Römerberggespräche: Ausgrenzung und Eindämmung

Ein Gespenst geht wieder um in Europa: Die Angst vor Fremden, vor Armutsmigration, vor kultureller Überforderung. Im Chagallsaal des Schauspiels Frankfurt wurde am 26. April 2014 im Rahmen der Römerberggespräche über alte Ressentiments und neuen Nationalismus in Europa nachgedacht, und was bei uns los ist, warum wir die notwendigen Debatten scheuen und das Feld der erstarkenden Rechten überlassen.

Migrationsforscher Professor Klaus Bade gab zum Auftakt einen Überblick über die derzeitige Situation und hielt ein rasantes Plädoyer für vernunftgeleitetes Handeln im Umgang mit Zuwanderung: Deutschland ist der Zuwanderungsgewinner in Europa, und das ist gut, denn Deutschland altert. Aber viele Zuwanderer gehen bald wieder: Sprachschwierigkeiten, Beschäftigung unter Qualifikationsniveau, mangelnde Willkommenskultur. Dazu der Widerspruch zwischen der offiziell gewünschten Zuwanderung und dem Krieg gegen Flüchtlinge an Europas Außengrenzen mit rund 23.000 Toten seit dem Jahre 2000. Wobei besonders pikant ist, dass Migrations- und Fluchtgründe zu allererst in unserer eigenen Lebens- und Wirtschaftsweise zu suchen sind.

Zuwanderung verändert die Zuwanderer ebenso wie die Kultur des Aufnahmelandes: Integration und Assimilation gelingen nur in wechselseitiger Annäherung. Integration geschieht unauffällig und produziert keine der Schlagzeilen, nach denen aber unsere Medien gieren. Das Zusammenwachsen ist ein eigendynamischer, unübersichtlicher Prozess, der ohne Gewalt nicht mehr umkehrbar ist. Im Idealfall entsteht ein neues „Wir“. Aber Angst und Aggression in der Mehrheitsgesellschaft, je älter, desto mehr, zeigen, dass wir davon noch weit entfernt sind. The German Kulturangst ist ein Symptom für Realitätsverweigerung in Deutschland. Die Sarrazin-Debatte 2010/11 hat der Wir-Werdung schweren Schaden zugefügt.

Armutszuwanderung gibt es durchaus, und sie trifft manche Kommunen hart. Aber die daraus resultierenden Probleme können nicht auf kommunaler Ebene gelöst werden. Notwendig wäre eine europäische Entwicklungsorganisation zur Begrenzung der Ursachen der Migration innerhalb Europas, mit Fokus auf die besonders schwierige Situation der Sinti und Roma in Osteuropa. Außerdem produziert die gerade in Deutschland wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich Ängste, die auf die Zuwanderer projiziert werden. Eine gemeingefährliche Gespensterdebatte, die von den Christlichen Schwester-Parteien aus wahltaktischen Gründen noch angeheizt wird. Das so entstehende „kulturrassistische Band“ gegen Zuwanderer bedroht das aufgeklärte demokratische Europa: Vieles in der Geschichte Europas, das klein anfing, hatte dann katastrophale Auswirkungen. Könnten wir Heutigen später sagen, wir hätten von allem nichts gewusst?

Nach Bades Vortrag fragte Moderator Alf Mentzer nach der deutschen Armutsmigration, etwa nach Amerika: Da stellte sich heraus, dass Bades Familie Teil davon war, sie wanderte im 18. Jahrhundert (?) nach Paris aus, wo alle Straßenkehrer Hessen waren, und kam im 19. Jahrhundert zurück nach Hessen, französische Kultur im Gepäck.

Einen passenden Kommentar zu Bades Plädoyer für realitätstaugliches Handeln lieferte im anschließenden Gespräch mit Mentzer der Schriftsteller Aris Fioretos, ein Europäer reinsten Wassers, Vater Grieche, Mutter Österreicherin, aufgewachsen in Schweden, heute ein Berliner: Erfolgreich sind Gesellschaften, die Differenzerfahrungen zulassen, Unterschiede wertschätzen, Spannungen aushalten. Für ein aufgeklärtes Europa ist er optimistisch, notgedrungen, ganz entgegen seinem pessimistischen Naturell: Seine Kinder sind ja Europäer.

Danach folgten weitere vielversprechende Talks, die ich aber nicht abwarten konnte: Ich muss weiter Wohnung suchen. Meine, mitten in superdiversen Frankfurt, ist seltsamerweise so elektrosmogverseucht, dass ich elektrosensibel geworden bin und mich darin nicht mehr aufhalten kann. Sonst aber so ziemlich überall. Zum Glück.


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