Schönheit birgt den Tod - "The Neon Demon"

Schönheit birgt

AB 23.6 IM KINO! ©Koch Media


Es gibt wohl kaum einen anderen Filmemacher, der Kritiker wie Publikum so sehr vor den Kopf stößt, wie Nicolas Winding Refn. Seine Filme sind nie die Standardware, egal ob zum guten oder zum schlechten. Verstörende Bilder gehen Hand in Hand mit treibenden Soundtracks und klarem Schnitt. Refns Figuren sind oftmals gefühlskalt, ja schon fast emotionslos. Seine Geschichte vermittelt er weniger über Dialoge oder einer üblichen Narration, als vielmehr durch seine Bilder. In puncto visuellem Storytelling macht – egal wie man zu ihm steht – Refn kaum einer etwas vor.
Nachdem er mit „Drive“ von allen Seiten mit Lob überschüttet wurde, folgte mit „Only God Forgives“ der umso härtere Rückschlag. Zuschauer wandten sich ratlos ab, Refn selbst wurde von Selbstzweifeln zerfressen. Umso erstaunlicher ist es, dass er mit „The Neon Demon“ seinen Kritikern den Finger zeigt. Elle Fanning inszeniert er hier als gottgleichen Engel, der in der Welt der Models und des Jugendwahns auseinandergenommen wird. In gleißenden Neonfarben verliert Fanning ihre Unschuld, wird eins mit dem Oberflächlichen des Beauty-Business, das ihr zuvor noch so etwas wie Charakter und Eigenständigkeit zugestanden hat.

Schönheit birgt

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„The Neon Demon“ versteht sich als Kommentar zum allgegenwärtigen Schönheitsideal, das kaum erreichbar ist und doch von der Industrie gefördert wird. Schönheit ist das einzige, das zählt, sagt eine Figur einmal und fürwahr: wie die Kamera Elle Fannings Gesicht förmlich liebt, sie in all ihren Facetten ausleuchtet und dem Zuschauer offenbar macht, ist wunderschön. Refn hat selbst für viele Modelabels gearbeitet, was man dem Film auch anmerkt.
Besonders gut weg kommt die Branche allerdings nicht. Hier ist sich jeder selbst der nächste, für das Vorankommen der Karriere wird sogar der nächste Freund verraten. Es ist eine Welt voller Glitzer und Schönheit, die ihren Rattenschwanz voller geplatzter Träume und unerfüllter Ideale nur schwerlich zu verbergen weiß. Neu ist Refns Abrechnung freilich nicht. Das hat das Publikum alles so schon mal gesehen. Doch wie er es macht, wie seine Bilder die Geschichte erzählen, ist zumindest ein Erlebnis.
Die Vorwürfe der Misogynie und – noch schlimmer – der Misanthropie gegenüber Refn sind verständlich, aber haltlos. Das Drehbuch, das zugegebenermaßen voller hölzerner Dialoge steckt, arbeitete er gemeinsam mit zwei Frauen aus. Aus der Entwicklung seiner Hauptfigur lässt sich erkennen, dass er ihren Weg nicht gut heißt, viel mehr gleicht es dem Gang in die eigene Verdammnis. Es ist ein Albtraum aus blau und gelb mit einem Spritzer rot darin, das sich zum Ende hin in einen See verwandelt. Ein Engel steigt auf und fällt, passenderweise in Los Angeles, der Stadt der (gefallenen) Engel. Für den Zuschauer lohnt sich der Abstieg, auch wenn es ein anstrengender ist.

Schönheit birgt

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BEWERTUNG: 06/10Titel: The Neon DemonFSK: ab 16 freigegebenLaufzeit: 110 MinutenErscheinungsjahr: 2016Autor: Mary Laws, Polly Stenham, Nicolas Winding RefnRegisseur: Nicolas Winding RefnDarsteller: Elle Fanning, Jena Malone, Abbey Lee, Christina Hendricks, Bella Heathcote, Keanu Reeves, Desmond Harrington

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