Roth wie Blut

Claudia Roth war wieder mal empört. Diesmal über die Türkei. Sie würde zu wenig tun gegen den Islamischen Staat. Und noch was hat sie gesagt, was allerdings kaum kommentiert wurde. Dieses Schweigen aber zeigt nur, wie stark die Logik der Gewalt und des Hasses schon die allgemeine Stimmung bestimmt.
Roth wie BlutIn ihrer Tirade gegen die Türkei waren viele Punkte, die man aufgreifen und berichtigen müsste. Die Türkei dazu zu drängen, eine Grenzverletzung zu begehen, um letztlich damit auch gegen das Völkerrecht zu verstoßen, ist zum Beispiel schon ein burleskes Stück von epochalem Ausmaß. Als man glaubte, russische Soldaten würden dasselbe im Osten der Ukraine tun, war man nämlich noch ganz anderer Meinung. Dass man der türkischen Regierung aber gleich noch vorwirft, sie würde den Islamischen Staat deswegen unterstützen, weil sie verwundete IS-Kämpfer in Krankenhäuser medizinisch pflege, ist eine Aussage von so weittragender Unkultur, dass man es wirklich mit der Angst bekommen muss.

Klar, die Grünen waren schon mal Kriegspartei. Das wissen wir alle. Aber damals haben sie noch eine Rhetorik an den Tag gelegt, die kenntlich machen sollte: »Man treibt uns dazu. Eigentlich wollen wir ja nicht, aber die Welt ist nun mal ein Schlachtfeld. Was sollen wir denn machen?« Solche Ausflüchte hört man heute eher selten. Nicht mal mehr ein Feigenblatt hält man sich vor. Da steht tatsächlich eine Frau, die wahrscheinlich von sich selbst behaupten würde, pazifistische Positionen zu vertreten, im Namen des Humanismus unterwegs zu sein, und empört sich bitterlich, weil verletzte Menschen, die sie als feindliche Entität identifiziert hat, medizinisch versorgt werden. Die Alternative hierzu kann ja wohl nur sein, dass man verwundete Kämpfer liegen lässt oder weg schickt. Dass sie also verbluten, am Schmerz verrückt werden, jämmerlich verrecken. Oder will man mal wieder human sein und Gnadenschüsse erteilen?
Ach du liebes Bisschen, Claudia! War das nicht etwa mal die Logik deiner Großväter? Die haben es doch so gerechtfertigt. Sie haben erlöst, nicht getötet. Wolltet ihr nicht alles anders machen als die Generationen davor? Was ist davon geblieben und was ist aus Leuten wie dir geworden? »Menschlichkeit«, sagt dir das noch was? So weit ist es gekommen: Man muss das Wort schon in Anführungszeichen setzen.
Es mag Kriege geben zwischen verfeindeten Seiten. Konflikte und blutige Gewalt. Aber die Verwundetenpflege ist davon ausgeschlossen. Sie ist sakrosankt. Wer dagegen verstößt, macht sich der Kriegsverbrechen schuldig. US-Sanitäter pflegten einst auch verletzte Soldaten der Wehrmacht. Die Deutschen galten damals in der ganzen Welt als dieselben Schlächter, wie die Kämpfer des Islamischen Staates heute. Trotzdem behandelte man sie weitestgehend mit Menschlichkeit. Leider nicht immer. Die Genfer Konvention dürfte ja ein Begriff sein. Sie regelt, dass selbst in der größten menschlichen Katastrophe immer noch ein wenig Restmenschlichkeit bleibt. Sie will den Blutrausch wenigstens etwas hemmen. Oder sind IS-Kämpfer kein Fall für die Genfer Konvention, weil sie keine Soldaten im eigentlichen Sinne sind? Falls ja, dann ist Roth bloß ein anderes Wort für Bush und Guantánamo ungefähr dasselbe wie das Oktoberfest.
Spüren sie ihren sittlichen Verfall? Merken sie, wie sie immer mehr in eine Logik abdriften, die keinen Platz mehr für Menschlichkeit, für Mitleid mit dem Verletzten lässt? Klar, diese Schlächter werden nicht mit warmen Worten zu besänftigen sein. Aber wenn sie dann mit Wunden vor einem liegen, bleiben es doch trotzdem noch Menschen. Sie medizinisch zu versorgen ist kein Affront, wie Roth sagt. Es ist moralisch richtig und letztlich auch ein Akt der Würde gegen sich selbst. Denn wenn man den Menschen im Feind aufgibt, beginnt man sich würdelos zu verhalten. Heraus kommt dabei abgestumpfte Eindimensionalität. Oder eben eine Claudia Roth, die sämtliche Eckpfeiler der Zivilisation wegwischt.
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