Schwarzgelbe Magie

Von Pascalritter89

Die Schlussphase eines Spiels ist ein magischer Moment. Hier kann jeder Treffer das Spiel entscheiden. Der FC Bayern beispielsweise ließ sich innerhalb weniger Minuten gegen Manchester United den Champions League Titel nehmen. Die deutsche Nationalmannschaft eröffnete mit einem Tor in der Nachspielzeit offiziell das Sommermärchen bei der WM 2006 gegen Polen.

Auch für unsere Alemannia werden die letzten Augenblicke des Fußballspiels mehr und mehr magisch, nur steht es mittlerweile 2:1 für die schwarze Magie. Gegen Dynamo raubte uns der Kopfballhammer von Fort zwei Punkte mit dem Schlusspfiff. Letzte Woche lief David Odonkor zum Touchdown und versenkte zur erlösenden Entscheidung. Dieses Wochenende spielten die Fußballgötter wieder Streiche mit uns und ließen Aimen Demai am Punkt versagen.

Unter der Woche schoßen die Mannen von Friedhelm Funkels Ex-Verein den Drittligisten SpVgg Unterhaching aus dem DFB-Pokal. Eine ordentliche Portion Moral für eine enorm wichtige Partie. Dagegen hatten wir nur unsere Frische zu setzen, dem Aus in Karlsruhe sei dank.
Die Mannschaft blieb weitestgehend unverändert, was vor allem für die Viererkette wichtig war. Lediglich im Tor kehrte Boy Waterman zurück und Bas Sibum kam nach abgesessener Gelbsperre wieder im defensiven Mittelfeld zum Einsatz.
Von mehr Frische war aber anfangs nichts zu sehen. Die erste Hälfte war destruktiver Fußball von der Alemannia, Bochum merkte man die Doppelbelastung unter der Woche nicht an. Auch wenn man objektiv sagen muss, dass Bochum kein Feuerwerk abbrannte, aber die Leistung war enttäuschend. Mit Pech hätten mehr Tore fallen können als nur durch Inui in der 39.Minute.

In der zweiten Hälfte war das Spiel plötzlich auch dem Begriff Fußball wert, denn nun agierten auch die Schwarzgelben forsch nach vorne. Ungeahnte Qualitäten im Pressing traten zu Tage, leider wurde aber der höhere Aufwand durch eigenes Unvermögen nicht belohnt. Und die wenigen Torgelegenheiten, die wir uns herausspielten, fischte Andreas Luthe aus der Schussbahn.
Exemplarisch für die Steigerung in Hälfte 2 kann man Bas Sibum nennen. Während er zuerst noch gemächlich trabte, agierte er nun wie ein Spielmacher. Da er aber immer noch spielerisch limitiert scheint, ohne Ergebnisse. Hingegen Aimen Demai, der bis zum Halbzeittee als bester Spieler der letzten 2,5 Spiele zu klassifizieren war, baute enorm ab. Während der Rest der Mannschaft immer stärker wurde, ihr Einsatz spürbar war und man mehr als nur gleichfertig mit dem VfL Bochum spielte, tauchte Demai ab. Als er dann in der Nachspielzeit zum Elfmeter antrat, war der Fehlschuss eigentlich vorgezeichnet. Aber Chapeau Demai, sie haben die Eier gezeigt in dem Moment. Die Eier, die eigentlich der Kapitän zeigen sollte.

0:1 gegen den VfL Bochum. Wieder keine Ausbeute, mit Pech kauern wir ab Sonntag wieder unter der roten Laterne. Ich kann jeden Fan verstehen, der da den Kopf hängen lässt und die Hoffnung verliert. Acht Punkte und sechs Tore in 13 Spielen sind eine Hausmarke in der Historie der 2.Fußballbundesliga. Keine Frage. Doch wenn wir resignieren, wird auch die Mannschaft resignieren. Es werden immer Rückschläge kommen, im Abstiegskampf mehr als oben in der Tabelle. Doch die gilt es wegzustecken.
Kennt ihr Projekt Gold – Eine deutsche Handball-WM ? In dieser Doku sieht man in einer Szene den Vortrag eines Psychologen und den Einfluss fremder Gedanken auf die Leistung. WIR, die Fans, müssen jetzt auch positiv denken. Selbst wenn wir gegen den MSV nächste Woche in Rückstand gehen – scheißegal! Die Mannschaft ist schlecht zusammengestellt und hat spielerische Defizite. Verdammt, das hatten andere Mannschaften auch und haben es geschafft. Weil sie an sich geglaubt haben. Weil die Fans an die Mannschaft geglaubt haben. Es wird dunkel überm Tivoli, aber lasst uns eine Kerze anzünden. Ihr Licht wird uns tragen. Solange wir an die Mannschaft glauben und sie es mit Einsatz, Leidenschaft und Wille zurückzahlt, wird das Licht uns den Weg leuchten und die Finsternis bekämpfen. Sicher würde dann ein Abstieg schmerzen. Es würde uns in finanzielle Schwierigkeiten stürzen. Aber wir würden erhobenen Hauptes abtreten. Lieber kämpfend sterben, als schwächelnd leben. Das mag euch nun sehr romantisiert vorkommen, vielleicht auch naiv. Aber ich glaube daran. Ich möchte glauben. Und ich will, dass auch ihr an unsere Alemannia glaubt.