Sightseeing-Busfahrt in München: Überflüssig und peinlich oder ziemlich lohnenswert?

Von Miriam Zöllich @bayern_reise

Man kennt sie aus zahlreichen Städten: Die Open-Air-Doppeldecker-Busse, die sich vollgestopft mit knipsenden Touristen durch die Straßen und an Sehenswürdigkeiten vorbeischieben. In München haben wir einen solchen Sightseeing-Bus nun getestet – und waren in vielerlei Hinsicht ziemlich überrascht.

Ich habe sieben Jahre in München gelebt und war daher sehr gespannt, ob mir die Stadtrundfahrt tatsächlich noch neue Blickwinkel auf die Isarmetropole ermöglicht. Als zusätzliche Testperson habe ich mir außerdem meine Schwester mit an Bord geholt, die auch schon seit drei Jahren in München wohnt und dort Tourismusmanagement studiert.

Touristenbusse? Oh mann, wie peinlich.

Was Touristenbusse und Bimmelbahnen angeht, so sind wir beide aus früheren Familienurlauben mittelmäßig traumatisiert. Nicht selten schämten wir uns bei solchen Stadtrundfahrten in Grund und Boden. Mensch Mama, total peinlich!

Aber spätestens seit einer Rundfahrt in Mexiko City müssen wir unsere Meinung ehrlich revidieren. Die Touren verschaffen gerade in Großstädten einen guten ersten Überblick. Ob das auch auf München zutrifft?

Touribus in Mexiko Stadt

Sightseeing-Bus in München. Kaffee: Check! Wir können los.

Zwei Anbieter am Münchner Hauptbahnhof

Es gibt zwei Anbieter von Doppeldeckerbussen, die direkt vor dem Haupteingang des Münchner Hauptbahnhofs ihre Runden starten. Man kann sie eigentlich gar nicht übersehen!

Wir hatten uns für das CitySightseeing von Yellow Cab entschieden, das sind die roten bzw. gelben Doppeldeckerbusse. Daneben gibt es noch die blauen Busse von Greyline.

Tipp: Bei Online-Buchung kann man sparen!

Leider muss man sagen, dass die Online-Auftritte beider Unternehmen nicht so der Knaller sind. Bei Yellow Cab ist alles ziemlich unübersichtlich, die Seite von Greyline lud zweitweise gar nicht erst.

Wenn man aber mal den Durchblick hat, lohnt sich eine Vorab-Buchung der Tour im Internet. Denn dadurch kann man beispielsweise bei YellowCab einige Euros sparen. So haben wir für die “kleine Runde” (ca. eine Stunde) 12,90 statt 15 Euro gezahlt.

Man kann die Tickets aber auch direkt an den Bussen kaufen.

Kleine Runde oder große Runde?

Bei beiden Anbietern gibt es kleine und große Runden. Die kleine Runde fährt die wichtigsten Spots des Münchner Stadtzentrums an, etwa Odeonsplatz, Marienplatz, Stachus.

Die großen Runden grasen dann beispielsweise noch die Viertel rund um Schloss Nymphenburg oder den Olympiapark ab.

Weil das Wetter nicht sooo bombig war (etwa zehn Grad und bewölkt), wollten wir uns nicht für zwei oder mehr Stunden auf dem Oberdeck eines Busses aufhalten und haben uns für die kleine Runde entschieden.

Überraschend komfortabel und informativ

Doch das obere Deck des Busses war überraschend komfortabel. Die Sitze sind bequem und wärmen sich dank der Leder-Oberfläche auch bei niedrigen Temperaturen schnell auf. Außerdem schützt die umgebende Glasscheibe vor Fahrtwind, ohne etwas von der Aussicht zu nehmen.

Zu den Sehenswürdigkeiten werden über Lautsprecher Erläuterungen auf Deutsch eingespielt, die man sehr gut verstehen konnte. Sie waren nicht zu ausführlich, aber dennoch informativ. Außerdem wurden die Erklärungen wirklich punktgenau eingespielt, sodass man die entsprechenden Gebäude auch gut erkannte.

On-Off-Hopping möglich

Sehr praktisch ist die Möglichkeit, dass man an bestimmten Haltepunkten der Rundfahrten einfach aus- und wieder einsteigen kann. Gerade so, wie man lustig ist. Die Haltestellen werden über den Lautsprecher mit dem Hinweis “nächster Halt” angekündigt, sind aber auch auf dem Routenplan ersichtlich.

So kann man beispielsweise am Marienplatz aussteigen, über den Viktualienmarkt bummeln und mit dem nächsten oder übernächsten Bus die Rundfahrt fortsetzen.

Wer also München an einem Tag besichtigen möchte, spart sich so schon mal ein Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel (das immerhin auch 6 Euro kostet).

Fazit: Eine Sightseeing-Tour lohnt sich. Auch für Einheimische!

Unser Fazit der Stadtrundfahrt hat uns selbst ein wenig überrascht. Auch als Münchner kann man hier noch jede Menge interessante Fakten abgreifen, noch dazu macht die Rundfahrt in luftiger Höhe einfach tierisch Spaß.

Tipp: Wer die Stadtrundfahrt unter der Woche außerhalb der Hauptsaison macht, ist auf dem Oberdeck fast allein. Dazu ein Cappuchino und ein leckerer Snack – und schon hat man einen super Nachmittag verbracht!