Schampus, Garnelen und Bockwurst – Der Plusmacher im Interview

plusmacher_interview_squareMit Plus kann man kein Minus machen – das beweist uns der Plusmacher mit seinem heute erscheinenden Album FSW (Freie Schwarzmarktwirtschaft). Und um zu erfahren wie das mit dem plus machen und der freien Schwarzmarktwitschaft so funktioniert, haben wir den guten Herrn zum Interview gebeten und sprachen mit ihm über seine Arbeit, Drogen und den Vergleich mit SSIO.

Gabs ein Konzept für dieses Album oder hast du einfach Songs gesammelt und irgendwann gesagt: Jetzt habe ich genug dope Tracks zusammen?

Der Plusmacher: Konzept? Nee, nicht wirklich. Ich gehe halt ins Studio, mache Mucke, nehme das auf und wähle dann die Tracks die mir am meisten gefallen und pack die dann aufs Album. Ich denke mal es hat aber trotzdem einen roten Faden, schon allein durch die Beatauswahl und die Produzenten. Deswegen hört es sich auch an wie aus einem Guss. Wie gesagt, ich mache einfach Mucke und dann entsteht das so.

Wieviele Tracks hast du denn dann insgesamt für das Album aufgenommen?

Der Plusmacher: Ich weiss halt vorher schon in etwa wie alles klingen soll, deswegen hab ich nur etwa 20 Tracks gemacht und ohne Intro, Outro usw. sind dann 15 Raptracks auf dem Album gelandet. So arbeite ich – das was ich mache, veröffentliche ich meistens auch.

Du hast sehr viele verschiedene Produzenten auf deinem Album. Lässt du dir die Beats einfach schicken oder arbeitest du wirklich im Studio mit denen zusammen an den Instrumentals?

Der Plusmacher: Jay Spaten ist sozusagen mein Hausproduzent und ein langjähriger Freund mit dem ich abhänge und der bei mir um die Ecke wohnt. Da kann ich mir die Beats picken, direkt nachdem die entstanden sind. Mortis und Figub sind hier in Berlin. Zu Figub fahre ich dann einfach rüber nach Moabit und höre mir da die Sachen an. Mit anderen Leuten läuft das dann halt über Internet.

Hast du dein eigenes Studio zuhause oder bei wem und wie nimmst du auf?

Der Plusmacher: Ich habe mein eigenes Studio. Da ist alles am Start was man braucht. Eine Booth ist da, ein vernünftiges Neumann Mic, ein guter Vorverstärker und ein Rechner. Der Rest passiert dann ja im Mastering.

Gibt es soundtechnisch große Unterschiede zu deinem letzten Album BWL?

Der Plusmacher: Es ist nicht ganz so wie BWL. Ein paar Produzenten haben nicht ganz so roughe Beats abgeliefert, weil die Samples einfach mehr hergaben. Vorher hatte ich oft Samples, bei denen sich die Leute später im Mastering aufgeregt haben, dass man da nicht mehr viel rausholen kann. Da habe ich diesmal drauf geachtet, das der ein oder andere Beat mehr Druck hat. Für mich muss es auch nicht nur Boom Bap oder dieses und jenes sein. Entweder der Beat flasht mich oder halt nicht.

Es ist ja schon eine Entwicklung von der Boardsteinwirtschaftslehre zur Freien Schwarzmarktwirtschaft. Du hast das Studium abgeschlossen und jetzt kommt das Business. Kann man das so sagen?

Der Plusmacher: Ja, genau.

Was würde dann logischerweise als nächster Schritt kommen? Irgendwo auf einer Insel den Ruhestand geniessen?

Der Plusmacher: Nee, soweit ist es noch nicht… da kommen noch ein paar Stufen. Es ist halt eine Weiterführung, aber ob ich das so beibehalte weiss ich noch gar nicht.

Inhaltlich kann man das Album schon als Straßenrap bezeichnen oder geht’ es noch darüber hinaus?

Der Plusmacher: Hmm… das ist Sache des Betrachters, aber ja das kann man schon sagen. Ich komme halt von der Strasse und was soll ich sonst großartig erzählen? Das Rad neu erfinden kann ich nicht, dass weiss ich selber, aber ich erzähle einfach aus meinem Alltag.

Also sind das alles Dinge die du erlebt hast?

Der Plusmacher: Zu 95% sind das Sachen die ich erlebt habe, das hat schon einen autobiographischen Hintergrund.

Zum Beispiel erzählst du, dass du dir mit 18 einen 5er BMW gekauft hast…

Der Plusmacher: Ja, das war wirklich so. Die Zeiten sind jetzt vorbei, damals war das noch alles viel krasser. Ich hatte ein bißchen Stress mit gewissen Leuten und dem Staat, also hab ich mich ein wenig zurück gezogen und erzähl jetzt davon. Aber ja, ich hab mir von der ganzen Scheisse die ich gemacht habe, mein Geld zusammen gespart und mir das Auto gekauft. Heute würde ich das nicht mehr machen. Jeder kann sich doch denken, dass sich ein 18 jähriger sich sowas eigentlich nicht leisten kann.

Glaubst du Studenten oder Banker hören deine Musik?

Der Plusmacher: Das schöne zur Zeit im Hip Hop ist ja, dass sich das vermischt hat. Ich hab z.B. Rino Mandingo auf meinem Album – damit hätte wahrscheinlich keiner so wirklich gerechnet. Er sieht aus wie ein Hipster und ich bin Strasse. Früher hab ich sowas auch gehasst, aber heute seh ich das alles sehr positiv… wenn ich auf meinem Konzerten ins Publikum schaue, dann sehe ich da auch Jungs mit Jutebeutel und Röhrenjeans, die die Hände heben.

Seitenhiebe gegen andere Rapper gibt es dieses Mal auch nicht…

Der Plusmacher: Nee, diesmal nicht. Bei BWL hab ich ein paar Dinger verteilt, aber das brauchte ich jetzt nicht. Damals haben mich einige Sachen einfach gestört.

Im zweiten Track auf dem Album sagst du in der Hook „ganz Berlin greift nach dem Kokain, alles dreht sich um Chemie…“ ? Spielst du damit auf die doch relative krasse Entwicklung des Kokskonsums in Berlin an?

Der Plusmacher: Irgendwie schon. Ich seh das in meinem Umfeld und meinem Freundeskreis. Ich bin wirklich kein Fan von der Droge – im Gegenteil. In Clubs siehst du ne schöne Frau, die dann aber total drauf ist. Es gibt einfach zuviele Leute die dadurch gefallen sind – natürlich gibt’s auch die, die durch die Decke gehen. Auf jeden Fall bewirkt es einfach eine zu krasse Wesensveränderung.

Hast du selbst Erwartungen ans Album?

Der Plusmacher: Nee, für mich ist wichtig, dass ich meine Fans habe und Live spielen kann. Viele setzten den Künstler oder den Wert des Albums an der Chartplatzierung fest. Scheiss ma auf Charts, alle Charten irgendwie. Wenn das passieren sollte ist das auch cool, aber wichtig ist es für mich nicht. Man wächst von Album zu Album und das ist jetzt erst mein zweites!

Wie stehst du dazu, dass jetzt viele “Kids” meinen du klingst wie SSIO und das wäre alles gebitet? Du machst diese Art Musik ja auch nicht erst seit gestern..

Der Plusmacher: Da steh ich drüber. Erstmal ist das für mich ein Kompliment, weil er ein guter Rapper ist. Man wird ja immer irgendwo mit jemandem verglichen, egal welche Musik man macht. Dass irgendwelche uninformierten 16 jährigen Kids da haten ist dann verständlich, aber jemand der sich mit der Materie beschäftigt hat, weiss ja, dass das in etwa gleichzeitig kam. SSIO ist natürlich eher durch die Decke gegangen und hatte sein Label und ein Umfeld. Wir haben auch schon ein paar Tage zusammen bei Figub gechillt. Alles cool.

Denkst du, dass der Erfolg seiner Musik auch dir helfen kann?

Der Plusmacher: Die Hörerschaft ist jetzt dadurch natürlich da. Aber selbst wenn du dir jetzt den Mitten in der Nacht Track von Bushido anhörst, da ist in etwa der gleiche MPC Sound. Klar, für mich kann das positiv sein.

Gibt es nach dem Album auch eine Tour?

Der Plusmacher: Auf jeden Fall! Ich hab mich gerade erst mit meinem Booker zusammengesetzt. Wir machen erstmal eine fette Releaseparty in Berlin mit den ganzen Gästen, die auch auf dem Album am Start sind und dann noch eine in meiner Heimat Magdeburg. Dann kommt erstmal die Festivalsaison und ab September geht es dann auf Tour.

Wir freuen uns schon darauf. Danke für deine Zeit!


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