SARAH DEEVER LIKES SCARVES | SWEET NOVEMBER [2001]

Von Proletkult

Fragt man mich nach dem schlechtesten Film, den ich je gesehen habe, kann ich mich natürlich schwer auf einen einzelnen Film festlegen, und eigentlich auch gar nicht so hart sagen, dass der Film schlecht ist, weil ihn seine Schlechtheit auch wieder ganz geil machen kann. Aber wenn Fremdschämen und Gänsehaut vor lauter Kitsch ein Kriterium für einen schlechten Film ist, ja, dann ist SWEET NOVEMBER ein verdammt schlechter Film. Aber eben auch wieder geil. Gerade weil ich Keanu Reeves mag. Ja wirklich. So wie Nicolas Cage, da kann mir keiner was erzählen. Zweitens weil ich auch Charlize Theron mag. Noch mehr mag ich Charlize so natürlich wie in dieser kitschigen Neuverfilmung. Weil die Handlung des Films gegen Anfang November beginnt, hätte ich ihn schon längst hier posten müssen, aber Ihr wisst ja, dass ich grad Opfer des Zeitmangels bin. Also verabschieden wir uns mit dem  Streifen vom November und damit auch von den letzten erträglichen Temperaturen für dieses Jahr. Ich schein voll auf den Herbst abzufahren, denn die Outfits von Sara Deever (Charlize Theron) entsprechen absolut dem Bild einer Herbstgarderobe. Aber dazu gleich mehr. Vielleicht vorab die Handlung des Films, die sich schnell zusammenfassen lässt. Sara Deever lernt Nelson Moss (Keanu Reeves) kennen, der offenbar Workaholic und Arschloch ist. Weil Sara Deever so eine gute Menschenkenntniss und so eine spezielle Gabe hat, lädt sie ihn ein, sich einen Monat lang auf ihr Veränderungsprogramm einzulassen: den Job pausieren, rumtoben, Kakao trinken, Eis essen, das Leben genießen. Natürlich lässt sich dieser nur widerwillig darauf ein, aber Sara Deevers Verführungskünste stimmen ihn schnell um und problematisch wird es, als diese auch beginnt, Gefühle für November zu entwickeln. Denn wie sich später rausstellt (Spoiler!), kämpft Sara Deever gegen den Krebs und als letze Hoffnung will sie immerhin das Leben von hoffnungslosen Fällen umkrempeln und ihnen innerhalb eines Monats helfen. Eine Psychotherapie schlägt hier um in Liebe und weil alles ganz böse für Sara Deever aussieht und Nelson sie ja nur gut in Erinnerung halten soll, trennen sich ihre Wege am Ende des Films. Ganz dramatisch also. Und voll bescheuert.

Was den Film also wieder rettet, sind Sara Deevers Kostüme. Sara Deever, Sara Deever, Sara Deever. Sie trägt, wie gesagt ganz herbstlich, viel viel Strick! Ihre kurzen Haare sind entweder eine Andeutung auf die Krebstherapie, die sie hinter sich hat oder symbolisiert ihre Unkonventionalität. Denn die einstmals erfolgreiche Unternehmerin krempelte auch ihr eigenes Leben mit der Diagnose um. Sie trägt komfortable und meistens sehr übergroße Kleidungsstücke. Schlabberhosen trägt sie lässig mit dicken Socken und klobigen Stiefel, Farben sind vielfältig eingesetzt und ganz obligatorisch ist der Häkelschal, den sie sich keck über die Schultern wirft. Kostümbildnerin Shay Cunliffe dachte sich wohl, wir kreieren mal den Look einer richtigen Lotta. So ne Mischung aus Pippi Langstrumpf, mit  ihrer rebellischen, anarchistischen Seite und Maude aus HAROLD & MAUDE, die auch primär “das Leben genießen” will und ihre Lebensfreude an den guten Harold weiterzugeben versucht. Ich glaube mehr muss ich zu Sara Deevers Stil (ich liebe diesen Namen) nicht sagen, außer dass sich ihre Filmfigur die Haare mit diesen Haarschneide-Saugern schneidet. Ich glaube, dass ihr Look sehr klischesiert ist und nur weil Charlize Theron diese Rolle spielt, ist nicht auch noch der Kostümaspekt abgedriftet. Ohne Charlize würde die Authentizität dieser so lebendigen Filmfigur vollkommen fehlen. Also seht mal selbst und erzählt mir, ob Ihr den film kennt und was ihn Eurer Meinung nach so gut schlecht macht!