Schamanische Selbstfindung...

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Selbstfindung in der Einsamkeit der Berge

Nach der Errichtung des Basislagers für die Visionssuchen in Graubünden findet sich die Zeit der Ruhe. Diese nutzen wir für den Rückzug in die Einsamkeit, um auch einmal wieder uns selbst zu schauen. Der Bericht der schamanischen Erlebnisse eines Kursleiters der Schamanenstube besteht aus schamanischer Wahrnehmung und persönlichen Gedanken. Wir lassen die Leser unseres Blogs teilhaben am schamanischen Erleben in der Einsamkeit der Berge. Es geht um Selbstfindung in einem Projekt, das die Kapazitäten eines Einzelnen bei weitem übersteigt.

Das Bild vom Tipi oben zeigt meinen Blick alleine vor dem Tipi sitzend. Die Therapeuten sind ausgeflogen: zwei sind Einkaufen, zwei sind auf Kräutertour in der Nähe des Wasserfalls. Ich kann allein sein, mit der Aufgabe, etwas auf das entzündete Feuer im Tipi zu achten.
Die Sonne brennt heiss.
Ich habe ein kleines Glas und kühlenden Gin.
Ich will die Ruhe geniessen.
Beim Hinsetzen vor dem Tipi entweicht mir ein langer, wohliger Seufzer: alles ist getan. Jetzt darf Zeit für mich selbst sein.
Und ja, ich trage seit fast schon Ur-Zeiten ein Thema mit mir herum, das nicht nur die Schamanenstube erneut definiert, sondern auch meine eigenen inneren Antriebe ans Licht bringt. Die eigentliche Konsequenz meines Tuns ist da.

Die Geister

Es ist nicht meine erste Begegnung mit den Berggeistern hier oben im Sertig-Tal. Alleine sitzend und den Blick schweifen lassend, kann ich eifnach sein. Nur sein. Mein Glas hebt sich zu den Kräutern, zu den Tannen und hoch zu den Felsen um mich herum. Ich atme mit der Natur.
Feiner, kühlender Wind kommt auf. Er streicht über meine Beine und bewegt leicht meinen Oberkörper.
"Es ist Zeit", flüstert der Wind mir zu.
"Es ist Zeit."
Ich schliesse meine Augen, lasse meine Gedanken in den Wind hinein entgleiten und mich abholen.
Ich tauche ein und kehre in der Mittelwelt zurück in meinen Körper.

Schamanische Selbstfindung...

In der klaren Stimme des Windes höre ich ächzende Holz-Geräusche. Es hört sich an, als ob sich jemand reckt und die Knochen etwas knacken. Die Bewegung der Tannen um mich herum und das Fibrieren des Erdreichs weisen meinen Augen den Weg. Die Tannen erheben sich aus der Erde, ziehen erst links die Wurzeln aus dem Erdreich, dann rechts. Sie stehen auf aus ihrem angestammten Platz und kommen als Verbund auf mich zu. Von hoch oben machen sich auch die letzten Tannen von der Baumgrenze auf den Weg. Die ersten formieren einen grossen Halbkreis um mich und neigen ihre hohen Köpfe über mich.
Kräuter und Gräser drehen ihre Köpfe und blicken mir direkt ins Gesicht. Als die Tannen sich versammelt haben, grollt es tief durchs Erdreich und Felsen, Steinformationen und moosbedeckte Steinwesen brechen durch die Erde zwischen den Tannen hoch. Sie drehen ihre Köpfe und die Steingesichter öffnen ihre steinernen Augen.

Gespräch mit den Geistern

Die Stimmen der Tannen erheben sich. Sie sind laut und in einem tiefen Bass gehalten. Durch das dunkle Grün der Tannennadeln donnert der gemeinsame Chor zu mir:

"Du bist erschöpft."

Mich erstaunt die Begrüssung der Geister. Doch genau mit diesem Gefühl bin ich unterwegs. Die Schamanenstube nimmt man immer nur als einzelner wahr, die Gesamtheit dessen, was wir tun, ist gar nicht von aussen ersichtlich. Sehr vieles geschieht ohne Entlohnung. Das sei nicht richtig, meinen die Tannen. Und ja: "wenn ihr geholfen habt, dann gehen die Menschen wieder ihre Wege. Ihr bleibt zurück."
"Das ist das Therapeuten-Los", meine ich.
"Du richtest Deinen Blick stets nach vorne und findest darin Deinen Antrieb.
Und Du wirst müde."

Schamanische Selbstfindung...

Die Tannen schliessen den Kreis um mich und das Tipi herum. Ihre tief grollenden Stimmen verleihen ihnen ernst zu nehmenden Ausdruck. Es wird dunkel in der Mitte ihrer Schatten. Die Gesichter der Steinwesen formen sich zu furchigen Runzeln.
Es knackt und knirscht: die Tannen heben ihre Arme und zeigen auf mich:

"Jetzt trägst Du einen alten und grossen Gedanken in Dir."

"Ja, das tue ich." Die Geister um mich herum zeigen mir meinen Gedanken, der mich klein werden lässt. Es ist derjenige welche. Seine Einfachheit und Schönheit glänzt so stark, das sein Licht nicht nur die Umgebung um uns herum durchstrahlt, sondern von so grosser Bedeutung sein kann, dass er auf der Erdkugel sichtbar ist und weite Teile der Welt umfasst.

"Die Zeit ist reif."
Sie haben Recht, doch ich verstehe nicht. Auf der einen Seite haben sie erfasst, worum es geht und empfinden es als demütiges Recht. Auf der anderen Seite wirken ihre Bewegungen und ihre Herz erschütternden Stimmen bedrohlich.
Dann wird es klar:

"Du kannst das nicht alleine tun."

Deshalb bin ich hier. Deshalb sitze ich hier in Eurer Mitte. Deshalb ist die Zeit für mich reif, mich zu öffnen und den harten und steinigen Weg nicht mehr alleine zu gehen. Ich bin keine Zwanzig mehr und ja, ich bin erschöpft. Es ist Zeit, um Hilfe zu bitten und den einsamen Weg mit Vertrauten gemeinsam zu gehen.

"Ich werde es nicht alleine tun."


Schamanische Selbstfindung...

Die Welt um mich herum schiesst an mir vorbei. Einige Male werde ich um gefühlte zehn Meter wie bei einem Erdbeben in den Reigen der Geister gezogen. In der Mitte eines abgebrochenen Baumes finde ich mich wieder, klein und auf sanftem Moos gebettet. Der Strunk ist kreisrund umrandet von Holzmännchen.
Ich fühle mich wohl in dieser Mitte. Einige Holzmännchen sind voll Tatendrang, zeigen eigene Richtungen und zugleich sind ihre Herzen verbunden.

"Ja, ich werde es nicht alleine tun".

Ich gebe den Gedanken in die Mitte des Baumstrunkes und er zerfliesst auf dem Holz, berührt jeden rund herum. Es ist nicht mehr mein Gedanke, er gehört jetzt allen.
Meine Selbstfindung besteht in der Erkenntnis, es nicht alleine zu tun, es mit Vertrauten zu tun.

"Die Tragweite dieses Tuns kannst Du nicht abschätzen."

"Ich werde es nicht alleine tun."

"Das ist gut."

"Ich werde es nicht alleine tun."

Die Tannen verneigen ihre Köpfe. Die von mir gesprochenen Worte: "ich werde es nicht alleine tun" haben sich so oft wiederholt, dass sie nicht nur ein Versprechen sind, sondern den Charakter eines Eides bekommen haben.

"Ich werde es mit anderen zusammen tun."

Die Geister ziehen sich fast mühend den Berg hinauf zurück. Sie hinterlassen das Gefühl, dass es ihnen sehr wichtig war, jetzt einzugreifen.

Schamanische Selbstfindung...

Noch in dieser Nacht tagt ein schamanischer Rat um das Feuer unserer Herzen.
Und ein Bündnis wird geschlossen.


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