Schreib mal wieder- Weihnachtspost

20140124-DSC_0266-2Morgen zünden wir das dritte Kerzchen an.  In weniger als zwei Wochen feiern das Fest der Liebe und Versöhnung, fröhnen wir hemmungsloser Schlemmerei, zelebrieren wir puren Genuss, feiern unsere Ferien, sind gechillt, tiefenentspannt und geniessen die Ruhe.

Dezember>>>>> Zeit voller Wärme, Düften, Licht und Traditionen, Wunderbare Tage des Loslassens, der Harmonie und Nostalgie.

Neben Nikolausstiefel putzen, Heimlichtuereien, verschlossenen Türen,Tannenbaum schlagen, Christbaumschmuck zusammensuchen, Punsch trinken, Kekse backen, Adventskalender plündern, knisterndem Feuer und verräterischem Rascheln, gehört das Schreiben von Weihnachtspost zu einem ganz festen Ritual. Eines der wichtigsten Weihnachtsrituale, angesichts der weltweit mehr als 250 Millionen Facebookuser und deren elektronischen XMasPosts, überhaupt. Statt- ‘Like us on Facebook’ sollte jede Werbebotschaft, Nachrichten und Informationssendung, sämtliche Talk- und Unterhaltungsshows sich mit einem: “Schreib mal wieder -Weihnachtspost” enden.

In der Hand eine dampfende Tasse Tee, der bunte Teller voll mit köstlichen Weihnachtsknabbereien, ein Tisch erhellt vom flackernden Kerzenschein, der schnörkelige Federhalter und eine schöne, vielleicht ja auch selbst geschöpfte Weihnachtskarte… Kaum etwas anderes drückt Zuneigung und Freundschaft mehr aus als ein handgeschriebenes Kärtchen.

Ich liebe Weihnachtspost. Schon das Öffnen der Briefe, in denen die wärmenden Botschaften stecken, erfüllt mich mit Vorfreude. Sorgfältig werden die Karten auf dem Kaminsims aufgereiht und jeden Tag mit einem Lächeln bedacht. Zu jedem Absender fallen mir die Geschichten und Abenteuer ein, die wir über das vergangene Jahr gemeinsam erlebten. Viele Sommerbilder steigen dabei hoch, befreites Lachen, Seifenblasen, Licht und Wärme. Sommerwind und weiße Segel kommen mir in den Sinn, weite Strände, barfuss im Sand. Ich erinnere an Schneegestöber und Berge, glänzende Augen, Grübchen im Gesicht, kuschelige Kaminabende, ein leckeres Käsefondue. Ein Hauch Wehmut darf sich mit einschleichen, der gehört dazu! Die Tante haben wir wieder nicht besucht und die versprochenenen Socken, wurden nicht geschafft zu stricken.

Weihnachten ist auch das Fest der Versöhnung. Mir kommt wenig  Bezaubernderes in den Sinn, als ein ‘Du bist mir wichtig’ oder ‘Danke!’; ‘Schön das es Dich gibt.’ oder vielleicht auch ‘Verzeihung’, handgeschrieben auf einer Weihnachtskarte verschickt.

Weihnachtspost ist so wunderbar romantisch, Kitsch und Nostalgie pur- aber so ehrlich und wunderschön. Ich wünschte mir Weihnachtspost würde nicht auf TwitterThreads und Facebookposts reduziert werden. Diese DreiSekundenDauernWirZuSchreibenFacebookStatements werden in weniger als einer Sekunde von einigen, wenigen SozialWerksfreunden geliked und in noch kürzerer Zeit vergessen. Manch eine Festtagsbekundung geht gar unter in der Flut der abermillionen “Merry, merry Christmas around the World” Anzeigen.  Mit so einer Weihnachtskarte jedoch, die mit wärmenden Gedanken gefüllt, im Briefkasten darauf wartet, aus dem draussen tobenden Schneegestöber in die warme Stube geholt zu werden…was für ein wunderbares Bild.

Weihnachten, Noel, Natale, Christmas oder X-mas und Roschdjestwo- weltweite Versöhnung.  Die hohe Zeit im Jahr, überall kehrt Ruhe ein, besinnen sich die Menschen, rücken enger zusammen, sind spendabler, nachsichtiger, geruhsamer.

Hier im Norden fühlt es sich an, als ob die sonst so quirlige Insel extra in Watte gepackt ist, um alles Laute, Hektische und Rastlose weg zu sperren. Nur auf dem ersten Weihnachtsmarkt im Inselinneren ist rege vorweihnachtliche Geschäftigkeit spürbar.

Weihnachten! Es ist die Zeit, wo niemand sich schämen muss staunende Augen zu haben, wo Kindsein so normal wie der alljährliche Julklapp ist. Wenn Grossmütter, Mütter und Freundinnen, manch ein Vater und Gatte auch, sich in Küchen treffen, um die köstlichsten Gänsebraten aus dem Ofen zu holen.

Zeit der Rückblicke und in Erinnerungen schwelgen. Am schönsten ist das in der Familie. Die einen erinnern sich an ein besonders schönes Jahr, manchen fallen magische Momente ein , zauberhafte Bilder. Andere freuen sich auf viel Ruhe und Geruhsamkeit, halbes Tempo und Geschwindigkeitsdrosselung nach einer anstrengenden und stressigen Zeit, wieder andere schauen wehmütig zurück, erinnern an die Menschen die vielleicht nicht mehr hier sind.

Und dann kommen die führenden Fernsehanstalten. Mitten rein platzen sie in die alles becircende Rührseligkeit mit chronologisierten Grossereignissen diversen JahresRückBlickShows. Im Wechsel mit besonders emotionalen Freudenereignissen werden uns globale und lokale Unglücke  ins Gedächtnis gerufen. Gleichzeitig flimmert ein Spendenaufruf für arme Waisenkinder in Afrika über den Bildschirm. Das ist keineswegs verwerflich. Es ist statistisch bewiesen das der Mensch an Weihnachten am spendabelsten ist. Diesen Umstand günstig zu nutzen ist mehr als legitim, denn es ist ganz unerheblich, ob wir mit der Spende nur unser schlechtes Gewissen beruhigen wollen.  Am Ende wiegt der Kassensturz des Spendenkontos. So betrachtet haben die RückblicksMarathone der Fernsehanstalten eine absolute Existenzberechtigung.

Einatmen, Durchatmen, Aufatmen, befreit sein, zur Ruhe kommen, sich fallen lassen- all das verspricht Weihnachten mit seiner Botschaft nach Sinnlickeit, Bekehren und Freude, Geschenken, Wärme, Liebe und Lichterglanz.

Geniesst Euren Tee, die selbstgebackenen PlätzChen, nehmt den Füllfederhalter zur Hand und schreibt mal wieder- Weihnachtspost!

Ich wünsche Euch einen ganz zauberhaften dritten Advent!