"Scythe - Das Vermächtnis der Ältesten", das große Finale einer packenden Trilogie

(ISBN: 978-3-7373-5508-7 // Übersetzer*innen: Kristian Lutze, Pauline Kurbasik, Andreas Helweg)

Den dritten Teil einer bisher sehr guten Trilogie zu schreiben, hat sich in der Vergangenheit bereits für viele Autor*innen als knifflige Angelegenheit herausgestellt. Selbst ein kleines Genie wie Neal Shusterman kann da mal ins Wanken geraten, was uns Scythe - Das Vermächtnis der Ältesten bestätigt. Dabei ist dieses lang ersehnte Finale keineswegs schlecht, nur macht es leider wieder die Fehler, die mich bereits im ersten Band störten (zu viel Liebesgedöns und zu simple Sprache, die mich nie daran zweifeln ließ, dass ich es mit einem Jugendbuch zu tun hatte) und fokussiert sich sehr stark auf die Perspektive der extremistischen Religionsanhänger*innen sowie deren Propheten. Der Roman wurde im Original nicht umsonst The Toll genannt, denn genau den bekommen wir zur Genüge.
Selbstverständlich verschaffen uns auch unsere alten Protagonist*innen Citra und Rowan die Ehre, die aber zu Randfiguren verblassen, welche zwar die Geschichte schlussendlich abrunden sollen, dafür aber nicht mehr viel zur Handlung beitragen. Auch der Thunderhead, der den zweiten Teil zum besten der ganzen Reihe machen sollte, verlor an Lautstärke und Kraft, was mir sehr missfiel. Der Autor ging für mich damit einen weiten Schritt zurück und konnte mich vor allem mit der langgezogenen Mitte seines Buches nicht mehr so packen, wie er es noch bei den beiden Vorgängern schaffte. Seine Ideen waren dabei keinesfalls schlecht, nur lasen sie sich wie Wiederholungen aus den ersten zwei Bänden und brachten somit nur wenig Neues. 
Trotz all dieser Kritik muss ich zugeben, dass sich die Auflösung seiner Geschichte richtig und gut durchdacht anfühlte. Mal all die geschwächten Charaktere dahingestellt: Neal Shusterman hat eine dystopische Welt erschaffen, die ich gerne weiterempfehle. Sie beschäftigt sich mit Fragen, die wir uns auch heute bereits stellen können: Was geschieht mit unserem Leben, wenn es zu 100% von einer nahezu perfekten KI bestimmt wird? Was werden wir tun, wenn unserem Planeten die Überbevölkerung droht? Wer wird darüber entscheiden dürfen, wer leben darf und wer sterben muss? Der Autor übernimmt dabei sowohl die Perspektiven der normalen Menschen, der Richter*innen und der KI und lässt uns keinen Moment an deren Glaubhaftigkeit zweifeln. Auch wenn es sich bei Scythe "nur" um eine Jugendbuchreihe handelt, hält die Trilogie viele ethische Fragestellungen und Gedanken bereit, die sich ebenso Erwachsene stellen können.

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