Slaves: Auf den zweiten Blick

Slaves: Auf den zweiten BlickSlaves
„Acts Of Fear And Love“
(EMI/Universal)
Auf die Frage, welche denn nun die schwierigste Platte ist und warum, gibt es wohl die verschiedensten Antworten. Vielleicht die erste, weil man mit dem raus muss, was vorher nur die engsten Freunde im Probekeller gehört haben und die Angst vor der Blamage oder, noch schlimmer, vor der kompletten Missachtung einfach riesig ist. Die zweite, weil die Zeit der Anerkennung schon wieder vorbei sein könnte und das Lob von gestern so trügerisch wie flüchtig ist. Oder doch die dritte, weil gleich hinter der vermiedenen Blamage die bequeme Wiederholung lauert, der sich nur die wirklich Guten standhaft verweigern. Klar ist jedenfalls, dass es der nicht so schwer hat, der es sich selbst nicht zu einfach macht. Von den Slaves aus Kent gibt es schon zwei Alben und trotzdem noch jede Menge Vorurteile zu hören. Der Independent fasste diese gerade recht treffend mit den Worten zusammen: „All mouth, no trousers“, was ungefähr so viel bedeutet wie „Großes Maul und nix dahinter“. Isaac Holman und Laurie Vincent jedenfalls haben aufgegeben, es allen recht machen zu wollen und um Anerkennung von Fans, Kritik und verehrten Kollegen gleichermaßen zu buhlen – sie sind etwas selbstbewusster, etwas vorsichtiger und wohl auch eine Ecke reifer geworden.

Und genau das hört man „Acts Of Fear And Love“ an: Deutlich kürzer als die beiden Vorgänger, wirken die Songs darauf überlegter, ausgesuchter, reflektiert und bisweilen (siehe Videos) ziemlich selbstironisch. Wütend sind sie natürlich noch immer, aber nicht ausschließlich. Es gibt die punkigen Killer, die mit roughem Gitarrensound loshämmern, den Insta-Wahn geißeln („The Lives They Wish They Had“), in simplen Zeilen politische Statements vom Stapel lassen („Bugs“) oder sich dem allgemeinen Konsum-Irrsinn verweigern („Magnolia“). Aber ebenso akustische Einschübe wie das melancholisch angehauchte „Daddy“, das für Holman und Vincent wie das Fast Forward in der Zeitschleife oder die rechtzeitige Warnung klingen dürfte, desweiteren ein Titelstück, das über die Worte eines Lehrers, die Biografie eines Freundes sinniert und regelrecht nachdenklich wirkt. Oder eben „Chokehold“, obschon laut und schroff, aber mit einem überraschenden Perspektivwechsel, den man den beiden jetzt nicht unbedingt zugetraut hätte. Sie würden, so sagten sie in einem Interview, jetzt andere Musik hören, Elliott Smith, Leonard Cohen, solche Sachen. Ihrem Stil hat das ganz gutgetan. Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche, keine überambitionierten Ausflüge mehr in Sachen Rap oder Brazz-Pop. Stattdessen neun Songs, die bestehen können. Klar, daß die spannende Frage nun lautet: Wie es wohl wird – das vierte Album? https://youareallslaves.com/

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