Serienstapel: Shameless (Spoilerfrei)

Das war es also. Die vielleicht letzte wirklich große Serie für mich, die mich wirklich über sehr viele Jahre durchgehend unterhalten hat, ist vorbei. Ich muss gestehen, was SHAMELESS angeht, fehlten mir tatsächlich komplett die Ideen, wie man diese Serie beenden will. Normalerweise weiß ich im Voraus schon so ein wenig wo die Reise hingehen wird und habe eine gewisse Vorstellung davon, wie das vermutlich umgesetzt werden wird. Und in den meisten Fällen liege ich gar nicht mal so weit daneben. Hey, selbst bei GAME OF THRONES trafen ein paar Vorstellungen meinerseits zum Schluss ein. Auch wenn ich natürlich nicht wissen konnte, dass die Schreiber den Weg dorthin komplett verkacken und im Ende selbst dann teilweise die Charaktere komplett auf links drehen, weil sie unfähige Idioten sind, die nicht wissen, wie man eine Geschichte mit den Charakteren beendet, die man seit Jahren geschrieben hat.

Die Autoren von diesem Drama sind eindeutig fähiger, sind aber auch nicht fehlerfrei. Die wissen zwar, was sie für Charaktere haben, nur, wie führt man diese Charaktere zu einem Abschluss, der einer Serie wie dieser gerecht wird? Denn seien wir mal ehrlich: SHAMELESS ist keine klassische Serie, die einen Handlungsbogen verfolgt, den zum Abschluss bringt und am Ende sitzen alle fröhlich zusammen und es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen. Nein, SHAMELESS haut dir den Eierkuchen in die Fresse. Und deshalb fehlte mir auch einfach komplett die Phantasie, wie dieser Eierkuchen hier aussehen könnte.

Das hat allerdings vielleicht auch einen Grund, der auf dem Writing der Serie beruht, denn in dieser Serie war es selten so, dass Geschichten so richtig auf die nächste Staffel übergriffen. Klar, die Charaktere haben ihr Leben und das geht halt von Staffel zu Staffel weiter mit ihren Beziehungen und Problemen und allem was dazugehört. Aber Handlungsstränge waren meistens immer auf eine Staffel ausgelegt und dann wurden mit Saisonstart die Karten neu gemischt. Es war also kaum möglich zu wissen, wo die Reise für die Gallaghers hingehen wird.

Diese Vorgehensweise barg schon immer Probleme: Manche Handlungsstränge hatten keine Zeit, sich richtig zu entfalten. Kaum ist eine Story gestartet, ist sie auch schon wieder vorbei, weil die handelnden Personen mit der nächsten Sache beschäftigt sind. Das ist auch hier nicht anders. Manches wirkt einfach gehetzt und teilweise auch nur wie Lückenfüller, damit jeder was zu tun hat. Selbst in der letzten Folge lässt man davon nicht ab, aber gut, Debbie stolperte schon immer mehr durch die Handlungen, als wirklich irgendwie interessant zu werden und ist eindeutig der schwächste Charakter hier. In diesem Fall wird es aber einfach nur absolut unglaubwürdig um sie herum. Das ist auch leider kein Einzelfall. Vor allem die erste Hälfte der Staffel hat da so ein paar Dinger dabei, die weder so recht zu den Charakteren passen, noch wirklich unterhaltsam sind. In der zweiten Hälfte liegt der Fokus dann besser über allem. Insgesamt ziehen sich aber so ein paar Sachen durch die Staffel (und eben auch die Serie selbst), die einfach sehr gewollt und erzwungen wirken. Da muss manchmal einfach mit dem Holzhammer die Story durchgedroschen werden, damit die Schreiber dahin kommen, wo sie unbedingt hin wollen. Andere Dinge hingegen werden ein wenig angeteast, um sich dann langsam zu entfalten und im großen Knall zu enden. Das sind dann allerdings die Strukturen, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass man mal über die Staffeln hinweg plant, um manche Dinge auch schon mal in den vorherigen Seasons einzuleiten. Dann würde das nicht immer so schnell reingeballert wirken. Aber gut, das macht die Serie eben auch aus. Wie ein Betrunkener stolpert die Serie und mit ihr die darin auftretenden Figuren von einer Situation in die nächste und man weiß nie so genau, was wohl als nächstes passieren wird.

Ohne groß auf die einzelnen Handlungsstränge einzugehen, kann ich sagen, dass wieder einiges los ist in der South Side von Chicago. Einbruch, Diebstahl, Zerstörung, Alkohol- und Drogenmissbrauch stehen wie immer an der Tagesordnung. Die Gallaghers, die Milkowiches und die Balls erleben noch mal einige absurde oder in unserer Gesellschaft vielleicht auch einfach völlig normale Wahnsinnigkeiten und ich werde sie allesamt vermissen. Es dürfte sehr schwierig werden, eine Serie zu finden, die diese Lücke bei mir schließen wird. SHAMELESS war nicht einfach nur ein Drama. SHAMELESS war dramatisch, schamlos, offen, divers, abgefuckt, lustig, gesellschaftskritisch und immer irgendwie am Puls der Zeit, ohne dabei zu wirken, als müsste man das jetzt machen, weil es alle anderen auch tun. Denn SHAMELESS hat all das schon getan, bevor alle anderen überhaupt auf die Idee kamen. Kein Zwang. Kein allen gefallen wollen. Einfach nur das Leben zeigen, wie es ist. Eben absolut schamlos und abgefuckt, aber meistens unterhaltsam.

Und das wars hier auch von mir. WordPress kann sich mal ins Knie ficken, um es mit schamlosen Worten zu sagen. Mit ihrem verfickten Rumgedoktor haben sie es geschafft, dass ich keinen Spaß mehr an der ganzen Sache hier habe, weil nichts funktioniert. Der Filmschrottplatz wird hier also geschlossen. Vielleicht geht es in Zukunft an anderer Stelle weiter. Man wird sehen. See you around ….


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