s peterle

´s peterle kenne ich jetzt schon seit geburt, das bringt die langjährige kinderdok-tätigkeit so mit sich. inzwischen geht er schon in die schule, ´s peterle.

am anfang war eigentlich alles prima, gesundes wunschkind, für die ende-dreißiger-eltern die krönung ihrer beziehung und die wohlverdiente neuorientierung ihrer partnerschaft und der familie nach zweimal erfolgreichem beruf in schule und krankenhaus. ´s peterle wurde gestillt, gute acht monate komplett, er durchlief die üblichen schrei, trotz und kotzphasen, das haben die eltern und ich ganz gut gemeistert. vor dem zweiten geburtstag wurden dann die trotzphasen heftiger, da ging auch mal ein kopf auf die tischkante den boden. rettung durch die eltern war immer da. ´s peterle.

die jahre gehen dahin, der kindergarten zeigt sich, ´s peterle braucht immer die erzieherinnen, um mit den anderen spielen zu können. sonst sitzt er nur daneben und tut nichts. das reicht ihm aber auch. zuhause ist er ja auch nicht anders. beschäftigt sich lieber mit dem neuesten winnie-puh-puzzle als mit dem lederball, den sein patenonkel zum vierten geburtstag hoffnungsvoll geschenkt hat. bei der u8 prallt der schaumstoffball ungenutzt an ihm ab. er macht´s halt nicht gerne, sagt die mama.

mit fünf und später kommen die berufsbildenden maßnahmen: einschulungsuntersuchung im kindergarten, die u9 beim kinderdoc – das mit dem ball klappt immer noch nicht so gut. auch das fahrradfahren überläßt er noch lieber den stützrädern als der eigenen koordination. das ist nicht so sein´s, erklärt die mama. so isser, ´s peterle.

drei monate vor der einschulung brennt die hütte. der kindergarten meint, ´s peterle solle sich doch nun endlich mit der händigkeit festlegen, außerdem mache er im wöchentlichen stuhlkreis nur wenig mit und auch die bildlichen darstellungen entsprechen immer noch nicht den wünschen des beobachtungsplans. bei der jetzt dringend eingerufenen konsultation des kinderarztes, der inzwischen fusseln am mund hat ob der ganzen motivations- und empfehlungsreden der letzten jahre an die eltern, was sie alles machen und fördern könnten, sehe ich einen sechsjährigen im untersuchungszimmer sitzen. auf dem schoß der mutter, rausgeputzt wie für den sonntagsgottesdienst, einschließlich des malvenfarbenen samttüchleins um den hals.

´s peterle. inzwischen ist er in der dritten. lesen geht prima, rechnen auch. er fängt jetzt seinen ersten harry potter an, und das lexikon des vaters steht inzwischen auch in seinem zimmer. das fahrradfahren kam schließlich auch (im urlaub beim opa). nur im sport. naja. das seepferdchen ist noch nicht auf seiner badehose aufgetaucht. und wenn ich ihm jetzt bei der u10 den ball zu werfe, dann prallt er immer noch ungesehen an ihm ab. „so isser halt, unsere peterle.“ sagt die mutter.



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