Saints Row: The Third für die Nintendo Switch im Review: Zündet die krawallige Anarcho-Sandbox auch heute noch?

Saints Row: The Third für die Nintendo Switch im Review: Zündet die krawallige Anarcho-Sandbox auch heute noch?

Als mit Saints Row: The Third 2011 der dritte Ableger der Saints Row-Reihe für Xbox 360, PlayStation 3 und PC erschien, emanzipierte Entwickler Volition die Reihe damals vom großen Open-World Vorbild Grand Theft Auto und setzte mit anarchischem Humor, überzeichneter Over the Top-Action und tarantinoesquer Inszenierung ganz eigene Akzente - zu einem Zeitpunkt, wo ein Grand Theft Auto IV auf einen realistischeren Tenor setzte und der fünfte Teil noch ein Jahr auf sich warten ließ, konnte man die Lücke schließen, die bis dahin San Andreas offen ließ, und GTA IV nur unzureichend zu füllen vermochte. Skurrile Charaktere, ein herrlich abgefucktes Missionsdesign, weitreichende Individualisierungsoptionen und haufenweise Popkultur-Referenzen sollten fortan bestimmendes Merkmal der Sandbox-Reihe werden. Knapp 8 Jahre später wurde der Titel um Johnny Gat und die Saints-Gang überraschend für die Nintendo Switch portiert - Kann das Ding mit seinem krawalligen Charme auch Anno 2019 für unterwegs überzeugen oder ist The Third trotz aller Zusatzinhalte eher eine schlecht gealterte Angelegenheit? Das gilt es im Rahmen dieser Review herauszufinden.

Ultra-Post-Modernism - I love it!

In Saints Row: The Third erleben wir die Third Row Saints auf dem Gipfel der Macht: Vormals die Underdogs auf den Straßen der fiktiven Metropole Stilwaters, beherrscht die Gang um Pierce, Shaundi und Johnny Gat mittlerweile nicht nur die Unterwelt, sondern gleicht vielmehr einer Gruppe gefeierter Rockstars. Mit eigenen Stores und eigenem Merch, einem geplanten Film über den Aufstieg der Gang und einem Energydrink dominieren die Third Row Saints nunmehr die Pop-Kultur. Man könnte meinen, es wäre an der Zeit, die kriminellen Machenschaften hinter sich zu lassen - doch Gangster zu sein ist keine simple Entscheidung, sondern ein allumfassendes Lebenskonzept. Insofern stellt sich die Frage gar nicht, ob man sich vom Unterwelt-Milieu verabschieden möchte.

Tatsächlich beginnt alles just mit einem Banküberfall in klassischer Heist-Manier, den wir inszenieren, um unseren Film zu promoten: Begleitet werden wir dabei von einem dümmlichen Schauspieler namens Josh, der dem Ganzen beiwohnt, um sich Method Acting-mäßig für den Film gänzlich in die Rolle eines Kriminellen hineinzuversetzen. Und weil wir keinen Hehl draus machen wer wir sind, tragen wir beim Überfall ironischerweise übergroße Johnny Gat-Masken - denn: Wer will bitte nicht Johnny Gat sein?

Doch natürlich geht irgendwas ganz gehörig schief: Nicht nur kriegt einer unserer Männer recht zügig eine Kugel ins Hirn gejagt, die vermeintlichen Bankangestellten eröffnen ein ordentliches Gegenfeuer, das bald in ein Scharmützel gewaltigen Ausmaßes mündet. Wer bitte sind diese Typen? Normale Mitarbeiter jedenfalls nicht - irgendwas stinkt hier zum Himmel.

Im Verlauf des gescheiterten Promo-Stunts werden wir von korrupten Police Officern verhaftet, die uns an Phillipe Loren übergeben, den Mastermind hinter dem sogenannten „ Syndicate " - einem Zusammenschluss dreier konkurrierender Gangs aus dem benachbarten Steelport. Er schlägt uns einen Deal vor, dem wir natürlich nicht zustimmen können und wollen. Es folgt ein wahnwitziger Shoot Out an Bord eines Großraumfliegers- bei dem scheinbar Gat das Zeitliche segnet.

Es folgt ein wahnwitziger Rachefeldzug durch Steelport, in dessen Verlauf der Spieler, Pierce und Shaundi die einzelnen Gangs und Viertel auseinandernehmen.

Inhaltlich macht Saints Row The Third auch heute noch viel Spaß und ist prall gefüllt mit Ideen auf der Meta-Ebene, Popkultur-Referenzen auf Terminator, Bad Boys, Star Wars, Fresh Prince of Bel Air und etlichen anderen Werken und wartet sogar mit Gastauftritten von Promis wie Hulk Hogan (als abgehalfterter Wrestler Angel) oder Schauspieler Burt Reynolds auf. Auch zahlreiche Gags unter der Gürtellinie und Vulgaritäten wie riesige Dildos als Waffen heben Saints Row: The Third von den GTA-Teilen ab. Darüber hinaus stimmt die Regie und das Writing - Das Voice Acting ist famos, die Dialoge sind manchmal obskur bis zum geht nicht mehr und erinnern an Tarantino-Streifen, zuweilen fühlen sie sich auch bemerkenswert clever an. Und im Rahmen der Haupthandlung dürfen wir auch immer wieder Entscheidungen treffen, die Auswirkungen aufs Ende haben.

Und auch der Soundtrack ist über alle Maße erhaben - Feinster 90s Techno- eine hohe Dichte an Klassikern aus dem Rockmetier und eine ikonische Verwendung von Kanye Wests Power machen Saints Row The Third auch auditiv zu einer cleveren Metaebenen-Spielerei. Man kommt lizenzmäßig natürlich nicht an Rockstars illustre Songauswahl heran, aber das ist schon ordentlich, was Volition da seinerzeit präsentierte.

HOCHUNTERHALTSAMER KRAWALL IN HÄSSLICHER KULISSE

Analog zum Anarcho-Klamauk ist auch das Gameplay nicht sonderlich raffiniert, aber herrlich krawallig und maximal unterhaltsam - In 50 Missionen, die insgesamt 10-15 Stunden verschlingen - werden neben anarchisch-chaotischen Shoot Outs mit allerlei obskuren Waffen - hier seien neben dem Standard-Repertoire auch Dinger wie der Mollusk Launcher genannt, ein rumquackendes Oktopus, das bei Berührung explodiert - und eben auch Laserkanonen- Tron-artige Cyberwaffen, Drohnen, den Penetrator - zahlreiche andere Herausforderungen in der offenen Welt geboten: Dass es sich dabei weitgehend um Variationen klassischer Spielmodi handelt, sei dabei geschenkt.

Bei Snatch etwa gilt es Prostituierte abzuwerben und in den eigenen Stall zu bringen, bei Mayhem wiederum müssen wir für maximale Zerstörung sorgen und bei Versicherungsbetrug müssen wir unsere Karren möglichst ramponieren, um eine ordentliche Versicherungssumme einzustecken.

Saints Row: The Third für die Nintendo Switch im Review: Zündet die krawallige Anarcho-Sandbox auch heute noch?

Das manchmal vielleicht im Kern doch redundante Missionsdesign wirkt dabei durch die Art, wie das Ganze inszeniert wird, immer angenehm frisch. Da zahlen sich die zahlreichen absurden Ideen dann aus. Es gilt wieder Respekt und Geld anzuhäufen, mit dem sich weitreichendere Missionen- und Individualisierungsmöglichkeiten freischalten lassen.

Was negativ auffällt ist die doofe KI - und zwar sowohl auf Gegner- als auch auf der Mitstreiter-Seite: Denn während das Kanonenfutter-Gehabe der Widersacher noch zum B-Actioner-Charme passt und hier in Anbetracht dessen auf Masse statt auf Klasse gesetzt wird, ist das permanente Ableben der Compagnons einfach nur nervig.

Grafisch sah das Ding damals schon nicht geil aus - und ist in den 8 Jahren eher schlecht gealtert. Steelport kommt im Gegensatz zur Action wenig spektakulär in grau-braun-lila daher - mit matschigen Texturen und blockigen Charakteren. Auch damals gab es schon Kantenflimmern und Framerateeinbrüche. Tatsächlich sieht die Switch-Version im direkten Vergleich zur Xbox360-Fassung nochmal ein wenig schlechter aus - Da werden Plakate im Hintergrund niedriger aufgelöst als vor knapp einer Dekade. Und dennoch kommt die Hardware der Nintendo Switch dem Ganzen nicht hinterher: Massive Slowdowns, die in ihren krassesten Momenten, wirklich das Spielgeschehen behindern, ziehen sich durch das Spiel, obschon die Sichtweite verringert wurde.

Hier hätte Engine-technisch insgesamt mehr gemacht, d.h. besser optimiert werden müssen: L.A. Noir und Skyrim zeigen, dass auch eine offene Welt gut auf der Switch funktionieren können. Und auch The Witcher 3 lässt sich ja offenbar auf der Switch realisieren - wenngleich CD Projekt RED noch den Beweis erbringen muss, wie genau das ausschauen wird.

Diese eklatanten technischen Mängel sorgen dann trotz dem gewaltigen Umfang, der sich aus bislang allen erhältlichen mitgelieferten DLCs, für Abzüge in der B-Note.

Fazit:

Saints Row The Third ist auch auf der Nintendo Switch eine höchst unterhaltsame Sache - Der krawallige Anarcho-Humor zündet immer noch. Die vielfältigen Individualisierungsoptionen- die Metaebenen-Spielereien- die irren Missionsdesigns- der gewaltige Umfang. Volition hat sich damals mit Saints Row The Third vom GTA-Klon-Status emanzipiert und weitgehend funktioniert das brachiale Gameplay auch heute noch. Und es ist schön, dass auch Switch-Spieler in den Genuss kommen könnten. Auf der anderen Seite ist der Port abseits der ganzen DLC-Dreingaben eher spartanisch ausgefallen: Es ist schlicht und ergreifend dasselbe Spiel wie vor 8 Jahren ohne nennenswertes Feintuning. Und hardwaremäßig kommt die Switch leider nicht hinterher: The Third sieht auf der Switch eine Ecke hässlicher aus als die damaligen Xbox360-/PS3-Fassungen, die auch schon keine Augenweide waren. Zugleich gibt es teilweise massive Framerateeinbrüche und eine geringere Sichtweite. Das Spielerlebnis funktioniert immer noch, auch für unterwegs, aber die technischen Unzulänglichkeiten sorgen für signifikante Abzüge gegenüber der Ur-Fassung.

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Saints Row: The Third - The Full Package [Switch] Fazit

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