"Scream Week": Party hard auf Holländisch

Küsschen oder eher nicht so? Muss jeder für sich selbst entscheiden. Jetzt im Heimkino!

Liebe Leute, heute müssen wir über Kopien reden. Und darüber, was davon zu halten ist. Der niederländische Streifen "Scream Week" schreit nämlich nur so, als waschechte Kopie einmal kräftig verrissen zu werden. Verdient hätte es der Film von Martijn Heijne allemal. Er ahmt nämlich nicht nur ganz unscheinbar bekannte Vertreter wie "Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast" nach. Ein dunkles Ereignis in der Vergangenheit, eine Zeit später, Urlaub, einsames Haus mitten im Nichts, seltsame Ereignisse, Tote. Und alles beginnt mit einem Vergleich des besten Stücks.
Die Freunde Boris (Jord Knotter), Thijs (Jelle de Jong), Merel (Carolien Spoor), Lisa (Holly Mae Brood), Kim (viel Spaß beim Buchstabieren: Yootha Wong-Loi-Sing) und Peter (Jonas De Vuyst) haben ihr Diplom in der Tasche. Das muss gefeiert werden. Party hard in Friesland - denken sie sich. Und fahren zur so genannten Sneekweek ins Städtchen Sneek. Spring Break auf Holländisch. Der Wassersport wird genauso wie der Bett- und Trinksport zelebriert. Ein nettes Häuschen am Gewässer haben sie abgestaubt. Tagsüber und nachts wird gefeiert. Und irgendwann auch gestorben. Ein Mann mit einer Maske treibt sein Unwesen, behauptet Merel. Die lügt doch, komm' runter, sagen ihre restlichen Kumpanen erst. Doch nach und nach stellt sich heraus: Das viel zu gute Haus, wer hat das eigentlich wirklich für sie gebucht - und irgendwas stimmt hier aber mal so überhaupt nicht. Kein Wunder: Die sechs Spaßgesellen haben alle was zu verbergen. Sie eint ein Ereignis von vor einiger Zeit...

Ice, Ice, Baby!


Vor einiger Zeit waren sie die beliebteste Studentenbutze Hollands. Was macht man da? Richtig: Man veranstaltet ein Casting. Wie das funktioniert? So: Man nehme sich ein paar Männer, lässt sie (fast) nackt in einen Pool plumpsen und dort wird dann mit ihnen so mancher Schabernack betrieben. Erst dürfen die Frauen der Zunft mal kräftig unter die Badehose gaffen und schauen, was Mann so zu bieten hat. Die mit dem kleinsten fliegen. Davor und danach machen Boris und Thijs einen auf Guantanamo und veranstalten ein kleines Waterboarding. Dabei geht aber Erik drauf. Dumm gelaufen. Was tun unsere Freunde? Ja, natürlich - sie verschweigen es. Sonst könne man ja noch auf die Idee kommen, dass da jemand einen anderen aus Jux und Tollerei ermordet hat. Und Gefängnis? Neee, das will ja niemand. Einige Zeit später gibt's dann die dicke Diplom-Sause und es scheint halt, als wolle irgendjemand sich für das nicht ganz so koschere Ableben von Erik rächen. Ei der Daus!
Regisseur Heijne dachte sich: Was die Amerikaner 1998 konnten, das können wir Niederländer fast 20 Jahre später doch sicher auch. Und herausgekommen ist halt dieser plumpe Abklatsch. Der Ablauf ist natürlich vorprogrammiert: Aus den anfangs nur im Dunkeln vor sich hin wippenden Schaukeln wird bald tödlicher Ernst. Der Tod gibt sich die Klinke in die Hand. Könnte durchaus Spannung bereiten. Wenn man dieses Szenario mit dem einsamen Haus, dem dunklen Geheimnis, der späten Rache und allem anderen, was halt dazu gehört, nicht schon einmal so oder so ähnlich gesehen hat. Und Leute, ein dunkler unbekannter Masken-Mörder - wie sagen die coolen Kids immer: Seriously?!

"Ist die tot?"


Nein, das Rad erfindet der Holländer hier ganz sicher nicht neu. Überzeugt wenigstens irgendwas anderes? Na ja, auch nicht so wirklich. Zum einen sind da die Protagonisten, die fast alle chronisch unsympathisch sind. Wenn da jemand von denen stirbt? Puuh. Empathie entwickelt man da für gar keinen. Nichtmal im Ansatz. Figuren sind also schonmal bescheiden bis beschissen. Die Darsteller sind halt so, wie sie immer sind in solchen Filmen: Nicht erwähnenswert. Und weil es ein niederländischer Streifen ist und das ja bekanntlich (mit) die Heimat von elektronischer Tanzbein-Mukke ist, plärrt anfangs Armin van Buuren im Hintergrund, ansonsten gibt's wilde Sausen in Discos und immerfort - Techno-Beats. Zwischendurch mit Mr. Probz oder Eva Simons. Am Wochenende ganz cool, mit dreizehn Bier intus versteht sich, in diesem Fall jedoch nicht so und irgendwann vollkommen nervig. Das will irgendwie eine wilde Party-Stimmung aufkommen lassen, dem Film irgendwie jugendlichen flotten Charme anhaften, der aber nie zur Entfaltung kommt. Buuuh. Ach ja: Dass sich die Herren und Frauen ständig Pillen und Alkohol in Massen reinschieben, ist vermutlich müßig zu erwähnen.

Fazit


Wie dem auch sei. Holland bleibt Holland. Kopie bleibt Kopie. Und Armin van Buuren mag ich trotzdem noch. Und ein Film, der allen Ernstes damit beginnt, wie man Genitalien vergleicht - das ist ganz und gar nicht so geil. Dann doch lieber die Bravo-Fotolovestory. Da wird wenigstens nicht mit Maske gestorben. Sondern es gibt noch echte Liebe. Oder so.
BEWERTUNG: 1,5/10Titel: Scream WeekFSK: ab 16 freigegebenLaufzeit: 108 MinutenGenre: ThrillerErscheinungsjahr: 2016Regisseur: Martijn HeijneDarsteller: u.a. Carolien Spoor, Jelle De Jong, Jord Knotter
Fotos: WVG Medien

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