Selbstgespräch nach dem Familienurlaub

Samstagnachmittag, Viertel nach fünf. Nach einem gemütlichen Stadtbummel durch Bern, mit dem Mama Venditti, das Au Pair und das Prinzchen die Ferien abgeschlossen haben, fährt Mama Venditti jetzt mit Prinzchen und Gepäck im Auto nach Hause, während der Rest der Horde den Zug nimmt. Wie so oft, wenn die Familie verreist ist, fragt Mama Venditti sich, ob sich der Aufwand denn gelohnt hat für das kleine bisschen an Erholung, das dann doch durch den ganz gewöhnlichen Familienalltag, der auch in den Ferien nicht einfach Halt macht, aufgefressen wird.

„War das mal wieder anstrengend“, seufzt eine genervte Mama Venditti, während sie sich zum hundertsten Mal auf dieser Fahrt überlegt, ob sie vielleicht doch noch eine WC-Pause einlegen soll. „Die ganze Packerei, dann die Wohnung, die immer dreckig war, so dass man fast noch mehr putzen musste als zu Hause, all die Museen, die geschlossen waren und obendrein noch dieser doofe Noro-Virus. Das Geld hätten wir uns besser gespart für einen richtig erholsamen Urlaub im Hotel. Von Erholung gab’s diesmal ja keine Spur.“

„Jetzt sei doch nicht so negativ“, widerspricht Mama Venditti, die Genügsame. „Es war doch einfach wunderbar: Das Wetter, die Landschaft, die netten Leute, die glücklichen Kinder, die Sehenswürdigkeiten, der Tag mit Luise…“

„Der Tag mit Luise?“, fragt die Genervte spöttisch. „Das war doch nur Stress. Du glaubst doch nicht, dass es dem Kind Spass gemacht hat, bloss wegen dieses Arzttermins nach Hause und wieder zurück zu fahren?“

„Aber natürlich hat es ihr Spass gemacht. Und mir auch“, wehrt die Genügsame ab. „Wir haben uns bestens unterhalten, haben zusammen gegessen, sind durchs Einkaufszentrum gebummelt…“

„Na gut, wenn man den Tag durch die rosarote Brille betrachtet, sah er vielleicht so aus. Aber du weisst so gut wie ich, dass das Essen schrecklich war, dass Luise lieber schwimmen gegangen wäre, anstatt fast den ganzen Tag im Auto zu sitzen und am Ende hat sich ‘Meiner’ noch Sorgen gemacht, weil die Fahrt viel länger als geplant gedauert hat. So aufgelöst habe ich den Mann schon lange nicht mehr gesehen.“

„Okay, ich geb’s ja zu, der Tag war nicht perfekt, schön aber trotzdem. Und es gab ja noch so viele andere Dinge, die perfekt waren in dieser Woche: Die Kinder haben sich auswärts mustergültig aufgeführt, sie konnten in der Natur herumtoben, wir haben gesehen, wie man Käse macht und dann haben wir bei diesem Wissensquiz auf dem iPad auch noch wahnsinnig viele Punkte gemacht.“

„Aber den Grund, warum wir uns die kostbaren Ferientage mit einem Wissensquiz haben totschlagen müssen, den hast du mal wieder verdrängt. Denk doch mal nach, wie wir überhaupt auf die Idee gekommen sind, das doofe Spiel zu spielen.“

„Hmmm… der Grund? Der fällt mir jetzt gerade nicht mehr ein. Aber findest du es nicht grossartig, dass wir jetzt wissen, dass Nicolas Frantz 1927 und 1928 die Tour de France gewonnen hat und dass Nelson Mandel in Mvezo geboren worden ist und dass Joseph Bramah die Hydraulische Presse erfunden hat?“

„Offen gestanden finde ich das alles andere als grossartig und ich erinnere dich gerne daran, dass wir dieses doofe Spiel nur deshalb stundenlang gespielt haben, weil wir zu schwach waren, irgend etwas anderes zu tun und glaub nur ja nicht, dass ich es toll finde, dass wir unseren Kopf mit unsinnigem Wissen füllten, während der Rest der Familie sich in der Schokoladenfabrik amüsierte. Und dieser elende Dreck vor der Haustüre hätte mir auch gestohlen bleiben können und den doofen Hund, der uns heute vor der Abfahrt den Abfallsack durchwühlte, hätte ich auf den Mond schiessen mögen und dann dieser elende Drängler, der nun schon seit fünf Minuten hinter uns herfährt und doch nicht den Mumm hat, uns zu überholen und dann der Wäscheberg, der zu Hause auf uns wartet und die Osterhasen für die Kinder habe ich auch noch nicht besorgt und …“

„Jetzt krieg dich mal wieder ein“, unterbricht die Genügsame den Redeschwall der Genervten. „Klar wären mehr Ausflüge, weniger Viren und viel mehr Erholung besser gewesen. Aber immerhin konnten wir wegfahren. Denn wenn wir zu Hause geblieben wären, dann wäre die freie Zeit bloss wieder von unerledigter Arbeit aufgefressen worden. Und immerhin was dies betrifft, waren diese Ferien ein voller Erfolg. Wann haben wir uns zum letzen Mal so wenig um die Arbeit gekümmert wie in den vergangenen Tagen?“

„Himmel, die Arbeit! Die habe ich ja vollkommen vergessen!“, schreit die Genervte entsetzt. „Ob wir heute Abend, wenn alles ausgepackt ist, noch schnell ins Büro gehen sollen, um nachzusehen, was am Montag alles erledigt werden muss…“

Selbstgespräch nach dem Familienurlaub



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