Saints and Sinners St. Pauli [Test] – Was bist du?

Von Gabelartist


Was vielversprechend begann, endete etwas enttäuschend. Leider kann ich das Saints and Sinners St. Pauli aktuell nicht empfehlen. Potenzial is da!

In einer Seitenstraße der Reeperbahn (Talstr.) kann man sich der Frage (und dem Restaurant) Saints and Sinners St. Pauli stellen. Dies ist bitte nicht mit den Sinners der Großen Freiheit zu verwechseln! Die Webseite des Saints and Sinners St. Pauli war vielversprechend und ließ uns auf ein uriges Ambiente hoffen. Beeindruckt und begeistert waren wir auch von der breiten Auswahl an Speisen und dem vielfältigen Angebot auch für Veganer.

Wir von Unruly planten unser Team Event und stießen auf das Saints and Sinners St. Pauli. Darum nahm ich im Vorhinein Kontakt auf und der Austausch war sehr angenehm! Selbst auf komplizierte Extrawünsche wurde Rücksicht genommen. Voller Vorfreude ging es also gen Pauli.

Das Ambiente des Saints and Sinners St. Pauli

Zunächst waren wir etwas überrascht, wie klein es war. Die Bilder ließen zwar vermuten, dass es kein großes Restaurant ist, aber an etwas mehr Platz hatten wir doch gedacht. Trotzdem war es auch nicht unbedingt zu eng. Es war allerdings nicht so schön, dass es teilweise stark zog. Zwar war an der Tür extra ein Windstopper-Vorhang befestigt, doch häufig half das nur bedingt (und wir saßen nicht einmal direkt an der Tür).

Das Personal war zunächst sehr zuvorkommend und freundlich, allerdings auch an vielen Stellen überfordert. Neben der Tatsache, dass wir bis heute nicht genau wissen, was in den Hush Puppies ist, außer “Weizenmehl”. Doch sie hatten es auch nicht leicht. Nicht nur (aber auch) wegen uns, sondern weil es mit dem Essen auch einige Schwierigkeiten gab…

Das Essen des Saints and Sinners St. Pauli

Mit hohen Erwartungen waren wir gekommen, von den Vorspeisen waren wir teilweise begeistert, die Hauptspeisen waren etwas ernüchternd und der Nachtisch war leider ein mehr ein Desaster als ein ordentliches Dessert.

Die Vorspeisen

Die Vorspeisen waren gut, da waren wir uns einig. Dabei gefielen uns vor allem die Quesadillas. Auch hier war uns jedoch nicht ganz klar, dass bzw. warum die Fleisch-Variante verschiedene Quesadilla (mit und ohne Fleisch) beinhaltete. Beide waren gut, wobei die fleischlosen allen besser geschmeckt haben. Dazu gab es für mich ein Astra mit Cola.

Die (veganen) Quesadilla waren sehr lecker, vor allem mit der Soße und der Guacamole zusammen. Der Salat war für die meisten von uns ganz ok, wenngleich etwas viel, vor allem für eine Vorspeise (gerade bei dem Namen “Anheizer”). Ein Kollege fand allerdings, dass das Dressing etwas vergoren schmeckte. Ich hatte gedacht, dass es eine Art Honey-Mustard war.

Die Huff Puffies waren ein wenig trocken, aber in Kombination mit dem Zwiebel-Chutney und/oder den anderen Soßen, war es echt lecker. Für mich haben sie nach einer Mischung aus Süßkartoffeln und Falafel/Kichererbsen geschmeckt. Sicher war ich aber nicht und die Kollegen waren auch überfragt, genauso wie die Bedienung. Sie wollte in der Küche fragen, kam aber nicht mit einer Antwort zurück bzw. hatte es vielleicht vergessen. Auch die Bällchen waren ziemlich sättigend, sodass wir schon befürchteten, unsere Hauptspeise nicht mehr zu schaffen.

Die Hauptspeisen

Im Vorhinein wurde uns mitgeteilt, dass das New York Steak zum Entrecôte werden würde. Einer der Kollegen, der es bestellt hatte, befürchtete schon Kürzungen beim Küchenpersonal bzw. dass Papa jetzt kocht.
Interessanterweise war es dann das Entrecôte, welches die meisten positiven Stimmen bekam. Auch die Spareribs (sorry, kein Foto geschafft) wurden lecker empfunden. Insgesamt war es allen etwas viel (vor allem nach den üppigen Vorspeisen) und die Salate wurden leider nicht als besonders gut empfunden (“Schmeckt irgendwie vergoren” hieß es sogar bei jemandem).

Fleischburger

Doch kommen wir zu den Fleischburgern. Wir hatten den Sonderwunsch Cheeseburger mit aufgegeben und dieser wurde auch problemlos erfüllt. Diesen empfanden wir als simpel und solide und im Prinzip so, wie er sein soll. Allerdings war das Fleisch, wie bei allen Fleischburgern sehr trocken. Leider wurde auch keiner von uns gefragt, wie wir das Fleisch gebraten haben wollen.

Zudem hatten wir einen Green Island Burger extra, da sich ein Kollege kurzfristig ausklinken musste. Wie bei allen Burgern gefiel uns die Aufmachung: klein und hoch. Bei diesem Burger fielen besonders die Kartoffelchips auf. Chips auf dem Burger finde ich eine klasse Idee! Sie gaben noch eine weitere (schnurpsige) Konsistenz. Weniger gut empfand ich die Guiness BBQ-Sauce: in Kombination mit den gebratenen Zwiebeln und dem Essig der Salt and Vinegar Chips, empfand ich den Burger ziemlich süß. Er wurde dadurch zwar auch etwas saftiger und tünchte so über das trockene Fleisch hinweg, aber mein Geschmack war es nicht.

Vegetarische / Vegane Burger

Da ich schon viel Gutes über Seitan gehört hatte, probierte ich den veganen Pulled Pork Burger. Seitan wird aus Weizeneiweiß hergestellt, ist also nichts für Menschen mit Glutenunverträglichkeit. Zudem hat Seitan einen sehr geringen Fettanteil und ist praktisch cholesterinfrei. Zwar verfügt Seitan über einen relativ hohen Eiweißanteil (ca. 25%), aufgrund des niedrigen Gehalts der Aminosäure Lysin hat das Weizenprotein aber eine geringe biologische Wertigkeit (siehe Essen & Trinken).
Leider war mir auch der vegane Pulled Pork Burger zu süß. Die Seitanstücke hatten die BBQ-Sauce so aufgesogen, dass ich den Seitan nicht mehr besonders herausschmecken konnte. Insgesamt fand ich den Burger sehr mächtig und konnte ihn nicht aufessen. Der vegane Juicy Lucy gefiel mir persönlich besser. Allerdings war auch der sehr mächtig. Die Idee vegetarische/vegane Alternativgerichte anzubieten fand ich klasse. Auch die Kreativität bei der Umsetzung hat mir gefallen. Geschmacklich war letztlich aber noch deutlich Luft nach oben.

Die Beilagen

Die Fries haben uns am besten geschmeckt. Zwar mag wahrscheinlich nicht jeder Kartoffelwedges mit Schale, aber wir waren uns einig, dass sie gut waren: angenehm bissfest und nicht zu fettig. Die Süßkartoffel-Fries bzw. -Würfel hingegen waren uns viel zu fettig und zudem sehr weich bzw. eher schon matschig. Im Burgerlich habe ich einmal erfahren, dass Süßkartoffel-Fritten schwer auf gleichbleibend hoher Qualität zuzubereiten sind (ausgenommen TK-Produkte), vielleicht ist das der Grund, zudem wir relativ viele Portionen auf einmal bekamen. Trotzdem leider nicht zufriedenstellend für uns (einstimmig). Auch der Salat überzeugte uns leider nicht. Es schien, als ob unsere Teller vorbereitet waren und der Salat darum auch schon etwas an Frische verloren hatte. Teilweise begleitete auch eine Fruchtfliege, die immer wieder über unseren Tellern kreiste, unseren Hauptgang. Ähnlich abgestanden wirkte die Mayo. Zwar verändert sich Mayo recht schnell an der Luft, aber gerade deswegen wäre es schöner gewesen, wenn sie frischer gewesen wäre. Lieber weniger Töpfchen, dafür frischer. Was uns auch etwas störte, war die extrem labberige Roastbeef-Scheibe des Hot Beef Burgers. Die Kollegin lies es gänzlich auf dem Teller zurück und es wollte auch niemand anderes essen. Es war zusätzlich auch sehr fettig. Das passte für uns auch gar nicht zu den sehr durchgebratenen Fleischfrikadellen.

Die Nachspeise

Nun lässt sich über Geschmack natürlich streiten. Der größte Fauxpas war für uns jedoch die Nachspeise. Eigentlich hatten wir ein paar frische Waffeln vorbestellt, die es laut Karte wahlweise mit Bailey’s, Ahornsirup oder Obst hätte geben sollen. Da wir jedoch alle extrem gesättigt waren, fragten wir, ob die Waffeln bereits vorbereitet wären oder wir noch um-/abbestellen könnten. Zunächst hieß es, dass dies kein Problem sei. Die zweite Info war dann, dass es anstelle der Waffeln an diesem Abend leider nur Pfannkuchen geben würde. Den wollte eigentlich niemand von uns. Auf der Menükarte im Restaurant stand ein Brownie, den eine Kollegin bestellen wollte, doch dieser war leider auch aus. Schließlich hieß es, dass unsere Nachspeisen doch schon vorbereitet waren. Wir freuten uns also auf Waffeln. Dann kam dies:

Abgesehen davon, dass unsere Bestellungen ungefragt in Pfannkuchen/Pancakes umgeändert wurden, ist es ein No-Go verbrannte Pancakes zu servieren. Auch die restlichen Pancakes wirkten, als ob sie schon länger standen und nur noch einmal aufgewärmt wurden. Sie waren vollgesogen mit Ahornsirup und die Bananen mit Zitrone/Limette vor dem Anbräunen geschützt. Eine sehr kritische Kollegin sprach das Personal auf den verbrannten Pancake an und wurde gekonnt ignoriert. Beharrlich merkte sie an, dass wir gern Ersatz haben wollten. Abgesehen davon, dass keiner von uns mehr Appetit oder noch Platz im Magen hatte, ging es ihr um’s Prinzip. Der dann folgende Pancake war schon noch sehr roh. Ihre Anmerkung (mit einem Lächeln):

Wenn der Koch so tickt wie ich, hat er es extra gemacht.

Trotzdem haben wir ihn aufgegessen. Also zumindest den Ersatz-Pancake.

Der Abgang

Obwohl die Bar sehr klein war, glänzte das Saints and Sinners mit einer Auswahl an solidem Gin. Ich entschied mich für den Hendrick’s, gemischt mit Tonic. Hendrick’s ist der einzige Gin, den man mit Gurke trinken sollte. Da er hochwertiger ist als viele andere Gins, ist es wichtig, dass er mit einem nicht zu dominanten Tonic gemischt wird. So also nicht:

Spannend war, dass der Moscow Mule dann doch -zu Recht- mit Gurke serviert wurde. Ganz süß fand ich, dass ein Kollege gern einen B53 trinken wollte und weil die Bar den Cocktail nicht kannte, durfte er ihn selbst zubereiten.

Noch ein Wort zu Fructose

Einer der Hauptgründe, weshalb ich meinen veganen Pulled Pork Burger nicht aufgegessen habe, war, dass ich ihn durch die BBQ-Sauce als sehr fructosereich empfand. Insgesamt wirkten viele Speisen sehr süß und fruchtig. Evtl. habe ich auch teilweise Honig geschmeckt. Den Cheeseburger und den veganen Juicy Lucy Burger empfand ich am wenigsten süß. Auch das Entrecôte und die Spareribs erschienen mir besser. Das Zwiebelchutney bei den Vorspeisen (Huff Puffies) sollte gemieden oder ersetzt werden. Ich würde versuchen, das direkt mit der Küche abzustimmen. Wenn ihr nicht gerade in einer großen Gruppe dort seid oder die Hütte brennt, dann sollte das spontan möglich sein.

Fazit/Bewertung des Saints and Sinners St. Pauli

Es fällt mir wirklich nicht leicht und ich wünschte, dass ich mehr Positives schreiben könnte, aber wir waren leider alle vom Saints and Sinners St. Pauli enttäuscht. Sehr enthusiastisch waren wir gekommen, übersättigt und leider nicht zufrieden sind wir gegangen. Die Reservierung und der Mailverkehr vorab waren sehr nett. Auf Sonderwünsche und Unverträglichkeiten wurde sehr freundlich eingegangen. Der Internetauftritt, das vielfältige Angebot an Speisen für Fleischesser, Vegetarier und Veganer war beeindruckend. Die Fotos auf der Webseite empfanden wir als urig und einladend, Vorort war es für uns leider nicht so gemütlich wie erwartet.

Auch das Personal entpuppte sich leider als etwas unprofessionell. Zwar waren alle sehr nett und haben gelächelt, aber es schien, als ob sie nicht so richtig wussten, was sie servierten (Huff Puppies). Das Ignorieren der Kritik bzgl. des verbrannten Pfannkuchens gehört sich ebenfalls nicht. Schließlich ging es gar nicht, dass unsere Antwort auf die Frage, ob der Hauptgang geschmeckt habe, für die Küche beschönigt wurde: Unser “Naja” wurde zu einem, von einem Lächeln begleiteten “Ich sag der Küche trotzdem, dass alles gut war”.

Nach einer tollen Vorspeise fanden wir nur einzelne Hauptspeisen gut und die Nachspeise war nicht nur falsch, sondern auch schlecht zubereitet. Insgesamt schmeckten die Speisen teils etwas abgestanden, durchtränkt von Saucen (BBQ-Sauce beim Burger und Ahornsirup beim Pfannkuchen). Leider hatten einige von uns nach dem Essen zusätzlich ein ungutes Magengefühl und 3 Personen lag das Essen noch bis in den nächsten Morgen schwer im Magen.

Interessant ist, dass es ziemlich voll gewesen ist. Fürwahr, die Lage ist mit der unmittelbaren Nähe zur Reeperbahn, top, aber es gibt genügend Alternativen. Die Foursquare Bewertung des Saints and Sinners St. Pauli befindet sich mit 6.7/10 im oberen Mittelfeld und es finden sich ähnliche Meinungen wie unsere.

Insgesamt hat das Saints and Sinners St. Pauli deutliches Potenzial. Es finden sich sowohl im Interior- und Grafikdesign als auch auf der Speisekarte kreative Details. Einer der Hauptgründe, warum wir uns für das Saints and Sinners St. Pauli entschieden, war die große Auswahl an fleischlosen Speisen. Die Umsetzung war dann leider etwas ernüchternd. Da wir reserviert und vorbestellt hatten, haben wir mehr erwartet. Bei einem Tisch von 14 Personen und dementsprechendem Umsatz reicht die erbrachte Leistung in einer Stadt wie Hamburg, mit vielen hochwertigen Alternativen, nicht für eine gute Bewertung.

Wer in Richtung Kiez/Reeperbahn unterwegs ist, kann sich im Saints and Sinners St. Pauli eine ordentliche “Grundlage” für den Abend schaffen. Zudem waren die Speisen verhältnismäßig günstig, vor allem in Relation zu der Menge.

Ich hoffe, die Saints unter euch werden das practissen was sie preachen und sich die Unzufriedenheit bzw. die Kritikpunkte eurer Kunden zu Herzen nehmen (siehe oben die erste Seite der Speisekarte).

Allgemeiner Hinweis

Dieser Artikel spiegelt eine persönliche Meinung und eine Art Momentaufnahme (Tagesform des Restaurants und der Tester) wider. Die Bewertung hat somit keinerlei wissenschaftliche Grundlage (es sei denn, diese ist angegeben).
Gabelartist übernimmt daher keine Verantwortung für abweichende Reaktionen/Empfindungen.

Es handelt sich bei diesem Artikel NICHT um einen gesponserten Post.