Rhabarbersaison eröffnet - Rhabarber-Kokos-Curd und ein Experiment

Von Antje Radcke @ARadcke


Seit der Schnee endgültig weg ist, beobachte ich täglich meine Rhabarberstaude - um bloß jeden Wachstumsschub und vor allem den möglichen Erntebeginn mitzukriegen. Meine Geduld wurde lange strapaziert, nun aber belohnt. Wobei ich es eher einem glücklichen Zufall verdanke, dass ich den richtigen Zeitpunkt nicht doch verpasst habe. denn...
... ich bin ja keine Rhabarberspezialistin. Genauer gesagt: Der Rhabarber war schon da, bevor ich kam - die Vorbesitzerin meines Häuschen hatte ihn angepflanzt und ich mich riesig gefreut, als ich ihn entdeckte. Bei meiner täglichen Inspektion nun fand ich die Stangen bislang immer noch ein wenig zu kurz für die Ernte - und so musste ich grummelnd darüber hinweglesen, dass andere bereits Rezepte über Rezepte mit Rhabarber veröffentlicht hatten. Zufällig las ich dann in meiner Gartenzeitschrift, dass man die Rhabarberblüten unbedingt entfernen solle, damit das Wachstum in die Blätter statt in die Blüten geht (das hatte ich beim ersten Lesen des Magazins übersehen). Ich flitzte in den Garten, um meine Pflanze erneut zu untersuchen...
... uuups, da gab es doch tatsächlich zwei Blüten - versteckt unter einem riesigen Blatt (mit zu kurzer Stange). Also bin ich dem Expertenrat gefolgt und habe sie sorgsam so weit unten wie möglich herausgeschnitten. Bizarre Gebilde. Die man - ähnlich wie Broccoli - essen kann (stand auch in der besagten Zeitschrift). Und ich bin ja experimentierfreudig.
Also experimentierte ich und schmorte die in Röschen zerteilten Blüten broccolimäßig mit einer kleinen gewürfelten Zwiebel in der Pfanne, würzte mit Salz, frisch gemörsertem Voatsiperifery-Pfeffer und Parmesanspänen - und steckte mir beherzt ein Röschen in den Mund. Nur meiner guten Erziehung ist es zu verdanken, dass ich es nicht gleich wieder ausgespuckt habe. Ich war so auf dem Broccoli-Holzweg, dass der völlig andere Geschmack wie ein Schlag mit dem Holzhammer auf meine Geschmackssensoren traf.
Rhabarberblüten schmecken sauer. Hätte ich mir ja irgendwie denken können. Und weil ich den ersten Happen nicht wieder ausgespuckt habe, habe ich meine Geschmacksnerven stattdessen zu einem Neustart veranlasst. Alles auf Null und der Blüte aufs Neue hinterherschmecken. Ergebnis: Sauer, herb, leicht rhabarberig - nicht sooo schlecht. Aber dieser Grundgeschmack erforderte eine deutliche andere Würze. Der Blick in meine Gewürzsammlung blieb an der Dose mit einer arabischen Kaffee-Gewürzmischung hängen, die aus Kardamom, Zimt, Nelken, Piment, Muskatblüte, Bourbon-Vanille, Pfeffer und Rosenblättern besteht. Ich streute davon also eine kräftige Prise über das Gemüse, toppte das Ganze noch mit einem Eierlöffelchen voll Kokosblütenzucker - und probierte erneut.
Ich habe die ganze Portion verspeist - mit dieser Gewürzkombination schmeckte die Blüte sehr, ähh, interessant und irgendwie auch angenehm. Ob ich die Aktion (für den Fall, dass ich noch einmal eine Rhabarberblüte übersehen sollte) wiederholen werde, habe ich noch nicht entschieden. Extra dafür eine heranwachsen lassen werde ich nicht ;-)
So, nun aber zu meinem Rhabarber-Kokos-Curd. Eigentlich ist auch das ein Experiment - von dem ich aber schon vor dem Experimentieren sicher war, dass es gelingen würde. Denn einen Teil der Butter durch Kokosöl (was ja gekühlt sehr fest wird) zu ersetzen, hatte ich schonmal mit Lemoncurd erfolgreich ausprobiert - es war köstlich. Und Rhabarber statt Zitronen? Konnte mir nicht denken, dass das schiefgehen sollte - sauer ist schließlich beides. Und dann der dritte Neuigkeitsfaktor: Ich habe das fertige Produkt wegen seiner etwas langweiligen hellolivgrünen Färbung rosa getüncht. Mit naturreinen gefriergetrockneten und gemahlenen Himbeeren in Bio-Rohkost-Qualität. Damit hatte ich ja bereits mal eine Crème für Cupcakeseingefärbt - geschmacklich wie farblich. In diesem Fall aber war die Himbeerdosis im Verhältnis zur Curd-Menge zwar ausreichend farbwirksam, Kokos und Rhabarber aber lassen den Himbeergeschmack kaum durch (und selbst wenn es anders wäre: Rhabarber und Himbeeren sind ja durchaus lecker in Kombination).
Das Endprodukt ist superlecker. Heute (Tag 2 nach Fertigstellung) hat das Curd eine schöne streichfähige, aber nicht standfeste, Konsistenz. Bestens als Brotaufstrich geeignet (zum Einfach-so-wegnaschen sowieso). Meine Erfahrung mit Kokosöl und dem entsprechenden Lemoncurd zeigt aber, dass die Masse nach ein paar Tagen noch fester wird - das Kokosöl braucht lange, bis es seine Ursprungshärte wieder erreicht hat. Und hier nun mein Rezept für
Rhabarber-Kokos-Curd

Zutaten
(alles bio, reicht für 2 Gläser)
  • ca. 250 g Rhabarber
  • 1 El. Wasser
  • 200 g Rohrohrzucker
  • 1/4 Tl. gemahlene Vanille
  • 50 g Butter
  • 50 g Kokosöl
  • 2 Eier (Größe M)
  • evtl. 2 geh. Tl. Himbeerpulver zum Färben (ersatzweise ein paar TK-Himbeeren)
Zubereitung

  1. Vom Rhabarber die Schale dünn abziehen und die Stangen in feine Scheiben schneiden. Mit 1 El. Wasser in einem Topf bei geschlossenem Deckel weich dünsten (dauert nur wenige Minuten). Rhabarbermasse pürieren und 150 g (oder weniger, wenn festere Konsistenz gewünscht) davon abmessen (den Rest süßen und wegnaschen ;-).
  2. Pürierten Rhabarber in einem Topf mit Zucker, Butter, Kokosöl und Vanille vermischen und solange erhitzen, bis sich Zucker, Butter und Öl aufgelöst haben und eine homogene Masse entstanden ist. Masse in eine Schlagschüssel umfüllen.
  3. In einem Topf Wasser zum Kochen bringen und am Köcheln halten - der Topf sollte so groß sein,dass die Schlagschüssel darauf passt.
  4. Eier miteinander verquirlen. Von der Rhabarbermasse nach und nach ein paar Esslöffel voll mit einem Schneebesen unterschlagen. Diese Mischung nun in die Curd-Masse in der Schlagschüssel schlagen.
  5. Schlagschüssel auf das Wasserbad setzen und die Masse so lange schlagen, bis sie merklich fester und möglichst heiß geworden ist. (Anmerkung: In den meisten Rezepten zu Lemoncurd o.ä. wird das Ei direkt im Topf auf der Herdplatte untergerührt. Da ist mir zu riskant, da das Ei leicht gerinnen kann und die schöne Konsistenz dann nur noch mit einem guten Pürierstab zu retten ist.)
  6. Nun die Masse entweder selbstständig abkühlen lassen und dabei ab und zu durchrühren. Oder (wenn man so ungeduldig ist wie ich) das Rhabarbercurd im kalten Wasserbad kaltrühren.
  7. Sobald die Crème handwarm ist, kann sie noch mit Himbeerpulver (oder TK-Himbeeren) rosa gefärbt werden. Dazu das Pulver oder die Beeren durch ein feines Sieb in das Curd streichen, damit die Kerne zurückbleiben. Gut durchrühren. (Anmerkung: Die ausgesiebten Kerne des Himbeerpulvers verwende ich in meinem Müsli.)
  8. Crème in Gläser abfüllen und im Kühlschrank mindestens über Nacht durchkühlen lassen (naschen kann man natürlich schon vorher, die Köstlichkeit ist dann allerdings noch ziemlich weich). Das Curd wird nach ein paar Tagen noch fester.

Guten Appetit!

Mit diesem Rezept nehme ich auch am Rhabarber-Event von Küchenplausch teil: