Schatz im Schlosspark Bothmer: Vor der Flucht vergraben, jetzt entdeckt

Von Abc

© ZB Barockschloss Bothmer

Bei Erdarbeiten im Schlosspark Bothmer im mecklenburgischen Klützer Winkel in der Nähe der Ostsee sind mehrere Gegenstände aus Silber entdeckt worden, darunter Tee- und Kaffeekannen, Bestecke, Saucieren und Kerzenleuchter. Nach den Prägestempeln sind es Arbeiten aus Berlin, Dresden, Weimar und Sheffield. Sie alle stammen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und befanden sich unter anderem in zwei stark beschädigten Metallkisten.

Silberfund aus Schlosspark Bothmer © dpa

Die Fundstücke sind zum Teil stark deformiert, zum Teil noch eingewickelt, sonst aber aufgrund der Lagerung in feuchtem Boden gut erhalten. Nun hat der Erbe der rechtmäßigen Besitzer, Stephan Graf von Bothmer, den Fund in seinem Besitz. Den entscheidenden Hinweis auf den Eigentümer gab eine Stoffserviette, in die einige Gegenstände eingewickelt waren. Sie trug die Initialen „LvB“, die mit großer Wahrscheinlichkeit für Ludwig Graf von Bothmer, den letzten Gutsherrn auf Bothmer, stehen. Stephan Graf von Bothmer ist dessen Enkel. Das Tafelsilber war gegen Ende des Zweiten Weltkrieges vor der Flucht nach Westen vergraben worden.

Schloss Bothmer ist die größte barocke Schlossanlage Mecklenburg-Vorpommerns, ein überwältigender Backsteinbau. Nach mehreren gescheiterten privaten Eigentümern gehört die Anlage seit 2008 dem Land – damals übrigens erworben auf ausdrückliche Bitte der Finanzministerin. Das Schlossensemble wurde von 1726 bis 1732 im Auftrag des Reichsgrafen Hans Caspar von Bothmer vom Architekten Johann Friedrich Künnecke gebaut. Bothmer selbst hat die Anlage vollständig nie gesehen, er starb im Jahr der Fertigstellung. Bothmer war der wichtigste Berater des englischen Königs Georg I. Sein damaliger Dienstsitz ist heute als Sitz des britischen Premiers weltbekannt: Downing Street 10 in London.

Ein Wassergraben und Lindenalleen umschließen bis heute die sieben Hektar große Schloss-Insel mit dem Park. Für die Sanierung von Schloss und Park, die bis 2014 abgeschlossen sein soll, wird das Land mehr als 20 Millionen Euro aufwenden. Das Geld stammt zum größten Teil aus Fonds der Europäischen Union zur Entwicklung des ländlichen Raums.

In Bothmer soll es dann unter anderem eine Ausstellung über das Schloss und überhaupt über das ostelbische Herrenhaus geben. Mecklenburg-Vorpommerns Finanzministerin Heike Polzin (SPD) nutzte die Übergabe der Silberfunde an die Familie Bothmer am Freitag für eine Bitte: „Ich würde mich freuen, wenn wir später einige Fundstücke als Zeitdokumente präsentieren können.“ Graf Bothmer, der erst vor einer Woche durch das Finanzministerium von dem Fund erfuhr und die Stücke am Freitag zum ersten Mal sah, versprach es. Er erzählte, dass Teile des Service offenbar bei der Flucht von der Familie schon mitgenommen wurden. Was mit dem Fund passieren soll und ob sich eine Restaurierung lohnt, wusste der Graf noch nicht zu sagen.

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