Seltenes Phänomen

Von Beautifulvenditti

Es gibt kosmische Ereignisse, die von solcher Seltenheit sind, dass die Menschheit einen Moment lang ergriffen den Atem anhält, wenn sie auftreten. Ein solches Schauspiel ereignete sich heute, an diesem ganz gewöhnlichen – wenn auch für die Jahreszeit etwas kühlen – Mittwochvormittag. Obschon das Ereignis bereits am Sonntag seine Schatten vorausgeworfen hat, haben es die Medien leider versäumt, die Weltöffentlichkeit rechtzeitig vorzuwarnen, so dass ich die einzige Augenzeugin der wunderbaren Vorgänge blieb, weshalb es nun meine Aufgabe ist, der Nachwelt davon zu berichten. 

Im Kellergeschoss eines bestimmten Hauses im solothurnischen Schönenwerd herrschte heute zwischen 08:56 und 11:23 eine totale Wäschebergfinsternis. Dieses höchst seltene Phänomen tritt an Orten auf, wo sich üblicherweise ein Wäscheberg erhebt, der sich in seinem Zu- und Abnehmen nur insofern vom Mond unterscheidet, als seine Phasen einem weniger starren Muster folgen. Ähnlich wie beim Mond kommt es auch beim Wäscheberg hin und wieder zu einer totalen Finsternis, allerdings weit seltener. Eine Wäschebergfinsternis zeichnet sich aus durch eine totale Abwesenheit von Schmutzwäsche an dem Ort, an dem sich üblicherweise der Berg erhebt. Diese Finsternis ist so total, dass sich sogar unter Zuhilfenahme der modernsten Messgeräte keine Spur des Gebirges mehr nachweisen lässt. 

Der Anblick dieses Schauspiels ist so erhebend, dass Menschen, die das Privileg haben, ihm beizuwohnen, von unbeschreiblichen Glücksgefühlen erfüllt werden. Manche geraten darob gar in Ekstase und versteigen sich in den Wahn, das ganze Universum sei ein für alle Mal befreit von Schmutzwäsche. Dies hat sich bisher leider stets als Irrtum erwiesen und auch im Kellergeschoss des besagten Hauses deuteten kurz vor Mittag erste Anzeichen auf eine erneute Wäschebergzunahme hin.

Das Glücksgefühl, das ich als einzige Zeugin dieses kosmischen Phänomens empfunden habe, wirkt allerdings noch immer nach, so dass ich derzeit der festen Überzeugung bin, durch eine Haushaltführung, die sich streng nach den Wäschebergphasen richtet, liesse sich ein übermässiges Anwachsen des Gebirges verhindern.