"Silent Trigger - Im Fadenkreuz des Killers" [USA 1996]


Ungewöhnlicher Dolph-Lundgren-Thriller, angesiedelt in einem abrissfertigen Hochhauskomplex, Nährboden für Dunkelheit, Baustellenplanen – und tödliche Toiletten. Der Film, erotisch in sinnlichem Blau fotografiert, begreift dieses Gebäude als eigenständigen Organismus, dessen riesige Fenster den Blick freigeben auf eine Liebesszene, die ätherischem Balsam in nichts nachsteht. Ähnlich durchzucken "Silent Trigger" Rückblenden, metaphysische Abwägungen und halluzinatorische Zustandsbeschreibungen, begleitet von rohen Scharmützeln. Russell Mulcahy, die Künstlichkeit diskutiert er nicht weg, sondern betont sie, mancherorts gar über das Ziel hinaus (wie ein in die Jahre gekommener CGI-Flugzeugabsturz sensationell beweist). Aber all' das, die Irrungen und Wirren, einen transzendenten Genrereißer zu verpacken, mündet in einer grundsätzlichen Irritation des Auftragrächers (Lundgren), dem moralische Zweifel an seiner Arbeit aufkommen – und der Schuss erst gelöst, befreit gehört. Wenn überhaupt. Zwei Seiten, eine Entscheidung, ein Ergebnis. Wie trashig Mulcahy auf Konfrontationskurs geht, um Zeit zu gewinnen (oder: zu strecken), wird in der Rolle ersichtlich, die Christopher Heyerdahl spielt: einen dauerbekifften, dauerpöbelnden und sexistischen Nachtwächter, der die klaustrophobische Finsternis von "Silent Trigger" neutralisiert. Mit Amüsement, offenherzigem Beklopptsein. Und neurotischer Zappeligkeit. Ein Film der Brüche also, so scheint es. Streng altmodisch, streng im 90er-Fahrwasser unterwegs, ist Mulcahy eine atmosphärische, apokalyptische (Kriegs-)Dystopie gelungen. Seelen(un)ruhig grübelt sich "Silent Trigger" zu einem elektronisch unterkühlten, stellenweise fetzigen Hybrid.  
6 | 10