Showdown im Spielzeugladen

Letzte Woche packte ich HerrnSjardinski und den Rabaukowitsch ins Auto und fuhr ins nächstgelegene Einkaufszentrum. Wir mussten noch “schnell” ein Geburtstagsgeschenk für eine Kindergartenfreundin besorgen. Im Einkaufsparadies angekommen, steuerte ich mit Kleinkind im Buggy und dem feinen Herrn an der Hand zielstrebig den Spielwarenladen an.

Wir schauten uns ein bisschen um und ich erklärte, dass wir einen Gutschein und ein paar Kleinigkeiten brauchen. Schnell hatte HerrSjardinski einen schönen Stift und Haarspangen für seine Freundin gefunden. Und dann machte ich einen mega großen Fehler. Kennt ihr diese Momente, wo man etwas irre Dämliches macht und sich gleichzeitig dabei selbst beobachtete und nur den Kopf schütteln muss? Das war so eine Situation. Ich sagte doch tatsächlich: “Wir können ja noch mal beim Lego schauen.”

Helden des Kinderzimmers: Lego Ninjago

Helden des Kinderzimmers: Lego Ninjago

BÄM. Es war raus. In gleichen Moment dachte ich “Neeeein, warum hast du das gesagt? Du bescheuerte Amateurin.” Den Rabauken vor mich her schiebend, folgte ich dem großen Bruder, der auf das Ninjago-Lego zusteuerte. Und schon gings los. “Mama, darf ich mir was aussuchen.” War klar, oder? Innerlich fing ich schon an zu weinen. Ich verneinte und erklärte, dass es nicht mal eben Lego zwischendurch gibt. Dass das alles teuer ist. Dass er kein Taschengeld mehr übrigen habe, um es selbst zu kaufen. Und dass wir ja Fotos von den Sachen machen könnten, die er haben will. Denn in noch “35-Mal-Schlafen” habe er ja selbst Geburtstag. Da kann er sich dann alles wünschen.

Ich redete mir den Mund fusselig. Es half nichts. Is auch klar, oder? “Ich will aber JETZT etwas HABEN. Das dauert mir zu LANG! Das ist UNFAIR.” Langsam wurde der Rabauke in seinem Wagen unruhig. Diskussion half also nicht. Plan B: Flucht. “Also ich geh dann mal bezahlen”, drehte mich um und steuerte Richtung Kasse. Dummerweise musste ich ab dann einen weinenden 4-Jährigen durch den Laden ziehen, der schreiend wie ein Klotz an meinem Bein hing. Schön. NICHT! Aber ich hatte es ja so gewollt. Ich rechnete meine Chancen aus, ob ich den Weg bis zum Auto auf diese Weise schaffen würde. Ufff! Zu weit, zu anstrengend und den Buggy hatte ich ja auch noch. Plan C musste her: Ablenkungsmanöver!

“Schau mal, du kannst dir hier noch eine Lego-Minifigur (die kosten 3 Euro) aussuchen, wenn du JETZT aufhörst, so ein Theater zu machen.” Deal. HerrSajrdsinki war wieder friedlich, schniefte noch etwas und suchte sich dann ein Beutelchen aus. Ich bezahlte das Lego-Tütchen, unsere Kleinigkeiten und den Gutschein. “Mama, ich mag aber ZWEI Figuren haben.” WTF? Dieser gierige undankbare Konsumgeier! Wann zur Hölle habe ich dieses Monster erschaffen? Die Antwort folgt sofort: “Das LETZTE MAL durfte ich ZWEI Figuren haben. Das ist UNFAIR!”

Wir standen immer noch an der Kasse, wohl bemerkt. Im Blickfeld der Kassiererin, die diese Situationen wahrscheinlich so drölfzig Mal am Tag erlebt. Sie war nämlich unglaublich taff und ich bin ihr mega dankbar, dass sie nicht total genervt die Augen verdrehte. Nein, sie unterstützte mich sogar in den folgenden Minuten. “Das letzte Mal hast du auch nicht so ein Theater gemacht. Es gibt heue nur EINS.” HerrSjardniski blieb stur und ließ nun dicke Tränen kullern und protestierte lautstark: “Ich will ZWEI!!! Bitte! Ich will JETZT zwei!” Plan D: Drohen.

Ich hasse es zu drohen, aber manchmal geht es einfach. Ich weiß nicht, wie Jesper Juul und Co. sich das immer so schön vorstellen. Kommunizieren auf Augenhöhe, erklären aus der eigenen Perspektive, Grenzen ziehen – alles schön und gut. Aber mit einem heulenden Kind im Spielzeugladen und einem Haufen Publikum? Was macht man da?

“So NICHT! Wenn du jetzt nicht aufhörst, gebe ich die bezahlte Figur auch gleich zurück und dann gibt es KEINE!” HerrSajrdniski schaut mich trotzig an und steuerte mit zwei Päckchen Richtung Ausgang. “Und wenn du JETZT gehst, bist du ein DIEB. Ich habe nur eins bezahlt.” Dann schaltete sich die Verkäuferin ein und forderte das unbezahlte Päckchen zurück. Ein Dieb sein wollte der feine Herr natürlich nicht, denn Diebe sind ja die Bösen. Und die Bösen mag keiner, dass weiß auch ein feiner Herr. Unter Tränen gab er Tüte Nummer zwei zurück.

Mittlerweile war der Rabauke übrigens total knatschig. Sei es durch das Geweine und die Diskussion mit seinem Bruder oder weil er nicht mehr unbeteiligt daneben sitzen wollte. Lautstark schrie er seinen Zorn über die Situation heraus – die komplette Heimfahrt übrigens. Während aus dem kleinen gierigen Monster in dem Moment des Verlassens des Einkaufszentrums wieder ein HerrSjardinski wurde. Ein bisschen wie bei Dr. Jekyll und Mr Hyde. Und ES konnte auch wieder ganz normal und tränenfrei reden. Faszinierend diese Metamorphose.

So einen Ausflug in den Spielzeugladen wird es sicherlich erstmal nicht mehr geben. Geschrieben mit einer Hand voll grauer Haaren mehr.

Habt ihr manchmal auch so gierige undankbare Monster?



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