Silver Linings


David O. Russell hatte mit seinem letzten Film „The Fighter“ einen erstaunlichen Erfolg gemeistert. Für das Drehbuch von Scott Silver gab es einen Oscar, für die Regie jedoch nicht. Die beiden Nebendarsteller Christian Bale und Amy Adams heimsten die Trophäen ein, sein von Russell extra gecoachter und an seine Grenzen gehender Hauptdarsteller, Mark Wahlberg, ging jedoch leer aus. „The Fighter“ war ein Paradebeispiel für Fehleinschätzungen des Potentials im eigenen Film. Die Dinge, die den Film so besonders gemacht haben, spielten während der Produktion für Russell eine eher untergeordnete Rolle.
Im neuesten Werk „Silver Linings“ scheint das gleiche wieder zu passieren. Diesmal jedoch mit Absicht.
Pat  sitzt in der Nervenheilanstalt. Nicht etwa, dass er freiwillig hier wäre, oder ernsthaft krank. Er ist allerdings extrem traumatisiert. Er führte eine Bilderbuchehe mit einer wunderschönen Frau. Eines Tages kommt er nach Hause und erwischt sie mit einem seiner Kollegen unter der Dusche. Im Hintergrund läuft übrigens der Song, den die beiden auf ihrer Hochzeit haben spielen lassen. So eiskalt und böse das zunächst erscheint, so verständlich scheint seine Reaktion zu sein. Er prügelt den Nebenbuhler grün und blau. Die Frau fühlt sich extrem bedroht und lässt ihren wütenden Ehemann einliefern. Nach einigen Monaten kommt Pat endlich raus und wird von seinen Eltern zu Hause aufgenommen. Der Vater ist ein pathologischer Spieler und hat schon sehr viel Geld und Ehre bei Wetten auf Baseballspiele verloren. Er hält seinen Sohn für einen Glücksbringer, denn immer wenn der sich im Raum befindet, scheint sich das Glück für den Vater zu wenden.
Pat hat jedoch ein ganz anderes Ziel. Er will seine Frau zurück. Da lernt er Tiffany kennen, die auf ihre Weise einen ganz ähnlichen Dachschaden hat. Sie fragt Pat, ob er ihr bei einem Tanzwettbewerb beistehen kann, wenn sie ihm dafür hilft, mit seiner Frau wieder zusammen zu kommen.
Die Story ist schnell durchschaut und entpuppt sich als eine gewöhnliche Liebesgeschichte, nach ganz klassischem Muster. Die wenigen markanten Charaktereigenschaften der Protagonisten halten die Originalität nur mit größter Mühe auf einem erträglichen Level. Viel zu oft rutscht der Plot ins Banale ab und der Zuschauer wird nur von großen Aktionen der Figuren vor dem Desinteresse bewahrt. Pat zertrümmert eine Stereoanlage. Pat prügelt sich mit Hooligans. Pat wirft einen ausgelesenen Hemmingway durch die Fensterscheibe, weil er das Ende kacke findet. So etwas eben. Das Besondere in diesem Film ist die Leistung aller Darsteller. Bradley Cooper ist nach ausschweifenden Eskapaden in Hangover eigentlich schon abgestempelt gewesen als Slapstick-Trottel vom Dienst. Jennifer Lawrence hat zwar eine beeindruckende Leistung in „Winter's Bone“ absolviert, hat seitdem aber vor allem in mäßig erfolgreichen Blockbusterkrücken mitgespielt. So etwas schabt am Image einer ernstzunehmenden Schauspielerin. Zu guter Letzt: Robert De Niro hat seine große Zeit hinter sich. Seine Auftritte wurden zunehmend nur noch auf seine bloße Anwesenheit reduziert. Seine Rolle als Simon Silver in „Red Lights“ zum Beispiel barg so viel Potential und er hat es starren Blickes einfach verpuffen lassen.
Alle drei Schauspieler zeigen in „Silver Linings“, dass sie es noch immer drauf haben. Mag die Geschichte voll an Klischees und Plattitüden sein – ja regelrecht amerikanisch – die Schauspieler schaffen es, dem Film eine besondere Note zu geben. Der Film lebt davon und spielt die markanten Eigenschaften der Menschen hinter der Rolle gekonnt aus. Konsequenterweise wurden alle drei mit Nominierungen für die kommende Oscar-Verleihung belohnt. Die Academy scheint über die eklatanten Schwächen des Drehbuchs hinweg sehen zu können und die Stärke der Produktion zu sehen. Nun steht natürlich die Frage im Raum, ob ein Film, der allein von der Vitalität und vom Charisma der Schauspieler lebt, überzeugen kann. Er kann es nicht. Wie man schon oft gehört hat, kann selbst der beste Regisseur große Schwächen eines Skripts nicht ausbügeln. Tragischerweise handelt es sich in „Silver Linigns“ bei Regisseur und Drehbuchautor um die selbe Person.
„Silver Linings“ ist oberflächlich und erzählt eine aufgewärmte Geschichte mit nicht eben originellen Einfällen zum tausendsten Mal neu. Beeindruckend sind dagegen um so mehr die drei Hauptdarsteller, die mit einer immensen Ausdauer und Stärke gegen die Defizite des Films anstürmen und sich dadurch zu etwas wirklich Besonderen machen. Und da ist sie wieder einmal: Die Magie Hollywoods, die dafür sorgt, dass ich sage: Allein diese drei Schauspieler rechtfertigen schon den Kinobesuch.
Silver Linings (USA, 2012): R.: David O. Russell; D.: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro, u.a.; M.: Danny Elfman; Offizielle Homepage
Der Filmblog zum Hören: Jeden Sonntag, 14:00 bis 15:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

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