Rohstoffe: Alles nur manipuliert?

Von Ecocens @EcoCens

Intransparent, unübersichtlich und überaus gewinnträchtig: Die Rohstoffmärkte gelten als leicht manipulierbar, da es kaum effektive Kontrollmechanismen gibt. Bislang zumindest. Für diverse Banken, Hedgefonds und Rohstoffkonzerne ist dies ein grandioses Spielfeld, um sich auf Kosten der Verbraucher ordentliche Gewinnmargen zu sichern.

Die Großbank JP Morgan Chase wurde in einem gerichtlichen Vergleichsverfahren zu einer Geldstrafe von 400 Millionen US-Dollar verdonnert, weil der Konzern den kalifornischen Strommarkt massiv manipuliert hatte. Angesichts eines Quartalsgewinns von rund 6,5 Milliarden US-Dollar ist die Strafzahlung jedoch kaum der Rede Wert. Die ohnehin ständig im kritischen Kreuzfeuer stehende Bank Goldman Sachs soll um die 5 Milliarden Dollar mit der Manipulation der Aluminiumpreise verdient haben. Pro verkaufter Aluminiumdose soll das Unternehmen laut Medienberichten dadurch fast einen Cent an Extramarge bekommen.

Folgt nun auch Kupfer?

Ein künstlicher Preisanstieg könnte in Zukunft auch für das in der Industrie begehrte Metall Kupfer drohen. Goldman Sachs, JP Morgan und die Finanzverwaltungsfirma BlackRock besitzen gemeinsam bereits 80% des verfügbaren Kupfers auf dem Weltmarkt. Dies hat die US-Finanzmarktbehörde United States Securities and Exchange Commission (SEC) im vergangenen Jahr nach einer umfangreichen Lobby-Kampagne genehmigt. Offiziell geht sie davon aus, dass sich dadurch kein Preisanstieg durch künstliche Verknappung ergeben würde. Dabei stieg der Preis seit dem Jahr 2002 von circa 1.500 auf inzwischen rund 7.000 US-Dollar. Tendenz weiterhin steigend.

Erdöl im Fokus

Auch beim Erdöl soll es Manipulationen zu Ungunsten der Verbraucher gegeben haben. Allerdings stehen hier nicht die Banken im Visier der Fahnder, sondern die europäischen Ölkonzerne BP, Shell und Statoil. Sogar zu Razzien ist es bereits gekommen. Der Preismechanismus auf dem Erdöl-Markt gilt grundsätzlich als intransparent. Die Europäische Kommission untersucht derzeit, ob die Referenzpreise des Erdöls manipuliert wurden. Etwa 90% der Erdölgeschäfte werden über diesen Referenzpreis abgewickelt, welcher täglich bekanntgegeben wird. Hinzu kommen noch Finanzkontrakte auf Erdöl, welche alleine im Jahr 2012 einen Umfang von 1,5 Billionen US-Dollar hatten.

Auch der Edelmetallhandel unter Verdacht

Schon im Jahr 2010 untersuchte die US-Terminbörsenaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die den Futureshandel überwacht, die Silbergeschäfte von JP Morgan Chase und HBSC. Trotz der Unmengen an Indizien wurde jedoch keines der Unternehmen verurteilt. Seltsamerweise reduzierten sich die Terminkontrakte nach der Anklageerhebung in einem sehr deutlichen Umfang. Angesichts des doch recht engen Marktes für Silber kann die Einflussnahme einiger weniger finanzkräftiger Banken durchaus zu Preisbewegungen führen, die mit der realen Marktsituation nichts zu tun haben.

Beim Gold sieht sie Sache ja nicht viel anders aus. Die amerikanische Terminbörsenaufsicht CFTC untersucht derzeit beim Edelmetall Gold mögliche Preismanipulationen. Besonders interessiert man sich dort für die Festsetzung des Fixpreises für eine Feinunze Gold. Der Preis wird von fünf Banken, darunter der Deutschen Bank, zweimal am Tag festgesetzt. Die CFTC kritisiert die Preisfindung hierbei zurecht als zu intransparent. Ganz zu schweigen davon, dass sich der Goldpreis zu sehr vom "Papiergold" leiten lässt. Denn, während die Nachfrage nach physischem Gold in den letzten Monaten deutlich gestiegen ist, und die Käufer sich teilweise mit mehrwöchigen Lieferzeiten abfinden müssen, verzeichnete der Goldpreis einen massiven Absturz. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass vor allem die Inhaber von diversen Goldpapieren diese abgestoßen haben.

Fazit

Der eigentliche Zweck der Rohstoffbörsen, eine stabile Preisfindung für Händler und Produzenten zu ermöglichen, wird durch die spekulativen und manipulativen Elemente in diesem Geschäft konterkariert. Die Preise orientieren sich – je nach Ware mehr oder weniger – zusehends an den Vorstellungen der Spekulanten, welche mit ihrem Geldeinsatz die Preisbewegungen zusätzlich antreiben. Ganz zu schweigen davon, dass die Deregulierung dieser Märkte aufgrund fehlender effektiver Kontrollmechanismen auch dazu verleitet, die Preise bewusst zu manipulieren, um sich noch zusätzliche Gewinne auf Kosten der Weiterverarbeiter und der Konsumenten zu sichern.

Dieser Mißbrauch marktwirtschaftlicher Instrumente für die börsenkapitalistische Geldgier führt auch dazu, dass sich immer mehr Menschen den kapitalismuskritischen Organisationen (wie z.B. Attac, oder die Occupy-Bewegung) anschließen. Es sind vor allem die Großbanken und die Hedgefonds, welche erst durch umfangreichen Lobbyismus die Deregulierung von Märkten einfordern, dies dann für Spekulationen und Manipulationen ausnützen, und für ein schlechtes Bild der Marktwirtschaft in der öffentlichen Meinung sorgen. Und wenn sie sich dabei ordentlich verspekulieren, durften zumindest die Banken auf ordentliche Summen aus den Staatshaushalten hoffen.