Shawn Holt and The Teardrops - Daddy Told Me

Shawn Holt and The Teardrops - Daddy Told Me

Man sagt den mittelständischen Unternehmen nach, Rückgrat des wirtschaftlichen Erfolgs eines Landes zu sein. Sie zeichnen sich oft dadurch aus, daß sie in Familienhand sind und weitergegeben werden. Vielleicht ist das ja beim Blues ähnlich. Da liegt eine pressfrische CD von Shawn Holt and The Teardrops auf meinem Tisch. Der Name kommt mir bekannt vor. Klar, Shawn ist der Sohn des in diesem Jahr viel zu früh verstorbenen Morris Holt, uns besser bekannt als Magic Slim. Slim war er ja schon lange nicht mehr der Zwei-Meter-Mann aber Magic hatte er ohne Ende. Sein Gitarrenspiel, knackig, trocken und rockig und seine mächtige Stimme standen für ehrlichen unprätentiösen Chicago Blues.
Da tritt der Sohn in große Fußstapfen die es zu füllen gilt. Die Teardrops hat er übernommen (s.o. Mittelstand). Allerdings ist nur Brian "B.J." Jones an den Drums von der letzten Besetzung übrig geblieben. Chris Biedron am Bass und Levi William an der Gitarre sind Neuzugänge.
Shawn Holt tritt also an um zu zeigen, was sein Vater ihm sagte. Auf jeden Fall hat er viel über den Chicago Blues vom Vater gehört und gelernt. Ganz klar, hier steht einer, der nicht kopiert und nicht vom großen Namen seines Vaters leben muß, sondern überzeugend und eigenständig in der Tradition des Blues aus der Windy City bestehen kann.
Es macht richtig Spaß, der Band zuzuhören. Die Bandbreite der Stücke ist groß. Ruhige Nummern wechseln mit Up Tempo Stücken. Da erkennt man Bo Diddley aber auch Smokin‘ Joe Kubek wieder aber auch Magic Slim. "Before you accuse me" ist eines meiner Lieblingsstücke von Morris Holt. Hier zeigt sich exemplarisch, das sich Shawn nahe am Original bewegt, mit seiner vollen eher sanften Stimme und seiner weniger schneidenden Gitarre dem Stück aber eine eigene Anmutung zu geben vermag.
Auf der CD sind sowohl gelungene Eigenkompositionen von Shawn Holt als auch Standards wie "Fannie Mae" und wenige ausgesuchte Magic Slim Stücke wie "Please don’t dog me" vertreten.
Üblicherweise geben sich die großen Namen bei der Einführung eines Youngsters in die Szene auf dem Debutalbum die Klinke in die Hand. Shawn Holt erhält "nur" Unterstützung vom großen John Primer, der ihn dezent und zurückhaltend mit Gesang und Gitarre unterstützt – toll gemacht!
Offensichtlich ist Blind Pig so sehr von Shawn Holt überzeugt, daß man meinte, sich mit dem beiliegenden Booklet keine Mühe geben zu müssen. Von vier verfügbaren Seiten sind drei mit Photos gefüllt, die vierte Seite gibt zumindest Aufschluß über die Titel und Mitwirkenden – das ist zu sophisticated!
Bei der Produktion wurde aber nicht gespart. Shawn Holt legt hier ein Album vor, das mehr als ein Debutalbum ist – der Mann kann die Familienfirma ganz klar erfolgreich weiterführen, das Zeug dazu hat er! (Blind Pig)

  • Tags: 2013, Blind Pig Records, Blues, Gitarre, Shawn Holt & The Teardrops

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