänge im Königreich alles andere als lustig. Das staatliche Gesundheitssystem kollabiert, der gesellschaftliche Frieden und die zwischenmenschliche Solidarität sind mehr als brüchig, Nationalismus, Revisionismus und Populismus wieder auf dem Vormarsch und im ganzen Land machen sich Hoffnungslosigkeit und Fatalismus breit – „Nothing great about Britain“, fürwahr. Tyron Kaymone Frampton, der Junge also, der sich hinter dem Pseudonym Slowthai verbirgt, ist kein Sprücheklopfer, kein Schauspieler, er weiß, wovon er redet, wenn es um schwierige Verhältnisse geht: Die alleinerziehende Mutter war bei seiner Geburt in Northampton noch minderjährig, sein kleinerer Bruder verstarb frühzeitig an einer Muskelerkrankung – es gibt wahrlich günstigere Umstände für einen Heranwachsenden.

Dennoch wird man von Frampton kein schlechtes Wort über seine Kindheit und Jugend hören, dem Splash-Magazin erzählte er gerade, dass seine Familie (er hat noch eine Schwester) ihm in schwierigen Zeiten Zuflucht und Trost war, sie gab ihm die Identität, welche ihm die Gesellschaft auch aufgrund der gemischten Ethnien (Barbados/Irland) bis heute verweigerte. Frampton sagt ihn trotzdem, den Satz, vor dem sich deutsche Jugendliche stets in Acht nehmen sollten: „Hand on my heart, I swear, I’m proud to be English“ proklamiert er im Titelsong, läßt dem stolzen Geständnis aber gleich die Einschränkung folgen: „You respect me a little bit Elizabeth, you cunt.“ Ein wütender Aufschrei, voller bitterem Spott auf der einen Seite und popkulturellen Bezügen auf der anderen. Ohne The Prodigy und Mike Skinner aka. The Streets hätte es den Grime-Rapper Slowthai, so sagt er selbst, wohl kaum gegeben, das Erbe stammt also aus den Jahren zuvor, nur der Frust, der Zorn sind seine eigenen.

Anders als beispielsweise bei Dave Santan („Psychodrama“) kommen seine Rhymes nicht trocken und kantig, sondern taumeln, irren oft zwischen den dunklen Beats umher, die Sprache als wildes Kauderwelsch aus verkürztem Slang, rüden Attacken und höhnischen Kommentaren. Bei „Doorman“ poltert er gegen soziale Schranken als einer, der von unten kommt und öfters draußen bleiben muß, gemeinsam mit Buddy Jaykae formuliert er sein Selbstverständnis, geformt aus Herkunft, Familie und gewachsenen Freundschaften: „Don't get old, be bold, don't get told, be bold.“ Dass er einen Track danach („Inglorious“) gemeinsam mit seinem Idol Skepta performen darf, wird dem Ego auch nicht geschadet haben. Der Sound auf dem Album, das sei noch gesagt, ist ein überaus reichhaltiger – hier haben Leute wie Mura Masa, Anish Bhatt und vor allem Kwesi Darko ganze Arbeit geleistet. Und auch wenn die Lyrics der drei abschließenden Stücke „Peace Of Mind“, „Missing“ und „Northampton’s Child“ dann doch, weil autobiografisch gefärbt, ziemlich deprimierend rüberkommen – der Junge hat’s drauf, hat’s geschafft und mit der Platte sicher auch schon etwas bewirken können. https://www.slowthai.com/
31.05.  Düdingen, Bad Bonn Kilbi

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