Serap Cilelis Rede bei der Mahnwache zum Gedenken an Arzu Özmen

Serap Cilelis Rede bei der Mahnwache zum Gedenken an Arzu Özmen (30. April 2012)
Sind emanzipierte Frauen der Schlüssel für  Integration?

von Serap Cileli
Am 13. Januar wurde in der Nähe eines Golfplatzes in Schleswig-Holstein die Leiche der 18-jährigen Arzu Özmen gefunden.
Der Lebensstil der jungen Jesidin war für die Familie zu westlich, zu freizügig.
Sie hatte sich gegen die Ehre der Familie versündigt. Sie wurde zum Opfer eines „Ehrenmordes“.
Familie Özmen konnte Arzus selbstbestimmtes Leben nicht tolerieren.
Denn aus der Überzeugung der Familie Özmen musste Arzu vor den "Fallen der fremden Kultur und des unmoralischen Lebenswandels“ geschützt werden.
Die Entscheidung fiel: „Eine tote Tochter ist die geringere Schande!“
In der Presse wird Familie Özmen als wünschenswertes Musterbeispiel für Integration dargestellt:
Die Kinder sind in Deutschland geboren, aufgewachsen und sozialisiert.
Alle haben deutsche Pässe, sind in deutschen Vereinen aktiv und in der Schule gut integriert.
Sie wirken wie die freundlichen Nachbarn von nebenan, hilfsbereit und freundlich.
Besonders die 27-jährige Sirin Özmen, die älteste Tochter, galt als eine junge Migrantin, die kulturell und strukturell gut integriert ist.
Sirin Özmen, die bei der Bürgerberatung der Stadt Detmold beschäftigt war, lernte ich im März 2004 in der Volkshochschule Detmold kennen.
Damals wurde ich nach Detmold eingeladen um über die Menschenrechtsverletzungen wie „Zwangsehen und Frauenmorde“ zu referieren.
Auch Sirin half bei der Organisation der Veranstaltung, war bei dem Lesungsabend anwesend und verurteilte die „Zwangsehen und Ehrenmorde“  auf das Schärfste.
Die angeblich „emanzipierte“ Sirin Özmen wurde, bis  zum 1. November vergangenen Jahres, in Detmold wie ein Integrationserfolg gefeiert und geschätzt.

Presseberichten zufolge soll jedoch Sirin Özmen die treibende Kraft gewesen sein, die alles versuchte, um ihre Schwester zu finden.

Die auf keinen Fall eine freiere Einstellung zu Sexualität und Partnerschaft  ihrer jüngeren Schwester tolerierte und sie an ihre eigenen Wurzeln erinnerte.

»Komm zur Vernunft, du bist Jesidin!«, schrieb sie in einer ihrer E-Mails an Arzu. (WESTFALEN-BLATT, 26. April 2012)

Sirin war sehr traditionell orientiert und denkfest von archaischen Werten und Normen, der yezidischen Glaubensgemeinschaft.

Sie wusste, wer gegen die yezidischen Heiratsregeln verstößt, wird aus der yezidischen Gemeinschaft ausgeschlossen.

Die patriarchal geprägte Geschlechtsrollenidentität, hat sie schon als Kind verinnerlicht und tritt immer wieder in der Rolle als Hüterin von Tradition und Moral auf.

Dieses Lebensmuster birgt Gewalt legitimierende Männlichkeitsnormen.

Hier gibt es keine Aufklärung, kein Individuum!
Die individuellen Rechte und Freiheiten dieser Frauen sind null und nichtig, sobald sie dem Gemeinwohl, der über allem stehenden patriarchalischen Bande entgegenstehen und diese schwächen.
Bei deutschen Politikern ist die Integration von Migranten allerdings schon gelungen, sobald sie einen deutschen Pass haben, gute Bildung vorweisen oder der deutschen Sprache mächtig sind.

Doch Familie Özmen hat uns eines Besseren belehrt.

Wer nach innen nicht integrieren kann, kann dies auch nicht nach außen.

Integration erfordert einen tief greifenden  Mentalitätswechsel, erfordert eine geistige Öffnung und freiwillige Integrationsanstrengungen seitens Migranten. 

Die Entführung und Ermordung der 18-jährigen Jesidin Arzu Özmen zeigt  uns wieder einmal deutlich, dass die Politik und Gesellschaft das Thema „Integration“ neu überdenken müssen.

Die 18-jährige Arzu Özmen bezahlte ihre Liebe mit dem Leben
Aus diesem Grund muss der Kampf um die Befreiung dieser Frauen konsequent geführt werden.


Verehrte Gäste, stehen sie all den Musliminnen, Yezidinnen und Kurdinnen zur Seite, die ihre Rechte verteidigen, die sich von den Fesseln ihrer Familien sowie religiös motivierter und traditionell legitimierter Gewalt befreien wollen, jedoch deswegen kriminalisiert, ausgestoßen oder sogar ermordet werden.
Von einer gelungenen Integration kann erst dann gesprochen werden, wenn auch diese  Frauen und Mädchen - in unserer zivilisierten Gesellschaft - selbstbestimmt und gleichberechtigt leben können.

Dieses Ziel ist eine besondere Herausforderung für jede Person und für die Gesamtheit der Gesellschaft.

Es gilt, von überkommenen patriarchalischen Strukturen Abschied zu nehmen, damit „Ehrenmorde“ verhindert werden.

Schauen Sie hin!
Übernehmen Sie Verantwortung!
Bleiben Sie kritisch!

 


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